„Nur Spitze des Eisbergs“

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Ralf Lorenzen (Kripo Ahrensburg) (v.l.), Polizeichef Holger Meincke, Hans-Jürgen Köhnke (Kripo Oldesloe) und Staatsanwalt Dirk Hartmann Foto: fnf

Staatsanwalt: Brandstifter möglicherweise für mehr Taten verantwortlich

Von Finn Fischer
Ahrensfelde/Ratzebur
g Eigentlich sollen sie Feuer bekämpfen. Doch seit vergangenen Oktober waren vier Feuerwehrleute der Ahrensfelder Wehr selbst für zahlreiche Brände im Raum Ahrensburg verantwortlich. Die Polizei nahm
vergangene Woche sechs Verdächtige, Männer im Alter von 19 bis 21 Jahren aus dem Raum Ahrensburg, fest. Vier davon sind Feuerwehrmänner. Sies sollen zudem einen Hamburger (20) und einen Ahrensburger (17) mit den Taten beauftragt haben. Nach ihrer Vernehmung wurden alle verhaftet. „Es besteht Flucht- und Wiederholungsgefahr“, so Staatsanwalt Dirk Hartmann.
Vor allem Landwirte können jetzt wohl etwas ruhiger schlafen. Schon seit geraumer Zeit hatten die Ermittler die vier Ahrensfelder Feuerwehrleute im Visier, denn sie sollen sich an den Brandorten auffällig verhalten haben, machten unter anderem Angaben unter falschen Namen. Das blieb von den Ermittlern nicht unbemerkt.
„Als die Täter das mitbekamen, beauftragten sie zwei Bekannte mit Brandstiftungen, um von sich abzulenken“, sagt Ralf Lorenzen, Leiter der Kripo Ahrensburg. Die „Auftragsvergabe“ mehrerer Brandstiftungen macht den Fall besonders pikant. Das zeugt von einer enormen kriminellen Energie. Staatsanwalt Dirk Hartmann: „In diesem Fall ist die Anstiftung fast noch krimineller zu werten, als die eigentliche Brandstiftung.“
Sogar Geld soll geflossen sein. Das Motiv: „Wahrscheinlich Geltungssucht“, wie Holger Meincke, stellvertretender Leiter der Polizeidirektion Ratzeburg erklärt: „Dadurch, dass die Feuerwehrmänner immer früh an den Brandorten waren, wollten sie wohl die Anerkennung ihrer Kameraden erlangen.“
Aktuell können der Tätergruppe zehn Brandstiftungen zur Last gelegt werden. Weitere könnten folgen. Bisherige Schadenssumme: Etwa 140.000 Euro.
„Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen“, sagt Staatsanwalt Hartmann. „Die aus unserer Sicht aufgeklärten Taten sind möglicherweise erst die Spitze des Eisbergs.“ Insgesamt kam es seit 2013 zu 117 Brandstiftungen in der Region. 20 Brandstiftungen konnten bereits anderen Tätern zugeordnet und aufgeklärt werden.
Bei den Tatverdächtigen fanden die Ermittler zahlreiche Utensilien, darunter Feuerwerkskörper, Benzin, mehrere Sprechfunkgeräte und Funkscanner, mit denen sie Feuerwehreinsätze abhörten. Die Brandserie ist teilweise aufgeklärt, doch dies stürzt die Feuerwehr Ahrensburg auch in eine tiefe Krise.
In einer ausführlichen Erklärung hat sich der Landesfeuerwehrverband von den Tätern distanziert. Mit der Aufarbeitung der Tat wird sich Bürgermeister Michael Sarach, Dienstherr der Feuerwehr Ahrensburg, beschäftigen. Ende vergangener Woche traf er sich mit Vertretern der Einsatzkräfte zum Krisengespräch. Weitere Treffen sind diese Woche geplant. Der Landesfeuerwehrverband hat angeboten, der Ahrensburger Wehr einen Mediator zur Seite zu stellen.
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