Stormarn: Engagierte für Flüchtlinge positionieren sich klar

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Der Freundeskreis „Flüchtlinge Großhansdorf“ betreibt unter anderem eine Fahrradwerkstatt, in der Räder für Flüchtlinge hergerichtet werden Symbolfoto: thinkstock
 
Bürgermeister Jahinnerk Voß mit den Flüchtlingshelferinnen Bahia Larfa und Angelika Woge vom Freundeskreis Flüchtlinge Foto: Fischer

Auch nach den Festnahmen von mutmaßlichen IS-Helfern in Ahrensburg, Großhansdorf und Reinfeld wird nach vorne geschaut

Von Finn Fischer
Ahrensburg/Großhansdorf
Ob Naher Osten, Frankreich, Nizza: Der Terror scheint weit weg – bis vergangene Woche in Ahrensburg, Großhansdorf und Reinfeld drei mutmaßliche Unterstützer der Terror-Miliz „Islamischer Staat“ festgenommen wurden. Sie tarnten sich als Asylbewerber. Die Festnahmen im Kreis Stormarn machten national Schlagzeilen. Mittlerweile hat sich die Aufregung gelegt. Doch in den Orten, in denen Mohamed A. (26), Ibrahim M. (18) und Mahir Al.H. (17) unauffällig zwischen Flüchtlingen lebten, werden sie noch lange Thema sein. Für viele Flüchtlingshelfer ist das Geschehene noch nicht recht zu fassen. „Bislang dachte ich immer, dass ich mich auf meine Menschenkenntnis verlassen könnte“, sagt Dorothee Magnussen. Die ehemalige Lehrerin gibt Flüchtlingen Deutschunterricht, unterrichtete bis zu seiner Festnahme auch Ibrahim M. Er sei regelmäßig in den Kursen gewesen. Großhansdorfer Helfer wollen sich von den Vorfällen aber nicht beeindrucken lassen. Der Freundeskreis „Flüchtlinge Großhansdorf“ wird weiter montags seine Fahrradwerkstatt öffnen und hier Räder für Flüchtlinge fahrbereit machen. Das Motto: Es geht weiter wie bisher. Kurz nach den Razzien organisierte die Verwaltung eine Krisensitzung mit haupt- und ehrenamtlichen Helfern. Bürgermeister Janhinnerk Voß: „Das ist für alle natürlich keine tolle Situation, aber wir wollen nach vorne schauen.“ In den letzten Tagen erreichten den Verwaltungschef auch immer wieder Anrufe von Bürgern, die – mehr oder weniger sachlich – ihre Bedenken zur Flüchtlingspolitik äußerten. Auch Anfeindungen waren dabei. „Ich stelle mich sachlicher Kritik, aber mit Pöblern rede ich nicht“, so Voß. Flüchtlinge dürften jetzt nicht unter Generalverdacht gestellt werden: „Es ist doch der Terror, vor dem die meisten dieser Menschen fliehen.“ Eine direkte Gefahr sei von den Personen nach Behördenangaben nie ausgegangen. Alle drei hatten gefälschte Pässe. Das war bereits bei den Registrierungen aufgefallen. Seitdem ließen die Sicherheitsbehörden die Männer nicht mehr aus den Augen, observierten, hörten Telefone ab, sammelten Verbindungsdaten.

Stormarn-Zuteilung eher Zufall


Mindestens einer der mutmaßlichen Terroristen hat sich Ende September 2015 dem IS angeschlossen und anschließend eine Ausbildung an Schusswaffen und Sprengstoff erhalten. Alle drei Männer reisten dann nach Europa, sollten hier weitere Befehle erhalten. Dass sie Unterkünften im Kreis Stormarn zugeteilt wurden, war wohl Zufall. Handelt es sich bei den Männern tatsächlich um skrupellose potenzielle Mörder? So recht wollen das viele nicht glauben, besonders nicht von Ibrahim M.: „Ich sehe ihn nicht als Terroristen“, sagt Bahia Larfa, die in Großhansdorf unter anderem als Dolmetscherin aushilft und aus Marokko stammt. „Manchmal sind die Jugendlichen in ihren Herkunftsländern gezwungen, mit dem IS zu kooperieren.“ Ihre Vermutung: Vielleicht wurde er vom IS geschickt und wollte aber nie einen Anschlag verüben. Auch in Ahrensburg zeigten sich Flüchtlingshelfer und auch Asylbewerber geschockt. Allerdings habe sich die erste Aufregung mittlerweile gelegt. Angelika Woge vom Freundeskreis „Flüchtlinge Großhansdorf“: „Wir schauen jetzt positiv in die Zukunft.“ Dennoch besteht weiterhin die Sorge, dass Flüchtlinge unter Generalverdacht gestellt werden könnten. In Ahrensburg organisieren Flüchtlinge am Sonnabend, 24. September, 13 Uhr, eine Demonstration „gegen Terrorismus und Hass“ und „für Frieden und Toleranz“ in der Großen Straße.
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