Rätselhafte Rituale mit Humor

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Himmelfahrt-Ausflug des Trittauer Kegel-Clubs mit dem traditionellen Schinkenessen Foto: wb
 
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Bruno Scharnberg (l.) und Hilmar Sallach mit dem Pokal für den besten Kegler Foto: oj

Trittauer Traditions-Kegel-Club lädt zum Tag der offenen Bahn ein

Von Olaf Jenjahn
Trittau
Kegelclubs haftet gern mal das Image der „Alt-Herren-Sportart“ an. Auch die Mitglieder des Kegelclub „Gut Holz“ Trittau haben damit zu kämpfen. Mag sein, dass dieses Ansehen auch ein wenig selbst zu verantworten ist, denn die Trittauer Kegler wollen lieber unter sich bleiben und möchten keine Frauen in ihren Club aufnehmen. „Diese Tradition wurde schon vor 110 Jahren begründet und die wollen wir so lange wie möglich beibehalten“, sagt Vize-Präsident Bruno Scharnberg. Früher hätten die Ehefrauen parallel zu den Männern gekegelt, heißt es weiter. Der Trittauer Kegel-Club feiert in diesem Jahr sein 110-jähriges Bestehen. Aus diesem Grunde lädt der Club am 28. Mai ab 17 Uhr zu einem „Tag der offenen Bahn“ in die Pirsch-Klause nach Hamfelde/Lbg. ein. Auf der dortigen Bundeskegelbahn treffen sich die Vereinsmitglieder möglichst alle 14 Tage. An diesem Sonntag aber dürfen sich Freunde des Kegelsports und solche die es werden wollen, einmal auf der Bahn versuchen. Dem besten Kegler winkt dann ein großer Pokal. „Wir wollen mit dieser Aktion neue Mitglieder gewinnen“, sagt Club-Präsident Hilmar Sallach, der stolz darauf ist, dass der Club einer der 25 ältesten Kegel-Clubs in ganz Deutschland ist. Wer Mitglied werden möchte, muss sich erst auf der Bahn bewähren. Zehnmal wird gekegelt, erst dann entscheiden sich die Mitglieder, ob die neue Person aufgenommen wird. Das Votum muss einstimmig fallen, eine Begründung für eine Nicht-Aufnahme ist nicht erforderlich. „Es muss einfach passen“, erklärt Vize Bruno Scharnberg. „Außerdem sollten die neuen Mitglieder der Pflege der Tradition aufgeschlossen sein, tolerant und offen für Diskussionen sein und auch eine Prise Humor mitbringen“, fügt er hinzu. Derzeit gibt es zwei Aspiranten, die auf eine Aufnahme in den Kegel-Club hoffen.
Traditionen werden im Kegel-Club wahrlich gepflegt. Alljährlich wird am ersten Freitag im Jahr die Hauptversammlung mit einem deftigen Grünkohl-essen abgehalten. Dabei wird auf angemessene Kleidung geachtet. Nach Möglichkeit treffen sich die Mitglieder alle 14 Tage und führen verschiedene Aktivitäten durch: Teilnahme an der Trittauer Schießwoche, die Radtour zu Himmelfahrt mit Schinkenessen und dem anschließenden Treff mit dem Gesangverein, ein gemeinsames Grillen sowie der Jahresausflug. Den Abschluss des Jahres bildet das Gänseessen. Natürlich spielt auch der Sport eine Rolle im Kegel-Club. „Der Ligabetrieb war nie unser Ziel“, sagt Bernd Burmeister, seit 21 Jahren im Club aktiv. Mittlerweile wird „nicht mehr so intensiv gekegelt“, doch der sportliche Ehrgeiz kann nicht einfach so beiseitegeschoben werden. Im Schnitt 140 Holz werden abgeräumt. Clubintern werden Ehrungen und Auszeichnungen vergeben, teilweise nicht ganz ernst gemeint. Der König sowie der Pudelkönig werden nachdem Kegel-abend vom Präsidenten ernannt. Gleiches gilt für den „Häst em bi di“-Anhänger, der an den Kegler verliehen wird, der das beste Ergebnis in einem Durchgang auf zwei Bahnen erzielt. „Das Besondere daran ist, dass der Anhänger immer, zu jeder Tages-, Nacht- und Uhrzeit vorzuzeigen ist“, erläutert Bruno Scharnberg. Kann er das nicht, wird eine Runde fällig. Wer zum ersten Mal König wird, hier fließen alle Würfe eines Abends ein, muss auch für eine Runde sorgen. Hier sind allerdings Spiegeleier fällig. „Und da kann es schon einmal vorkommen, dass wir zu später Stunde die Lokalität wechseln“, sagt Hilmar Sallach.
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