Wie Korinna befreit wurde

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Mutter Kirsten Q. im Wohnwagen ihrer Tochter. Sie bat per Facebook um Hilfe bei der Suche nach Korinna Fotos: ks/wb (2)
 
Korinna Q.: Mit diesem Foto wurde nach ihr gesucht

15-Jährige war tagelang verschwunden. Rentner bot sie für Sex an

Von Klaus Schlichtmann
Norderstedt. Sechs Tage gab es kein Lebenszeichen von Korinna Q. aus Itzstedt (Kreis Segeberg) - die 15-Jährige war am vorvergangenen Montag mit einem Nachbarn (63) durchgebrannt, die Mutter seitdem in großer Angst um ihre minderjährige Tochter. Sonntag Nacht schließlich befreite die Polizei die hübsche Schülerin auf einem Campingplatz in Rastatt (Baden-Württemberg), nahm den Rentner fest. Noch am selben Tag erließ der Richter Haftbefehl wegen des Verdachtes der Förderung sexueller Handlungen Minderjähriger und wegen des Verdachtes des sexuellen Missbrauchs von Jugendlichen - der Nachbar Klaus Bernd G. hatte Korinna als „19-jährige, nymphoman veranlagte Jana“ auf einem Internet-Sexportal zur Ersteigerung angeboten.

Er wohnte nebenan

Korinna und ihre Mutter Kirsten Q. (49) leben seit Anfang des Jahres als Dauerbewohner auf dem kleinen Campingplatz von Itzstedt, Korinna hat dort auf der Parzelle der Mutter ihren eigenen Wohnwagen. Unmittelbar daneben hat der Rentner Klaus Bernd G. (63) seinen Stellplatz - auch er hat dort zwei Wohnwagen, auch er wohnt seit letzten Oktober ständig auf dem Campingplatz, zusammen mit fünf Chihuahuas und dem Kater Hermann.
„Er kommt aus Berlin, soll dort vor einigen Jahren ein Reisebüro und ein kleines Taxiunternehmen betrieben haben“, sagt Kirsten Q. Sie vertraute dem Mann, der immer freundlich und hilfsbereit war. Sie hatte auch nichts dagegen, daß ihre Tochter den Rentner in letzter Zeit immer häufiger zu Flohmärkten begleitete, wo er als Händler auftrat und Korinna ihr Taschengeld durch diesen Job aufbesserte. „Nie im Leben hätte ich gedacht, daß dieser Mensch so durchtrieben und gewissenlos sein könnte“, sagt die Altenpflegerin, sichtlich geschockt. Am 8. September um 7.40 Uhr hat Kirsten Q. ihre Tochter vor ihrem Verschwinden zum letzten mal gesehen. „Wir haben wie immer gemeinsam gefrühstückt. Ich habe sie dann noch gebeten, nachmittags die Wäsche aufzuhängen, dann ist sie los.“ Zur Schule, dachte Kirsten Q. - doch da kam Korinna nie an. Als sie auch am Abend noch nicht wieder zu Hause war, informierte Kirsten Q. die Polizei.

Klaus Bernd G. schweigt

Die Mutter platzierte bei Facebook eine Suchmeldung nach ihrer Tochter, die innerhalb von sechs Tagen über 100.000 mal geteilt wurde. Der Hinweis eines Mannes führte schließlich auf die Spur von Korinna und ihres „Senior-Zuhälters“. Der Mann, der die Mutter informierte, hatte das angeblich 19-jährige Mädchen „ersteigert“ und es später auf einem Zeitungsfoto wiedererkannt. Mit ihrem Sohn Christian (26) und Schwager Arnd (44) rief Kirsten Q. die Sexseite mit ihrer Tochter auf - und bot unter dem Pseudonym „Helmut88“ anonym mit. Bei 240 Euro erhielt er den Zuschlag für seine Schwester. Man verabredete sich für Sonntag zum Sex in einem Motel in Rastatt. Schwager
Arnd: „Wir sind dann aber schon am Sonnabend gefahren,
waren gegen Mitternacht in Rastatt am beschriebenen Hotel. Auf dem Campingplatz direkt gegenüber haben wir den Mercedes von Klaus Bernd G. entdeckt und die Polizei über den Notruf alarmiert.“ Der Rentner ließ sich widerstandslos abführen, Korinna kam in die Obhut des Jugendamtes.

„Campingplatz-Bewohner hatten schon am Tag vor dem Verschwinden gesehen, wie Korinna drei Reisetaschen in den Mercedes von Klaus Bernd G. verstaute.“ Kirsten Q.

Bereits vor dem Abtauchen des ungleichen Paares gab es merkwürdige Beobachtungen und Vorfälle Kirsten Q.: „Campingplatz-Bewohner hatten schon am Tag vor dem Verschwinden gesehen, wie Korinna drei Reisetaschen in den Mercedes von Klaus Bernd G. verstaute.“ Und in der Woche zuvor hatte sie sich durch den Hausarzt von G. in der Langen Reihe in St. Georg für fünf Tage vom Schulunterricht befreien lassen - musste sie da schon Männern gegen Höchstgebot zur Verfügung stehen? Die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft stehen erst am Anfang. Der Nachbar Klaus Bernd G. schweigt bisher.
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