Was Behinderte wollen

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Projektleiterin Anke Brammen von der Hermann-Jülich-Werkgemeinschaft Foto: Jenjahn
 
Kennenlernabend im Robben-Café Foto: wb

Neues Projekt der Hermann-Jülich-Werkstätten setzt auf Selbstbestimmung

Hamfelde/St. Seit ein paar Jahren macht im Zusammenhang mit der Integration von behinderten Menschen der Begriff Inklusion die Runde. Geändert hat sich nur wenig: Behinderte Menschen sollen ohne Abstriche in die Gesellschaft integriert werden. Die Hermann-Jülich-Werkgemeinschaft mit Sitz im Hamfelde/St. Haben nun ein neues Forschungsprojekt vorgestellt, in dem es um die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung geht. Gemeinsam mit der Andreas Tobias Kind-Stiftung Norderstedt, der Alanus Hochschule in Mannheim sowie der Universität Witten wurde nun das Forschungsprojekt „Persönliche Zukunftsplanung“ auf den Weg gebracht. Hierin geht es darum, wie die Wünsche von Menschen in Erfahrung gebracht werden können, die nicht reden können. „Wir wollen für die behinderten Menschen kleine Erlebnismomente schaffen“, sagt Anke Brammen von der Werkgemeinschaft, die dieses Projekt maßgeblich betreut.

Lernen, Wünsche zu artikulieren


Mit der Hilfe von Paten und einem weiterreichenden Unterstützerkreis aus Angehörigen, Freunden und Menschen aus dem sozialen Umfeld sollen die neun Teilnehmer an dem Projekt lernen, ihre Wünsche im Freizeitbereich artikulieren. Gemeinsam mit den Partnern sollen diese Interessen entdeckt und gegebenenfalls auch umgesetzt werden. „Menschen mit Behinderung sind sehr motivierbar, doch das was sie in ihrer Freizeit machen, ist oft nicht das, was ihren Interessen entspricht. Die Identifikation mit ihren Bezugspersonen ist sehr groß. Wir wollen mit diesem Projekt zeigen, dass diese Menschen auch eigene Wünsche und Bedürfnisse haben“, erläutert Anke Brammen. Die Behinderten haben sich mit ihren jeweiligen Paten bereits näher kennengelernt, können nun Vertrauen aufbauen und werden engeren Kontakt halten. Die geschulten Inklusionspaten machen sich mit der Biografie der planenden Person vertraut und sollen genau erkennen können, wer zu den wichtigsten Bezugspersonen gehört. Ein erweiterter Unterstützerkreis soll sich bilden. „Menschen mit Behinderung benötigen Bezugspersonen. Die Inklusionspartner haben als von außen gekommene Person einen ganz anderen, unvoreingenommeneren Blick auf die Situationen, als beispielsweise Angehörige, was von großem Vorteil ist“, meint Anke Brammen.
Die Arbeit, die von den teilnehmenden Universitäten dokumentiert und ausgewertet wird, soll Aufschlüsse darüber geben, wie das Leben der behinderten Menschen gestaltet werden kann. „Es ist wichtig für unsere Arbeit in diesem Bereich. Dieses Projekt soll Kenntnisse liefern, wie das Leben im Arbeits- und Wohnbereich gestaltbar ist“, sagt Anke Brammen. Die meisten der 110 behinderten Mitarbeiter der Hermann-Jülich-Werkgemeinschaft leben auch in unmittelbarer Nähe zum Arbeitsort.

Gemeinsame Sitzungen


Deshalb ist es wichtig, dass diesen Menschen gerade im Freizeitbereich eine lebendige Zukunftsplanung ermöglicht wird. In bis zu sieben gemeinsamen Sitzungen sollen bis Mitte des Jahres die individuellen Wünsche der Behinderten im Freizeitbereich „erforscht“ werden. Das Projekt läuft bis Januar 2017 und soll langfristig zur größeren Selbstverwaltung von Menschen mit Behinderung führen. (oj)
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