Poker um den Großensee

Anzeige
Der Großensee steht zum Verkauf. Neben der Gemeinde gibt es auch zwei mögliche Privatkäufer Fotos: fp
 
Während der Einwohnerversammlung diskutierten viele Großenseer angeregt

Gemeinde will um Millionengewässer mitbieten. Frist bis 26. September

Von Frauke Pöhlsen
Großensee. Damit das Wahrzeichen ihrer Gemeinde nicht in die Hände eines Privatkäufers gelangt und dieser womöglich das Gewässer einzäunen lässt, wollen die Großenseer ihr Privatvermögen geben.
Nach der Einwohnerversammlung, zu der Bürgermeister Karsten Lindemann-Eggers in der vergangenen Woche eingeladen hatte, steht fest: Die Gemeinde Großensee will den Großensee kaufen und viele Bewohner sind bereit, etwas von ihrem Geld dazu zu geben.
So sagte zum Beispiel Monika Schottang, die mit ihrem Ehemann Dietrich seit 30 Jahren in Großensee lebt. „Für den Kauf des Sees verzichte ich gern auf die dringend notwendige Reparatur des Gehsteigs in unserer Straße.“ Auch Torsten Meins will sich beteiligen. Der 45-Jährige ist in Großensee geboren: „Ich gebe gern etwas dazu“, sagt er. 250 Menschen der 1.700-Einwohner-Gemeinde waren ins Dörphus gekommen und wollten wissen, welchen Preis die Stadt Hamburg für das 75 Hektar große Gewässer verlangt. Die Hansestadt, der der See seit 1837 gehört, hat ein Mindestgebot von 1,115 Millionen Euro gesetzt. In dem eingeschränkten Bieterverfahren hat Hamburg vier möglichen Käufern ein Kaufangebot gemacht, darunter auch zwei nicht bekannten Privatinteressenten sowie der Stiftung Naturschutz.

Keine Fördergelder

Die Stiftung lehnte bereits ab, da sie nur maximal 200.000 Euro investieren darf. Auch das Land Schleswig-Holstein kann der Gemeinde nicht beim Kauf unter die Arme greifen. Die Möglichkeit Fördergelder zu beantragen, sei daher nicht gegeben, so Lindemann-Eggers. Auch Anfragen bei Stiftungen blieben bisher erfolglos. Will die Gemeinde den See kaufen, bedeutet das, dass die geplante Entwicklung der Infrastruktur auf lange Zeit auf Eis liegt. „Für die Refinanzierung haben wir derzeit keine Grundstücke, die wir zum Kauf anbieten könnten“, erklärte der Bürgermeister. Zudem verwies der Verwaltungschef auf ein weiteres Problem: „Geben wir ein niedriges Gebot ab, besteht die Gefahr, dass ein anderer Mitbieter den Zuschlag bekommt.“
Der Bürgermeister nannte aber auch Alternativen zum Kauf: „Wir können einen B-Plan aufstellen und eine dreijährige Bausperre verhängen“, meinte er. „Doch damit schieben wird das Problem nur auf. Und auch Anrainer wären von der Sperre betroffen, darüber müssen sie sich klar sein.“ Ein Vorkaufsrecht wäre ebenfalls eine Option, doch wenn ein anderer Interessent höher bietet, hat die Gemeinde nur 14 Tage, um die Summe aufzubringen.
Viele der Anwesenden schlugen vor, Anteilscheine vom See erwerben zu wollen. Diese Idee unterstützt auch Susanne Bern: „Ohne den Großensee verliert der Ort seine Identität“, sagt sie. Der Gemeindevertreter
Rüdiger Koch gab die Stimmung im Raum wieder: „Wohl alle der Anwesenden sind dafür, den See zu kaufen und werden die Gemeinde unterstützen. Sie können ruhig schlafen, Herr Lindemann-Eggers. Mit Hilfe der Bevölkerung kann die Gemeinde den Kauf des Großensees finanzieren.“

Finanzierung als Thema

Bis 26. September müssen alle drei Bieter der Stadt Hamburg ihr Angebot mitteilen. Am Donnerstag,
11. September, wird die Gemeindevertretung in nichtöffentlicher Sitzung über die Angebotshöhe und die Art der Finanzierung beraten.
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige