Sie liebt Motive, die knorrig sind

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Dieses Bild zeigt eine Frau, die Andrea Kretschmer im New Yorker Stadtteil Chinatown fotografierte.Foto: H.-E. Jaeger

Andrea Kretschmer zeigt im Bella Donna Haus ihre großformatigen Bilder

Von Hans-Eckart Jaeger
Bad Oldesloe. „Jo“ heißt das Bild, das im Bella Donna Haus gleich links vom Eingang an der Wand hängt. Einfach nur „Jo“. Es ist eines der eindrucksvollsten Bilder der Malerin Andrea Kretschmer (45) auf ihrer Ausstellung in Bad Oldesloe. Es zeigt ein junges Mädchen, den Blick nach unten gesenkt, in seiner ganzen Zartheit und Schönheit.
Sechzehn meist großformatige Bilder, entstanden im Atelier „Sigras“ in Hamburg-Lemsahl, hängen hier. Die meisten erhalten ihre besondere Aussagekraft durch eine Mischtechnik aus Eitempera, Acrylfarbe und Collage. Die Künstlerin hat ihrer Ausstellung den Titel „Auf dem Weg“ gegeben.
„Dieser Titel ist auch deshalb stimmig, weil meiner Schwester die Motive ihrer Bilder meist dann begegnen, wenn sie unterwegs auf Reisen ist“, sagt Kunstrechtlerin Britta Schmidtke. „Sie findet sie, weil sie offen und neugierig ist und weil sie den Blick für das Besondere hat. Die Malerei ist für sie ein Zugang zu einer inneren Welt, Wegbegleiter wie Rückzugsort.“
Andrea Kretschmer, das fällt auf, portraitiert oft Frauen. Irgendwie wirken sie alle verletzlich. So wie auf auf dem Bild „Harlem“, das eine Frau am Wegesrand in dem berühmten New Yorker Stadtteil zeigt. Oder wie bei „Mulberry Street“ mit einer Frau in Chinatown. Mit ihrer digitalen Spiegelreflexkamera hält sie die Szenen fest. Zurück im Atelier, finden die Motive auf die Leinwand.
„Ich male, seit ich 15 bin“, erzählt die Künstlerin aus Tangstedt/ Wilstedt. Aber es war dennoch ein jahrzehntelanger Weg bis zu ihrer ersten Gemäldeausstellung. Zuvor kreierte die ausgebildete Schaugewerbegestalterin detailgetreue Messebaumodelle und unter anderem Kinoplakate für den Eingangsbereich des Hamburger Filmpalastes „Streits“.
Kraftvolle, ausdrucksvolle Bilder malt sie. „Was Struktur hat, interessiert mich nicht“, beteuert die zweifache Mutter und fleißige Hobby-Tennisspielerin. „Ich bin keine Auftragsmalerin, ich bin eher kreativ. Ich liebe alles, was knorrig ist, so wie die Bäume im Olivenhain.“
Und wie stellt sie sich ihre Zukunft vor?: „Eines Tages möchte ich in einem eigenen Atelier malen und hoffe, dass ich dann zum Teil vom Verkauf meiner Bilder leben kann“, sagt Andrea Kretschmer.
Von dem Kunstwerk, das sie „Jo“ nennt, wird sie sich niemals trennen, es ist unverkäuflich. Jo heißt eigentlich Johanna. Das Bild zeigt ihre 16 Jahre alte Tochter...
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