Streit um exotische Tiere

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Die Besucher konnten im Zirkus Voyage Auftritte mit Nilpferden, Elefanten und Giraffen erleben. Tierschützer wollten die Auftritte verhindern, doch Amtsveterinäre hatten keine Einwände Foto: wb/ Zirkus Voyage
 
Der tonnenschwere Nashornbulle Hulk in engem Kontakt mit den Besuchern Fotos: Keil

Tierschützer protestieren gegen Zirkus. Rechtlich alles okay

Von Manuela Keil
Ahrensburg. Wie fühlt sich das Ohr eines Nashornbullen an? Wie viel fressen Elefanten täglich und lassen sich Giraffen anfassen?
Beim Zirkus Voyage, der für vier Tage neben dem Rathaus seine Zelte aufgeschlug, konnten sich die Besucher nicht nur vom Können der Artisten und Tierlehrer in der Manege überzeugen, sie hatten auch Gelegenheit, mit den Tieren Kontakt aufzunehmen und den Artisten Fragen zu stellen. Und sie konnten sich überzeugen, wie eng die Zirkusmenschen mit ihren Tieren leben und arbeiten. Insgesamt reisen 80 Tiere mit.
Vier Zebras, zwei Giraffen, vier Elefanten, Nashorn und Flusspferd sowie Pferde, Lamas und Dromedare leben direkt neben den Wohnwagen der Artisten.

Im Vorfeld gab es Kritik
Bevor der Zirkus anreiste, gab es Kritik. Die Tierrechtsorganisation Peta, die für ein generelles Verbot von Wildtieren im Zirkus eintritt, hatte die Stadtverwaltung aufgefordert, die bereits erteilte Genehmigung dem Zirkus zu entziehen. „Wir haben die Genehmigung erteilt und als Stadt keine rechtliche Handhabe, die Vorstellungen zu unterbinden“, sagte Sprecher Andreas Zimmermann. „Außerdem dürfen wir auch die Berufsausübung der Artisten nicht behindern.“ Zudem habe das Ordnungsamt beim Kreis-Veterinäramt vor Ankunft des Zirkus eine Anfrage eingereicht. Die Antwort lautete, „wegen der exotischen Tiere im Zirkus Voyage gibt es keinen Handlungsbedarf“.

Im Zirkus Voyage können Gäste mit den Tieren hautnah in Kontakt kommen. Nicht alle sind von der artgerechten Haltung dieser überzeugt. Doch von amtlicher Seite gibt es nichts zu beanstanden. Am
15. Mai erfolgte eine Kontrolle durch zwei Hamburger Amtstierärzte. Diese hatten nichts an der Tierhaltung im Zirkus zu beanstanden. Die regelmäßigen Überprüfungen der Zirkustiere durch Amtstierärzte dauern mehrere Stunden. „Die Gehege werden genau untersucht und ausgemessen, die Gesundheit und Hufe der Tiere überprüft sowie die Dokumente von jedem Tier genau studiert“, sagt Sprecherin Bettina Richter, die diese Kontrollen trotz des hohen Zeitaufwands befürwortet. „Bei uns gab es nie Beanstandungen. Wir erfüllen sogar mehr als die Leitlinien für die Haltung und Ausbildung von Tieren in Zirkusbetrieben verlangen.“ In der Tierhaltung habe sich gegenüber früher viel verändert.
So gibt es weder Ketten noch Stromzäune für die vier Elefantenkühe, die zwischen 22 und 27 Jahre alt sind und sich in ihrem Zelt und im Außengehege frei bewegen können.

„Leitlinien für Haltung und Ausbildung der Tiere werden bei uns mehr als erfüllt“
Bettina Richter, Sprecherin


„Alle unsere exotischen Tiere sind in Gefangenschaft geboren. Einige stammen aus Zirkus-Familien, die den Betrieb aufgeben mussten, weil es keinen Nachfolger gab. Auch die beiden Flusspferd- und Nashornbullen, mittlerweile über 30 Jahre alt, kamen als Jungtiere zum Zirkus. Sie alle sind von Kleinauf Transporte und Menschen um sich gewohnt“, sagt Bettina Richter.
Es ärgere sie, wenn Menschen, die sich Tierschützer nennen, pauschal die Tierhaltung im Zirkus anprangern, ohne sich genauer zu informieren.
„Die Exoten leben in der kalten Jahreszeit in beheizten Zelten, das kostete im letzten Winter 300 Euro pro Tag.“
Bei der Vorführung in der Manege geraten nicht nur Kinder ins Staunen. Auch viele Erwachsene vergessen für Augenblicke den Alltag.
Da macht es auch nichts, wenn einer der sechs Friesenhengste in der Freiheitsdressur nicht ganz so reagiert wie er soll. Im Gegenteil: So lässt sich erahnen, wie viel Mühe, Geduld und Arbeit hinter den Darbietungen – gerade mit Tieren steckt. (kei)
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