Seit 30 Jahren eine Institution

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Tanja Sommer hat vor zwei Jahren das Eltern-Café eröffnet. Foto: cs

Die Kleiderkammer Bargteheide

Bargteheide. Ein Zivi trägt fleißig Kartons mit Spielzeug, Büchern und allerlei Krimskrams vor die Tür. Er stellt die Sachen ordentlich in eine Reihe auf, sodass alle Interessierten darin stöbern können. Vor der Tür stehen zehn Frauen, die neugierig schauen, was sich in den Kisten verbirgt. „Nach Oben bringen wir nur die Sachen, die sich in unseren Räumen nicht zuordnen lassen“, erklärt Edelgard Sternberg, Leiterin der Kleiderkammer des Kinderschutzbundes.

Auf 60 Quadratmetern

Pünktlich 10 Uhr öffnet sich jeden Mittwoch die Tür zur Kleiderkammer. Auf gut
60 Quadratmetern stehen ordentlich aufgereiht und nach Größen sortiert Kisten mit Kinderkleidung. Vom Babystrampler bis zur Teenager-Jeans, Turnschuhen oder Gummistiefeln ist alles dabei. Auf Kleiderständern hängen Bademäntel, Sommerjacken und Kleider. „Wir arbeiten immer antizyklisch. Jetzt kommt der Frühling und die Menschen bringen uns ihre Winterkleidung“, erzählt Sternberg, die seit 20 Jahren die Kleiderkammer leitet. In zahlreichen Regalen finden die Kundinnen Kassetten und CDs, Bücher, Spielzeug und Kuscheltiere. In einem separaten Raum sortieren drei weitere Damen die Ware.

Einmal die Woche offen

Einmal die Woche öffnet die Kleiderkammer ihre Türen für Familien, die von Hatz IV leben oder deren Einkommen zur Versorgung der Familie nicht ausreicht. Mehr als 100 Familien aus dem Kreis kommen regelmäßig vorbei. „Die Zahl ist in den vergangenen Jahren gestiegen“, musste das ehrenamtlich arbeitende Team der Kleiderkammer feststellen. „Jedes sechste Kind ist von Armut betroffen“, so Alexander Witsch vom DKSB. Sozialen Druck würden schon die Kleinsten in der Schule zu spüren bekommen. Der Kleiderkammer ist es wichtig, unbürokratisch und schnell dort zu helfen, wo es die Familien drückt. „Wir stellen keine Fragen und urteilen nicht“, sagt Sternberg. Damit das Angebot für alle reicht, kann jeder Besucher maximal eine große Tüte gefüllt mitnehmen. Dazu darf jede Kundin nur alle vier Wochen einmal zum Aussuchen vorbeikommen. Seit Neustem gibt es neben Umstandsmode auch einen Kleiderständer voll mit Frauenkleidung. „
„Wenn die Mütter sich mit Kinderkleidung eingedeckt haben, schauen sie auch gern noch einmal für sich selbst“, so Sternberg. Während die Frauen nach gebrauchter Kleidung und Spielzeug Ausschau halten, sitzen ihre Männer oft oben im Eltern-Café. „Bei kostenlosem Kaffee, Tee und Keksen werden hier wichtige soziale Kontakte geknüpft“, erzählt Leiterin Tanja Sommer. Ist die erste Hemmschwelle überwunden, beginnt die Vernetzungsarbeit, dann versucht das Team des DKSB bei Bedarf Betroffene in andere Hilfen weiterzuvermitteln. (cs)
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