Virtuelle Gewalt

Anzeige
Eine Szene aus dem Theaterstück „R@usgemobbt“. Seit mehr als 20 Jahren bietet „Comic on“ bundesweit präventionsorientiertes Theater mit aktuellen Schwerpunkten an. Foto: Schlie
 
Anonym bloßgestellt: Moderne Kommunikationsmittel machen es möglich. Foto: cs

Theaterstück macht auf die Problematik aufmerksam

Von Christina Schlie
Bargteheide. „Was würdest du tun, um dazu zu gehören? Was erträgst du? Und wann ist man eigentlich cool?“ – Fragen, die einen Jugendlichen schon immer auf dem Weg zum Erwachsenwerden begleitet haben. Seit es soziale Netzwerke wie Facebook oder Schüler VZ gibt, bekommt diese Diskussion jedoch eine neue Dimension.
Auf dem Schulhof zu lästern, ist eine Sache, bei Facebook etwas auf der Pinwand posten, eine ganz andere. Ein diffamierendes Foto, sichtbar für alle im Netz, ist schnell hochgeladen und verfehlt in den seltensten Fällen sein Ziel. Dabei verläuft es immer nach demselben Muster, andere im Netz bloßzustellen.
Im Rahmen eines Präventionsprojektes zum Thema „Chancen und Risiken des Internets“ war die Kölner Theatergruppe „Comic on“ zu Gast an der Dietrich Bonhoeffer Schule. Mit dem Theaterstück „R@usgemobbt“ wurde den Achtklässlern ungeschönt vor Augen geführt, was eine Lästerei im Netz für fatale Folgen haben kann. Es ging um ein Mädchen, das die Freundschaft zwischen einem Mitschüler und einer Mitschülerin zerstören will.
Höhepunkt der perfiden Intrige: Das Mädchen nutzt das Handy des Jungen, um in einem Video die Rivalin schlechtzumachen. Das Opfer glaubt nicht an ein Missverständnis, und so endet das Stück mit einem Schuss und einer beklemmenden Andeutung.
„Es war mucksmäuschenstill im Raum, als das Stück zu Ende war. Und das bei 150 pubertierenden Jugendlichen“, so Gunda Thiede, Lehrerin der DBS und Organisatorin des Projekttages. „Ein brandaktuelles Thema, nicht nur bei uns“, so die Lehrerin.
Bereits zum zweiten Mal gastierte das Theaterensemble an der Schule und regte auf unterhaltsam ergreifende Weise zum Nachdenken an. Moderne Kommunikationsmittel wie Internet und Handy machen psychische Gewalt, bei der die Täter meist anonym bleiben, möglich. Jugendliche werden beschimpft, beleidigt oder bloßgestellt.
„Ein Riesenthema, bei Schülern und Eltern“, sagt Thiede. „Die Schüler müssen sensibilisiert werden, um die Grenzen der anderen wahrzunehmen und nicht zu verletzen“. Im Anschluss an die Theatervorführung wurde das Thema Cybermobbing klassenintern weiter vertieft, wobei eigene Erlebnisse, Fallbeispiele aus dem Internet und Texte von Betroffenen zur Sprache kamen.
Ebenso wurde thematisiert, wo Hilfe zu bekommen ist, wenn man Opfer einer Attacke in einem sozialen Netzwerk wird. „In der Regel haben wir ein vertrauensvolles Verhältnis zu unseren Schülern“, so Thiede, die ebenfalls Koordinatorin der Klassenstufe 7 und 8 ist. „Sie wissen, an wen sie sich wenden können, wenn so etwas passiert“.
Entscheidend ist, das Bewusstsein für eine mögliche Gewalt im Netz kontinuierlich zu schulen. Damit es für Mobbing an der Dietrich-Bonhoeffer-Schule auch weiterhin keinen Platz gibt, ist Prävention und Aufklärung notwendig. In diesem Jahr kamen die gut 2000 Euro, die das Theaterprojekt gekostet hat, durch Spenden der Sparkassenstiftung und des Fachdienstes Familie und Schule des Kreises zusammen.
„Es ist unser Ziel, das Projekt auch weiterhin anzubieten“, so Thiede hoffnungsvoll. (cs)
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige