Obdachlosenunterkünfte sind „am Limit“

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Beatrice Schmidt steht vor einer der Obdachlosenunterkünfte

Längere Verweildauer, weniger Plätze: Oldesloe sucht nach neuem Konzept

Bad Oldesloe. Die Situation wird immer dramatischer: Während immer mehr Menschen in der Kreisstadt auf die Obdachlosenhilfe angewiesen sind, gibt es immer weniger Platz in den dafür eingerichteten Quartieren. Alle Unterkünfte sind voll. Beatrice Schmidt, zuständig bei der Stadtverwaltung für die Organisation der Obdachlosenunterkünfte, spricht Klartext. „Alles ist überfüllt und dann soll ein Objekt demnächst verkauft werden. Wir fahren permanent am Limit“, sagt die Sozialarbeiterin.
Diese Entwicklung hat im wesentlichen zwei Gründe: Die Verweildauer der Obdachlosen in den Einrichtungen verlängert sich zunehmend und um die Verfügbarkeit an billigem Wohnraum in der Kreisstadt steht es schlecht. Und dann soll noch die Holzbaracke in der Königstraße abgerissen werden.
„Einer der beiden Bereiche ist jetzt schon nicht mehr bewohnbar. Die Kosten für die Instandsetzung würden den Nutzen übersteigen“, erklärt Beatrice Schmidt. Feuchtigkeit habe dem Holzhaus stark zugesetzt.„Der Bedarf ist ganz klar abhängig von den gesellschaftlichen Bedingungen. Die kann man nicht vorhersagen“, erklärt die Sozialarbeiterin.
„Die Zahlen steigen zunehmend. Es kommen auch immer mehr Anfragen von Frauen, die aus schwierigen familiären Verhältnissen kommen“, berichtet Beatrice Schmidt. Derzeit sind es rund 70 Obdachlose – ein Drittel davon ist unter 25 Jahre alt – die in den Quartieren untergebracht sind.
Auch die Politik beschäftigt sich mittlerweile mit dem Thema. Thomas Sobczak von der Stadtverwaltung: „Wir müssen uns von einer Situation zu anderen hangeln und sind permanent auf der Suche nach neuen Objekten.“ „Wir brauchen eine langfristige Lösung. Würde man jetzt nach dem bisherigen Muster eine Unterkunft etwa mit zehn Plätzen schaffen, würden wir in ein paar Monaten wieder vor dem Problem stehen. Die wären wieder relativ schnell voll“, so Sobczak.
Nicht nur neue Quartiere müssen geschaffen werden. Auch die bestehenden Unterkünfte brauchen Pflege. Das Erdgeschoss der Obdachlosenunterkunft in der Lübecker Straße wurde zwar vor einigen Monaten renoviert, das erste Obergeschoss ist aber nach wie vor in einem desolaten Zustand. Wir müssen möglichst schnell schauen, dass das erste Stockwerk in der Lübecker Straße renoviert wird“, sagte Hajo Krage (SPD) im Sozialausschuss.
Die Verwaltung soll bis Februar ein Konzept erarbeiten, das sich mit der Raum- und Personalsituation beschäftigt. (fnf)
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