Tangstedterin wird Paten-Oma

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Brigitte Schippmann hat seit August einen tschetschenischen Paten-„Enkelsohn“ Foto: blu

Familie aus Tschetschenien bedankt sich bei Brigitte Schippmann für ihren Einsatz

Von Claudia Blume

Brigitte Schippmann ist im August stolze Oma geworden –ehrenhalber. Denn nicht ihre Tochter hat der 62-Jährigen einen Enkel geschenkt, sondern eine Familie aus Tschetschenien – aus Dankbarkeit für ihr Organisationstalent, Fürsorge und ihr gutes Herz. Mohammed heißt der Kleine und ist das jüngste Mitglied von vier Flüchtlingsfamilien, die in Tangstedt untergebracht sind. Acht Erwachsene mit zehn Kindern zwischen Null und 17 Jahren aus Tschetschenien, Serbien, Mazedonien und dem Jemen. Wie in vielen anderen Städten und Gemeinden wären sie nahezu hilf- und „sprachlos“ auf sich allein gestellt, zum Warten auf ihr Asylverfahren bestimmt. Doch nicht im 6.300-Einwohner-Dorf Tangstedt. Hier engagieren sich etliche Gemeindemitglieder ehrenamtlich für die Flüchtlinge – jeder nutzt sein Talent.

Hilfsbereite Gemeinde


So kümmert sich zum Beispiel Ulrike Lundt mit viel Spaß um die jüngeren Kinder, spielt mit ihnen und hilft der siebenjährigen Malchasny bei den Hausaufgaben. „Das geht notfalls mit Händen und Füßen, Hüpfen und Springen“, sagt die ehemalige Grundschullehrerin lachend. Pensionär Wolf Staack hat seine Russisch-Kenntnisse reaktiviert, übersetzt Briefwechsel und hilft als Dolmetscher bei Arzt- und Behördenbesuchen. Bärbel Sievert sorgt mit den Mitgliedern vom Ortsverein des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) für die Ausstattung der Zwei-Zimmer-Wohnungen und für Kleidung. Die Fremden, die in ihrer Heimat verfolgt und vertrieben wurden, bringen nur wenige Habseligkeiten mit.

Alle Fäden laufen bei Brigitte Schippmann zusammen. Sie telefoniert, organisiert und delegiert. Ihr Netzwerk innerhalb der Gemeinde, zur Kirche und anderen Institutionen, macht die Frau mit dem kernigen Kurzhaarschnitt zum Dreh- und Angelpunkt für Fragen, Probleme und Lösungen. „Als vor zwei Jahren die ersten Asylbewerber nach Tangstedt kamen, war es für mich sofort klar, dass sich unsere Dorfgemeinschaft um sie kümmern muss“, sagt die Geschäftsfrau, die sich bereits seit Jahrzehnten sozial engagiert. „Nächstenliebe ist für mich selbstverständlich, sie macht zufrieden und andere glücklich“. Sogar den örtlichen Edeka-Markt konnte sie gewinnen, regelmäßig unverkäufliche Lebensmittel zu spenden.

Was die tatkräftige Bürgerin und ihre vielen ehrenamtlichen Helfer in Tangstedt leisten, bekommen sie oft doppelt und dreifach zurück. „Unendlich dankbar sind uns diese Menschen, und zeigen das mit den wenigen Mitteln, die sie haben. Täglich werden wir mit landestypischen Gerichten verwöhnt und zu Tee mit Keksen eingeladen“, sagt sie, „und manchmal bekommt man in der Klinik ein neugeborenes Baby in den Arm gelegt und ist auf einmal Babuschka.“
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