„Rathaus hat seinen Reiz“

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Michael Sarach sprach mit Reporterin Manuela Keil über das umstrittene RathausthemaFoto: Keil
 
Das Rathaus wurde 1970 eingeweiht, ist typisch für seine Zeit

Bürgermeister Sarach über Sanierungs- und Abrisspläne

Ahrensburg. Was wird aus dem Rathaus? Wird es unter Denkmalschutz gestellt, saniert oder gar abgerissen? Autorin Manuela Keil sprach mit Bürgermeister Michael Sarach (CDU) über Ahrensburgs Verwaltungszentrale aus Beton.

WochenBlatt: Herr Bürgermeister, was wünschen Sie sich für das Ahrensburger Rathaus?
Michael Sarach: Dass die Menschen dieser Stadt es akzeptieren als das erste Rathaus, das diese Stadt jemals hatte und dass man sich nicht streitet über Fragen des Geschmacks, sondern über Fragen des Wertes eines derartigen Gebäudes. Und man sollte sich auch über wirtschaftliche Fragen eines Gebäudes Gedanken machen , dessen Wert sich auf den ersten Blick vielleicht nicht gleich erschließt.
WB: Was halten Sie von einem Bürgerentscheid?
Sarach: Die Frage nach dem Denkmalschutz ist eine Entscheidung der Landesregierung, da hat ein Bürgerentscheid gar keine Wirkung. Die Rechtslage ist die, dass bei einer Entscheidung ein Bürgerentscheid nicht zulässig ist. Nur die Stadt könnte den Klageweg gehen. In dem Bescheid werden aber sicher die Gründe sehr stichhaltig sein, so dass eine Klage wohl wenig Aussicht auf Erfolg hätte.
WB: Wann rechnen Sie mit einer Entscheidung?
Sarach: Laut Denkmalschutzamt war diese für Juni angekündigt. Derzeit wird sie wohl vorbereitet und soll in ein bis zwei Wochen bei uns eingehen. Die Denkmalschutzbehörde hat ihre Entscheidung sicher dem Ministerium vorgelegt.
WB: Was halten Sie von dem Vergleich zwischen Schloss und Rathaus durch das Denkmalschutzamt?
Sarach: So ist das nicht gesagt worden. Das Rathaus hat einen architektonischen Wert und stellt visuell einen Kontrapunkt dar – gerade in diesem Spannungsfeld liegt der Reiz. Es ist Ausdruck und Geist einer bestimmten Zeit, die noch nicht so lange her ist wie der Bau des Schlosses.

Unsere Autorin Manuela Keil sprach mit Michael Sarach über die Zukunft des Rathauses.
WB: Wie beurteilen Sie die bisherige Berichterstattung über das Thema Rathaus?
Sarach: Manchmal bewegt sich die Darstellung etwas an der Oberfläche. Das Problem ist, wenn es um ein derartiges Gebäude geht, dass es immer eine sachliche und eine emotionale Ebene gibt. Dann kommt über die visuelle Ebene der Geschmack dazu. Wichtig ist der Schritt, sich von der persönlichen emotionalen Ebene zu lösen, ob man selbst das Gebäude schön findet. Das fällt vielen schwer, auch Medienvertretern.
WB: Fordern Sie von den Bürgern die Besinnung auf die Sachebene?
Sarach: Es ist wichtig, um die Argumente der Denkmalschutzbehörde zu verstehen. Aber was schlimmer ist: ich sehe eine Fehlentwicklung, dass nur die Alternative Denkmalschutz oder Abriss gesehen wird. Aber so ist das nicht. Es ist ein Gebäude, das für eine bestimmte Funktion gebaut wurde, und dafür ist es hervorragend geeignet. Es ist ein Funktionalbau, der seinen Zweck tatsächlich erfüllt. So lassen sich die Wände verändern und somit Büroraum leicht umgestalten.
WB: Das heißt, es gibt noch eine dritte Alternative?
Sarach: Das heißt, das Rathaus bleibt stehen und wird saniert - so nach und nach, mit oder ohne Denkmalschutz. Ein Neubau würde zwölf Millionen Euro kosten, woher soll das Geld kommen? Man muss mit überdies mit einem Gedanken in den Köpfen aufräumen: dass Denkmalschutz mit einer Sanierung verknüpft ist. Denkmalschutz heißt, es wird immer der status quo unter Denkmalschutz gestellt. Daran wird nicht die Sanierung geknüpft. Allerdings birgt die Sanierung eines unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes Risiken. Ich denke da an die Fenster.
WB: Die Risiken betreffen den Zeitpunkt einer Sanierung?
Sarach: Den Zeitpunkt bestimmen wir, wann wir was machen. Wir sind Herr des Sanierungsverfahrens, weil wir Eigentümer des Gebäudes sind.
WB: Was sind Ihre Pläne?
Sarach: Man muss abwarten, bis der Bescheid vorliegt, wie er begründet ist und welche Folgen sich ergeben. Zur Zeit wird viel diskutiert und spekuliert. Wir können die Entscheidung nicht verhindern, allerdings eventuell Rechtsmittel dagegen einlegen.
WB: Quasi als das letzte Mittel?
Sarach: Es wäre ein Signal der Stadt, dass sie nicht einverstanden ist. Die Entscheidung treffe aber nicht ich, sondern treffen die Stadtverordneten.
WB: Wie schätzen Sie die Stimmung der Stadtverordneten ein?
Sarach: Die ist sehr gemischt. Einige sehen sicher den optischen Aspekt, andere den wirtschaftlichen. Aber ich weiß nicht wie sich einige abschließend positionieren werden.
WB: Ist Geld für die Sanierung zu erwarten, wenn das Rathaus unter Denkmalschutz steht?
Sarach: Direkte Zuschüsse gibt es kaum noch. Darauf können wir uns wenig Hoffnung machen. Bis auf die Fenster gibt es auch Punkte, die mit dem Denkmalschutz nichts zu tun haben. Ich weiß nicht, ob es für die Reinigung der Fassaden Fördermittel geben kann. Dass man uns unterstützt bei der Suche nach günstigen Finanzierungskonditionen hat uns die Denkmalschutzbehörde allerdings zugesagt. Denkmalschutz kann allerdings auch bedeuten, dass es Geld kostet. So kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass man Kunststofffenster einsetzen wird.
WB: Was ist bei der Sanierung am notwendigsten?
Sarach: Die energetische Sanierung, dazu gehören Fenster, Fugen, Isolierungsarbeiten, die aber ohnehin anstünden. Da kommen nicht unbeträchtliche Summen zusammen - wir haben ein Volumen von sech Millionen Euro, inklusive Brandschutzmaßnahmen, kalkuliert. Aber das liegt deutlich unter den zwölf Millionen für einen Neubau.
WB: Einen Abriss sehen Sie also nicht?
Sarach: Die Frage stellt sich aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten überhaupt nicht.
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