Nie zu alt fürs Internet

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Heinrich Schepers in seinem Arbeitszimmer am Computer Foto: Keil
 
Jürgen Plage, viel gelernt in drei PC-Kursen, nimmt seinen Laptop bei gutem Wetter auch gern mit in den Garten Foto: Keil

Kurse für Senioren erleichtern Einstieg

Von Manuela Keil
Ahrensburg. Nur etwa jeder dritte Deutsche über 65 Jahren ist im Internet angekommen. Nach einer Studie des Fachverbandes Bitkom nutzen nur 32 Prozent der Menschen über 65 Jahren regelmäßig ihren Computer.
Heinrich Schepers gehört nicht zu denjenigen, die Berührungsängste mit Computer und Internet haben. Im Gegenteil. Der 64-jährige Volkswirt gibt sogar Computerkurse im Peter-Rantzau-Haus, darunter auch Grundkurse für Einsteiger, die vorwiegend von Senioren besucht werden. Der gelernte Elektromechaniker, der später eine Ausbildung zum Bankkaufmann absolvierte und auf dem zweiten Bildungsweg sein Abitur machte, entschied sich noch einmal für einen neuen Berufsweg. Er studierte, schloss als Diplom-Volkswirt ab und arbeitete ab 1980 in einem Rechenzentrum, einem Dienstleister für Banken. Daher waren ihm Computer beruflich zwar vertraut, „aber es war noch eine andere Welt damals, als die Codes und Daten noch in Lochkarten gestanzt waren“, sagt Schepers, der sich seit dieser Zeit vieles im Umgang mit Computer und Internet selbst erarbeitet hat.
Mit 59 Jahren ging Heinrich Schepers in den Ruhestand, sein Interesse für Computer vertiefte er seitdem immer mehr. Zunächst war er zwei Jahre bei den Wirtschaftssenioren als Berater tätig und führte dort auch das Intranet ein. Als das Peter-Rantzau-Haus gebaut wurde, gab es 2008 einen PC-Raum, jedoch weder Kurs-Programm noch einen Lehrer. Heinrich Schepers entwickelte mit dem fünf Jahre älteren Günther Ludwig einen PC-Kursplan und bot mit ihm zusammen vier Kurse an. Seitdem ist viel passiert, und die beiden haben das Programm erweitert. Ahrensburg. Nicht alle Senioren können so souverän mit dem Computer umgehen wie Heinrich Schepers. Dafür gibt es unter anderem im Peter-Rantzau-Haus zahlreiche Kurse. Dort können Grundlagen erlernt werden und diese in Aufbaukursen ausgebaut werden. Angeboten werden zudem Basiskurse für Textverarbeitung und E-Mail-Verkehr bis zu Internetseminaren und Fotobuch-Kursen.
Neu ab Oktober ist ein PC-Club, in dem monatlich spezielle Themen der Teilnehmer bearbeitet werden sollen. Ein Vorteil der Kurse im Peter-Rantzau-Haus, sagt Schepers, sind die kleinen Gruppen von acht Teilnehmern. Der Preis ist mit 30 Euro für sechs Doppelstunden moderat. Und: Schepers und Ludwigs Engagement ist rein ehrenamtlich. Wer möchte, kann ein von Schepers für Anfänger eigens zusammengestelltes Skript von 105 Seiten zum Kopierpreis erwerben. Gut angenommen – vor allem von Senioren - werden die Grundlagenkurse. Hier geht es um Maus- und Tastaturbedienung, Dateien und Ordner sowie den Umgang mit Programmen. Aber, warnt Schepers, ohne am heimischen PC zu üben, gehen die Kenntnisse auch schnell wieder verloren.
Breite Einsatzfelder
Einer, der durch die Kurse am Peter-Rantzau-Haus schon viel gelernt hat, ist Jürgen Plage. Der 71-Jährige besucht bereits das dritte Seminar, nachdem ihm zwei Kurse bei Günther Ludwig und Heinrich Schepers gut gefallen haben. „Die Teilnehmer waren überwiegend in meinem Alter“, sagt er. Jetzt möchte Plage lernen, ein Fotobuch zu erstellen und mehr über den Umgang mit Bildern erfahren. Plage, der früher in einer Großdruckerei als Elektromeister gearbeitet hat, ging mit 62 Jahren in den Ruhestand. Er ist 2. Vorsitzender im Sozialverband sowie Mitglied im Seniorenbeirat. „Als der Sozialverband einen Schriftführer brauchte, meinte man zu mir, schaff dir mal einen Computer an“, sagt Plage, der in seinem Beruf den Computer nur zu Schreibzwecken nutzte. Ihn faszinieren die Möglichkeiten des Internets, wie man Musik herunterladen kann und welche Kontaktmöglichkeiten entstehen. So verfolgte er im vergangenen Jahr den einjährigen Besuch seiner Enkeltochter in den USA über ein soziales Netzwerk. Als nächstes plant Plage einen Vortrag, den er bebildern möchte. Dafür kann er seine Kenntnisse gut einsetzen. (kei)
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