Wer kauft den Bahnhof?

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Besichtigung vor Ort (v.l.): Hartmut Petersen (Grünen-Politiker und Lokführer), Gaby Loebus (Grüne), Heinrich F. Kuth (Wahlkreismitarbeiter), Ruth Kastner (Landesvorsitzende der Grünen) und Dr. Valerie Wilms (Grüne bahnpolitische Sprecherin). Foto: cs

Noch immer ist kein Investor für das Objekt in Sicht

Bargteheide. „Ein Kulturbahnhof, saniert nach neusten Klimaschutzbestimmungen und zugleich ein Vorzeigeobjekt weit über die Grenzen Bargteheides hinaus bekannt“, das wäre die Idealvorstellung für Ruth Kastner, Landesvorsitzende der Grünen.
„Man wird ja wohl noch träumen dürfen“, fügt sie gleich im Anschluss realistisch hinzu. Wie elf weitere Bahnhöfe in Schleswig-Holstein soll auch der Bargteheider Bahnhof zum Ende des Jahres verkauft werden. Gemeinsam besuchten die beiden Grünen-Politikerinnen Ruth Kastner und Dr. Valerie Wilms, bahnpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion, in der vergangenen Woche das denkmalgeschützte Gebäude, um sich einen Einblick über den Zustand zu verschaffen. Anschließend wurde ausführlich mit Bürgermeister Dr. Henning Görtz über die Problematik gesprochen. „Noch scheint keine Lösung in Sicht“, betont Wilms. Auch die Stadt sehe einen ideellen Wert in dem Gebäude, als Entrée quasi eine Visitenkarte mit historischer Bedeutung.
Doch müsse der Erwerb eines solchen Gebäudes auch wirtschaftlich darstellbar sein. „Selbst wenn die Stadt das Gebäude zu einem symbolischen Wert von 1 Euro kaufen würde, die Sanierung würde mehrere Millionen verschlingen“, hieß es aus dem Gespräch. „Zu den momentanen Konditionen bestände kein Interesse“, so Wilms. Es ist nicht einfach ihn zu verkaufen, den Bahnhof Bargteheide. Rund die Hälfte der 1038 Quadratmeter, verteilt über zwei Ebenen, könnten vom zukünftigen Eigentümer nicht verplant werden, da dort weiterhin die Stellwerkstechnik zur Bedienung der Schrankenanlagen und Weichen untergebracht sei. Diese sei solange notwendig, bis die Strecke elektronisch angelegt sei. Außerdem wurde erst vor einem Jahr ein im Erdgeschoss ein Service-Store eingerichtet. Im Obergeschoss befinden sich auf 538 Quadratmetern zurzeit drei Mietwohnungen.
Die größte Befürchtung sieht Wilms darin, dass die Bahn AG das Gebäude zusammen mit weiteren Bahnhöfen in einem Gesamtpaket veräußert. „Vielleicht sogar an eine Heuschrecke“. Diese Investoren suchen sich die lukrativsten Standorte heraus, investieren dort, und lassen die anderen verfallen. Dies sei sicher nicht im Interesse der Stadt Bargteheide, so die Bundestagsabgeordnete. Die Bahn AG versuche zuerst, das Kaufinteresse bei den Kommunen zu wecken, bevor es zu einem offenen Bieterverfahren kommt. „Auch die Bahn hat eine Verantwortung gegenüber dem Gemeinwohl und darf sich nicht zu Lasten der Kommunen bereichern“, so Wilms.
„Es wird eine Denkmalruine hinterlassen, deren Sanierungskosten dann die Kommunen tragen müssen“, das sei undenkbar. Gemeinsam mit Verwaltungschef Görtz wollen die Grünen-Politikerinnen den Druck auf die Bahn erhöhen, um bei einem Verkauf eine akzeptable Lösung für beide Seiten zu finden. Ein privater Investor, verbunden mit der Stadt, der das Potenzial erkennt, wäre die ideale Lösung, da sind sich Görtz und Wilms einig. (cs)
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