Räder für Flüchtlinge

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Fotos: fp

Pfiffige Verleih-Idee des Freundeskreises in Trittau

Von Frauke Pöhlsen
Trittau. Mit rasantem Tempo fährt Ahmed Ibrahim mit seinem silberfarbenen Rad vor den Eingangsbereich des Wohnhauses neben der Feuerwache. Er klingelt laut, bremst und lächelt.
Der Syrer lebt seit acht Monaten ohne seine Familie und Papiere in Deutschland und nutzt eines der Räder, die der „Freundeskreis für Flüchtlinge und Asylbewerber“ repariert und anschließend an ihn und weitere 42 Menschen aus Syrien und Afghanistan, die derzeit in Trittau leben, verleiht.
Ahmed Ibrahim ist fast jeden Tag mit seinem Rad unterwegs. Das sei für ihn Sport und Ablenkung zugleich, meint er. Er fährt damit nach Ahrensburg zum Arzt, macht Besorgungen oder unternimmt kleine Ausflüge. Die weiteste Strecke war bisher nach Bad Oldesloe. „Das sind 24 Kilometer und zurück noch mal so viel“, sagt der junge Mann, der bereits sehr gut Deutsch spricht. Um sich zurecht zu finden, nutzt Ibrahim eine Handy App. Sven Höper, Mitglied im Freundeskreis, repariert gemeinsam mit einigen Flüchtlingen die Räder und vermittelt sie an Menschen, die sie brauchen. „Es ist gut, dass Flüchtlinge wie Ahmed die Chance bekommen, mobil zu sein und die Region kennen zu lernen“, sagt er. Auch das Reparieren und der Austausch sei eine gute Sache. „Man kommt sich viel schneller näher.“

Bürger spenden Räder oder Geld

Auf Initiative des Amtsvorstehers Ulrich Borngräber hat sich der Freundeskreises für Flüchtlinge und Asylbewerber gegründet und bereits jetzt einiges geschafft. „Die Betreuung und Unterstützung ist sehr vielfältig und individuell“, sagt Borngräber. Der Freundeskreis bezieht einen Großteil der Räder vom Ordnungsamt. Borngräber: „Es handelt sich um Fundstücke, die nach Ablauf der Frist eigentlich versteigert werden.“ Gemeinsam mit dem Ordnungsamt entschied die Amtsverwaltung, die Räder nun in Eigenleistung mit den Flüchtlingen fahrbereit und verkehrssicher zu machen.“ Auch viele Trittauer sind von der Idee begeistert, einige spenden Geld, andere bringen ihre gebrauchten Räder zu Sven Höper. Höper besorgt dann Reflektoren, Dynamos, Flickzeug oder Kinderfahrradhelme und macht die Zweiräder wieder fit. Sein und Ibrahims derzeitiges Projekt ist die Reparatur eines Laufrades. „Eine Flüchtlings-Familie in Grönwohld hat zweijährige Zwillinge und würde sich sehr darüber freuen“, sagt Höper. Der Ehrenamtler hat für den Sommer bereits viele Ideen. „Ich würde gerne einen Fahrradausflug mit Flüchtlingen, Helfern und Interessierten organisieren“, sagt er. Wer spenden möchte oder beim Reparieren mithelfen, kann sich unter t 04154/ 80 79 45.
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