„Nicht gegen, sondern für Trauer“

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Mit großem Herz, mutig und engagiert: Sterbe- und Trauerbegleiterin Sabine Kerlin Foto: cs

Sabine Kerlin ist Begleiterin im Hospizverein Ahrensburg. „Helfen, nach vorne zu sehen“

Ahrensburg Trauer kennt keine Zeit und keinen Raum. Trauer ist allgegenwärtig, besitzergreifend, egoistisch und so einnehmend, dass oft Familienangehörige oder enge Freunde den Trauernden nicht wiedererkennen. „Die Zeit heilt alle Wunden“, ist ein gern gesagter Satz, der nicht mehr als die eigene Hilflosigkeit ausdrückt. „Nicht gegen die Trauer. Für die Trauer. Man muss seine Gefühle zulassen und annehmen“, rät Sabine Kerlin, Trauerbegleiterin des Hospizvereins Ahrensburg. Seit zwei Jahren ist die Ahrensburgerin ehrenamtlich im Trauercafé engagiert. Bereits 2009 absolvierte sie eine Ausbildung zur Sterbebegleitung.

Ein Jahr Ausbildung


Doch warum setzt man sich freiwillig mit so schwerwiegenden Themen auseinander? „Ich arbeite seit 35 Jahren als Ergotherapeutin im Querschnittzentrum Boberg. Da werde ich laufend mit diesen Themen konfrontiert. Jeder Querschnittsgelähmte trauert seinem verlorenen Leben nach.“

„Es ist wichtig, sein eigenes Wohlergehen bei der Arbeit nicht aus den Augen zu verlieren.“ Sabine Kerlin

Ein Jahr der Ausbildung war notwendig, um sich auf die Arbeit einer Trauerbegleiterin vorzubereiten. Neben Themen wie Trauerphasen, Gesprächsführung und Ressourcen erkennen gehörte aber auch die Selbstsorge dazu. „Es ist wichtig, sein eigenes Wohlergehen bei der Arbeit nicht aus den Augen zu verlieren“, sagt die Mutter zweier erwachsener Söhne. Regelmäßige Supervisionen, aber auch der emotionale Abstand helfen dabei. Übernimmt Sabine Kerlin eine Trauerbegeleitung, dann steht sie dem Trauernden bis zu zehn Gesprächstreffen zur Verfügung. „Trauerarbeit ist eine Art Therapie. Zuhören ist wichtig, aber der Trauernde muss sich auch selbst auf den Weg machen, irgendwann nach vorne zu sehen, schließlich geht für ihn das eigene Leben weiter.“

Trauercafé als Treff


Jeden dritten Sonntag im Monat findet von 14 bis 16 Uhr das Trauercafé im Peter-Rantzau-Haus statt. In ungezwungener Atmosphäre, bei Kaffee und Kuchen können dort Trauernde zusammenkommen und reden. Zwei bis drei Trauerbegeleiter sind stets bei den Treffen zugegen. „Überwiegend sind es ältere Damen, die den Weg dorthin finden“, sagt Sabine Kerlin, „aber auch Männer seien natürlich herzlich willkommen.“
Nach jeder Trauer- oder Sterbebegleitung nehmen sich Sabine Kerlin und ihre Kolleginnen eine Auszeit. Mit Sport, Lesen und ihrer Leidenschaft für Oldtimer lenkte sich die 58-Jährige ab. „Natürlich gibt es Fälle, die einen sehr betroffen machen, aber das Leben geht weiter.“
Großes Interesse an ihren Mitmenschen, die Gabe zuhören zu können und sehr emphatisch zu sein sieht Sabine Kerlin als wichtige Eigenschaften, um sich in so einem Ehrenamt engagieren zu können. „Es gehört auch eine Portion Mut dazu, die Themen Sterben und Tod mit Betroffenen offen anzusprechen“, sagt sie. Trotzdem überwiegt für sie immer das Interesse am Leben und den Menschen, selbst wenn diese im Sterben liegen. Und so sagt sie positiv: „Der Tod hat für mich seinen Schrecken verloren“. (cs)

Info:
Der Hospizverein Ahrensburg ist unter 04102/691125 oder unter kontakt@hospiz-ahrensburg.de zu erreichen. Das nächste Trauercafé findet am 19. April, 14 bis 16 Uhr im Peter-Rantzau-Haus in Ahrensburg statt
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