Projekt „Questo“ für den Quereinstieg in Stormarn

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Der Beruf des Erziehers ist für viele Menschen der Traumberuf Symbolfoto: Thinkstock
 
Frederik Gers, 24: Ich habe ein freiwilliges soziales Jahr an einer Kita gemacht und wusste schnell, dass es das Richtige für mich ist Foto: Fischer

Wie Menschen mit Berufserfahrung umsatteln können: Neue Erzieher-Generation in Stormarn

Von Finn Fischer
Ahrensburg
Keine Bezahlung, lange Ausbildung: Erzieherinnen und Erzieher haben einen langen Weg vor sich, bevor sie in den Beruf einsteigen können. Ein Modellprojekt der Bundesregierung soll den Einstieg attraktiver gestalten. Im Kreis Stormarn läuft es unter dem Namen „Questo – Quereinstieg in Stormarn“. Das von der Bundesregierung geförderte Modellprojekt wird in verschiedenen Bundesländern von unterschiedlichen Trägern realisiert, im Kreis Stormarn von der AWO Soziale Dienstleistungen. Das Quereinsteigerprogramm soll in erster Linie Männer und Frauen mit Lebenserfahrung und bereits bestehender beruflicher Qualifikation ansprechen. Wie etwa Frank Drummond, 49, aus Ellerbek: „Ich musste nach der Schule erst mal Geld verdienen. Aber mein Traum war es eigentlich immer, Erzieher zu werden. Das wusste ich schon nach einem Schulpraktikum in einem Kindergarten.“ Seinen Traumberuf konnte sich der alleinerziehende Vater einer Tochter nicht leisten. Eine fünfjährige Ausbildung ohne Vergütung hätte ihn finanziell ruiniert.
„Dass die klassische Ausbildung in diesem Berufsbild nicht vergütet wird, ist ein Problem“, sagt AWO-Projektkoordinatorin Andrea Dechau. Ihrer Erfahrung nach gibt es viele, die durchaus eine Karriere im erzieherischen Bereich starten wollen, sich eine so lange Zeit ohne Einkommen aber nicht leisten können. Dabei ist der Bedarf an den erzieherischen Einrichtungen im Kreis Stormarn enorm – und wird auch weiter steigen, ist sich Andrea Dechau sicher: „Durch die Flüchtlingskinder kommt noch ein Bedarf an Kapazitäten hinzu, nicht nur quantitativ.“
Mit Questo soll diese Hürde nun fallen. Die vergütete Ausbildung erfolgt in Vollzeit und dauert drei Jahre. Nach einer Prüfung können die Teilnehmenden dann als staatlich anerkannte Erzieherin bzw. staatlich anerkannter Erzieher arbeiten. Alle Auszubildenden lernen praxisnah in einem Kindertagesstätte oder einer anderen Einrichtung mit Bedarf in der Region. Die theoretische Ausbildung erfolgt an der Beruflichen Schule des Kreises Stormarn in Bad Oldesloe.


Gute Aussichten


Der an der Beruflichen Schule zuständige Fachbereichsleiter Johannes Kahlke: „2018 können die ersten ausgebildeten Erzieherinnen und Erzieher in die Einrichtungen entlassen werden.“ Die Klasse könnte bunter nicht sein: Die Teilnehmer kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen und Jobs, hauptsächlich jedoch aus dem Bereich der dualen Berufe. Von dieser Lebenserfahrung können auch die Kinder profitieren. Eine Zusage erhielt Frederik Gers, 24, aus Bad Segeberg: „Ich habe ein freiwilliges soziales Jahr an einer Kita gemacht und wusste schnell, dass es das Richtige für mich ist“, sagt Gers, der zuvor eine Ausbildung als kaufmännischer Assistent gemacht hat. Klassenkameradin Jennifer Thodte, 27: „Ich habe eine Ausbildung zur Pflegeassistentin gemacht, in der Hoffnung dann mit Kindern arbeiten zu können. Das hat aber nicht geklappt.“ Für sie ist es die Erfüllung eines Lebenstraums. „Man merkt in jeder Unterrichtsstunde, dass die Teilnehmer auch wirklich in dem Beruf arbeiten wollen. Die Leistungsbereitschaft ist sehr hoch“, zieht Klassenlehrerin Heike Franck Bilanz. Sie ist überzeugt: „Die Schüler werden eine Stelle nach der Ausbildung finden.“
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