Starker Andrang

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Jürgen Heuseler, Vorsitzender der Trittau Tafel, freut sich über die Spende von 2500 Hygienehandschuhe durch Apotheker Simon Nguyen Foto: B. Maurer

Trittauer Tafelhaus zeitweilig überlastet. Neues System schafft Abhilfe

Von Birgit Maurer
Trittau
Die Trittauer Tafel hat ihre Ausgabe neu organisiert. Aufgrund des Anstiegs der Kundenzahl durch viele Flüchtlinge auf 160 Kunden pro Woche waren die Mitarbeiter vor Ort bei der Ausgabe sehr stark gefordert. Die Kundenanzahl hat sich somit im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. „Es war ein richtiges Gewusel, ältere Kunden blieben weg, weil ihnen alles hier zuviel wurde“, berichtet Vorsitzender Jürgen Heuseler. Oft standen 70 Leute vor der Tür und wollten rein. Das ging gar nicht in dem kleinen Tafelhaus. Jetzt hat Heuseler ein Nummernsystem eingeführt. So wird geordnet, wer zu welchem Zeitpunkt an den beiden Ausgabetagen an der Reihe ist. Durch Zettel, übersetzt in arabisch und Farsi sowie Tafeln vor Ort, werden die Kunden informiert. „Ich konnte so die älteren Deutschen in zwei Gruppen zusammenfassen“, erzählt Heuseler.
Damit sich niemand benachteiligt vorkommt, wird bei diesem System wöchentlich rotiert. Vieles ist zusätzlich zu berücksichtigen: „Manche Kunden kommen aus dem Amt Sandesneben, müssen ihre Busse bekommen, andere müssen noch zum Sprachunterricht nach Oldesloe. Diese werden dann vorgezogen“, erklärt Heuseler.

Erweiterte Ausgabezeiten


Auch die Ausgabezeiten reichen nicht mehr aus. Mittwochs ab 15.30 Uhr und donnerstags ab 11.30 Uhr ist der „Laden ohne Kasse“ nun geöffnet. Früher reichte eine Stunde, jetzt mag Heuseler gar keine Schließzeit nennen. Bis Mitte Januar wurde ein Aufnahmestopp verhängt, um das neue System einzuführen. Auch für die Ehrenamtlichen ist die Situation belastend. Heuseler möchte noch weitere Helfer verpflichten, auch für die gemeinsame Kleiderkammer mit dem DRK, die in diesen Tagen nicht öffnet, weil niemand Zeit hat. Die Ware für die Tafel reicht noch, manchmal werden die Portionen etwas kleiner. Sollte der Zustrom zu groß werden, soll es Wartelisten geben. Ein Problem ist auch die ungewisse Anzahl an Kunden. Wer als Flüchtling anerkannt wird und wegzieht, wird wegen des Datenschutzes vom Amt nicht abgemeldet. So werden Veränderungen erst durch eigene Listenführung bemerkt. Doch Jürgen Heuseler sieht positiv in die Zukunft, wandelt den bekannten Kanzlerinnenspruch für sich so ab: „Noch schaffen wir das“. Der 71-Jährige arbeitet soviel wie in einem Halbtagsjob für die Tafel. Über Hilfestellungen freut er sich besonders, zum Beispiel von Apotheker Simon Nguyen (Marktapotheke), der schon zum zweiten Mal den Jahresbedarf an 2500 Hygienehandschuhen spendete: „Die sind für das Sortieren der Lebensmittel vorgeschrieben“, sagt Heuseler. „Ich würde auch gerne ganz direkt mehr helfen, das lässt die Zeit aber nicht zu“, erklärt Nguyen sein Engagement. Und auch eine arabische Kundin war sehr hilfreich für die praktische Umsetzung des neuen Systems, weil sie den Infotext in mehrere Sprachen übersetzt hat.
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