Vergessenes Handwerk

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Hans Hassler stellt in der Schuhmacherei noch Maßschuhe her, die Budapester sind aus hautverträglichem Leder Fotos: bm
 
Im historischen Klassenzimmer zeigt Rudolf Holst eine Lehrkarte

Museumsverein zeigt auf 1400 Quadratmetern, wie‘s früher war

Von Birgit Maurer
Steinburg. Kaum einer weiß noch, was eine Seilerei ist oder wie früher die Kutschen aussahen, in denen man die Verstorbenen zum Friedhof fuhr. Dies erfahren Besucher des Museums vergessene Arbeit, das sich im Kuhstall in Steinhorst befindet. Ehrenamtler gehen dort zeitweise den zum Teil historischen Gewerken nach. In der Schuhmacherei, zum Beispiel, fertigt Schuhmachermeister Hans Hassler Maßschuhe an wie die bekannten Budapester.

„Die sind aus hautverträglichem Leder“, betont der Inhaber des Goldenen Meisterbriefes.
Mitmach-Stationen
Viel Wert legen die ehrenamtlichen Mitarbeiter darauf, dass die Besucher und besonders die Kinder, Wissenswertes erfahren und viel ausprobieren dürfen. So sind die Stationen, an denen man selbst etwas tun kann, extra gekennzeichnet. Helfer unterstützen die Besucher, wenn sie Hilfe brauchen. Die Gäste können Holz schnitzen, in der Seilerei und an der Bohrmaschine arbeiten.
Die Bezirksgruppe Steinhorst Sandesneben des Heimat- und Geschichtsvereins hat auf 1400 Quadratmetern eine sehenswerte Ausstellung zusammengetragen.
Gesammelt haben die 130 Mitglieder der Gruppe bereits seit 1986. Die Geräte aus der Land- und Forstwirtschaft, dem Handwerk und der Hauswirtschaft wurden in verschiedenen Scheunen gelagert, bis der Kreis, dem das alte Gut gehört, der Gruppe einen Teil einer so genannten Durchfahrtsscheune zur Verfügung stellte.

Mittwochs im Einsatz

Im Jahr 2005 wurde das Museum eröffnet, das ehrenamtlich von Wolfgang Bentien geleitet wird. „Die Freiwilligen sind mittwochs zwischen
10 und 15 Uhr an ihren Arbeitsplatz“, sagt er. Meist sind es Rentner, die entsprechend ihrer Fähigkeiten aus dem früheren Beruf, einen Bereich betreuen.
Die Durchfahrtsscheune wurde früher mit Pferd und Wagen befahren. Die Einfahrt ging über eine flache Rampe hinauf, das war einfacher für die Pferde. Man entlud das Futter für die Kühe, die im Erdgeschoss standen. Dann fuhr das Gespann auf der anderen Seite eine etwas höhere Rampe wieder hinunter.
Die Museumsmitarbeiter haben die alte Scheune in einzelne Bereiche unterteilt, in der altes Handwerksgerät, vom Pflug bis zur Schmiede, von der Tischlerei bis zur Seilerei, gezeigt wird.
Der Seiler verwendet die für das Binden der Garben benutzten Seile, um daraus neue, kräftige Seile, zum Beispiel zum Kühe führen, anzufertigen.
Zudem gibt es viele Besonderheiten, wie eine historische Schulklasse, die Nachbildung eines Kolonialwarenladens, eine Abteilung für die Feuerwehr, für alte Radio-, Telefon- und Rundfunktechnik sowie eine große Anzahl Kutschen. Darunter ist auch die schwarze Kutsche, die früher als Leichenwagen von der Kirche Sandesneben genutzt wurde.

„... Sicherheitsbestimmungen sorgen dafür, dass
die alten Kutschen
heute im Straßenverkehr
nicht mehr genutzt
werden dürfen.“
Rudolf Holst

„Viele Sicherheitsbestimmungen sorgen dafür, dass die alten Kutschen heute im Straßenverkehr nicht mehr genutzt werden dürfen. Dann kommen sie zu uns“, berichtet Rudolf Holst.
Ins Schwärmen kommt Holst, als Maschinenbauer zuständig für Schlosserei und Schmiede, beim Anblick der alten Reiseschreibmaschine AEG Mignon von 1903 aus Berlin. „Wie man sich damals schon Gedanken gemacht hat, um ein ordentliches Schriftbild zu erhalten“, sagt er. Dabei mutet es in heutiger Zeit sehr zeitraubend an, jeden Buchstaben extra einstellen zu müssen.
In dem bunten kleinen Kolonialwarenladen werden Erbsen, Linsen und Nudeln noch lose auf historischen Waagen abgewogen. Auch hier haben die Kinder viel Spaß, gibt es bei Ingeborg Semprich, der Verantwortlichen für diese Abteilung, immer etwas Süßes aus den altmodischen Bonbongläsern.
Wer die „alte Zeit“ und die „vergessenen Berufe“ entdecken möchte, kann das mittwochs von 9 bis 12 Uhr und von April bis November auch jeden ersten Sonnabend im Monat von 14 bis 17 Uhr tun. Gruppenführungen sind nach Absprache möglich. Kontakt bei Wolfgang Bentien unter Tel. 04501/10 62.
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