Wenn Bürokratie die Wirtschaft blockiert

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Der frisch gebackene Geselle Lars Budbasch (2.v.r.) erläuterte Minister Meyer (l.) seine Arbeit, Jörn Lantz (r.) und Handelskammerpräsident Günther Stapelfeldt (2.v.l.) begutachten die Arbeit Foto: Maurer
 
Fachkräfte des Unternehmens montieren Fenster Foto: Maurer

Minister Meyer informierte sich bei Unternehmen in Trittau

Von Birgit Maurer
Trittau
Hoher Besuch in Trittau beim Fenster- und Türenbauer J. Lantz: Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Reinhard Meyer kam zu einem Betriebsbesuch in den 1972 gegründeten Familienbetrieb, der von Jörn Lantz in zweiter Generation geführt wird. Der Minister geht einmal im Jahr auf Tour, um sich ein Bild von der Bandbreite der Betriebe und deren Probleme zu machen. „Ich möchte reinhören, wo der Schuh drückt“, sagte der Minister. Und da hatte Jörn Lantz einiges zu berichten. An erster Stelle: Schwierigkeiten mit der Bürokratie in mehreren Bereichen. Ob es um die Zertifizierungen seines Betriebs geht, die sehr kompliziert sind, um Sicherheitsbestimmungen, die neben einem Brandschutzbeauftragten auch einen Leiterbeauftragten fordern oder die Vorschriften bei einem Unfall. Das seien zum Teil nicht nachvollziehbare Vorschriften, die das Alltagsgeschäft erschwerten und viel Zeit kosteten. Bei einem Bagatellunfall sei es beispielsweise Vorschrift, einen Krankenwagen zu rufen, auch wenn sich jemand nur in den Finger geschnitten hat. Dann die vielen Protokolle über alle möglichen Schulungen. Langjährige Mitarbeiten müssen jedes Jahr erneut auf die Gefahren an ihrem Arbeitsplatz hingewiesen werden. „Überzogene Bestimmungen“, meint Lantz. Ein weiteres Problem ist die Gewinnung neuer Auszubildender. Im August beendeten acht Gesellen die Ausbildung, von denen sechs übernommen wurden. Für das neue Lehrjahr gab es nur eine Bewerbung. „Wir müssen mehr für die Attraktivität des Handwerksberufs werben, nicht jeder Abiturient muss studieren. Die dualen Ausbildungsgänge sind auch sehr interessant“, so der Präsident der Handelskammer Lübeck, Günther Stapelfeldt. Die Firma Lantz versucht, gute Kräfte zu halten. Lars Budbasch (19) hat gerade seine Gesellenprüfung mit der Note zwei bestanden und erzählte dem Minister von seiner Arbeit. „Erstmal arbeite ich hier. Vielleicht mache ich später noch den Techniker“, kündigte er an. Zudem sind auch Jörn Lantz eigenen drei Kinder bereits am Start: Sohn Johannes (25) ist bereits Tischlermeister und studiert BWL. Seine Schwester Jara Lantz (21) studiert ebenfalls BWL, jobbt im Betrieb, ist aber noch unentschlossen, ob sie in Vaters Betrieb arbeiten wird. Die jüngste, Julana (16), hat noch etwas Zeit für die Entscheidung. 100 Mitarbeiter beschäftigt Lantz, davon zehn Auszubildende. Die Firma hat zudem Büros auf Rügen, auf Sylt und in Hamburg. Elf Millionen Euro Jahresumsatz macht der Betrieb. Seine Produkte gehen nicht nur nach Deutschland, sondern werden auch in Skandinavien, auf Kreta und sogar in Sibirien verarbeitet. „Das kommt durch Empfehlungen der Kunden zustande“, so Jörn Lantz. Verarbeitet wird zertifiziertes Merantiholz, Mahagoni, sibirische Lärche und Eiche. Eine eigene Energiezentrale erzeugt aus Holzresten und Sägespäne in einerHolzvergaserheizung Energie für die 6600 Quadratmeter großen Produktionshallen. Nach sechs Jahren Bauplanungen, die auch durch eine Echse aufgehalten wurden, hofft Lantz, nächstes Jahr erweitern zu können. Dann sollen eine neue Präsentationshalle und ein Lager entstehen. „Es ist schon interessant, mal direkt zu hören, wie Behörden mit den Vorschriften umgehen. Bürokratieabbau ist sonst ein abstraktes Thema. Was Vorschrift ist, ist nicht immer sinnvoll“, so Minister Meyer. Jörn Lantz war froh, mal „Klartext“ reden zu können und hofft, dass das noch weitere Betriebsinhaber tun werden.
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