Wo die Flüchtlingszahlen steigen

Anzeige
Zahl der Asylsuchenden in Stormarn wird sich bis Jahresende fast verdoppeln Grafik: Kühn/wb

Zahl der Asylsuchenden in Stormarn wird sich bis Jahresende fast verdoppeln

Von Victoria Kirjuschkin
Stormarn
Hamburg muss derzeit eine Welle von Flüchtlingen verkraften. Etwa 200 Männer und Frauen erreichen die Hansestadt pro Tag. Weil die Behörden mit der Errichtung von Unterkünften nicht hinterher kommen, werden zum Teil auf Parkplätzen und in Parks Zeltdörfer errichtet. Wie verhält es sich wenige Kilometer entfernt im Kreis Stormarn?

40 Flüchtlinge kommen wöchentlich


Etwa 40 Flüchtlinge, vor allem aus Syrien, Afghanistan oder Eritrea, aber auch Balkanflüchtlinge, werden hier pro Woche aufgenommen. Derzeit leben im gesamten Landkreis 1.244 Asylsuchende, bis Jahresende werden es 2.345 sein“, erklärt Dr. Edith Ulferts, Fachbereichsleiterin Gesundheit und Soziales bei der Kreisverwaltung in Bad Oldesloe. Jeden Freitag erhalten sie und ihre Kollegen der Gruppe „Asyl“ die Anzahl der zugeteilten Flüchtlinge. Zehn Tage haben sie Zeit, diese in den Kommunen des Kreises unterzubringen. Zwar gebe es in der Kreishauptstadt auch eine kreiseigene Gemeindeunterkunft in der bis zu 60 Personen Platz haben, meist erfolge die Einteilung aber dezentral. „Wir bringen Menschen nur in Kommunen unter, wo wirklich freie Plätze sind“, erklärt Ulferts. Zwischen Kreis und Kommunen gebe es regen Austausch, wo etwas frei ist und welche Gemeinde möglicherweise gerade im Rückstand mit Zuweisungen ist.

Görtz ist alarmiert


In Bargteheide konnten bislang alle Flüchtlinge, die zugewiesen worden, untergebracht werden. Dennoch ist Bürgermeister Dr. Henning Görtz alarmiert: „Was gerade in Hamburg los ist, erwartet uns auch“, sagt er. 110 Menschen, die Asyl suchen, leben aktuell in Bargteheide, weitere 40 werden bis Dezember erwartet. Für alle Flüchtlinge, die bis Jahresende nach Bargteheide kommen, habe man Wohnraum organisiert, berichtet der Verwaltungschef. Wenn im kommenden Jahr aber ebensolche Ströme den Landkreis erreichen, wird es schwierig. „Die Wohnungsknappheit ist auch für uns ein Problem“, sagt Görtz. In Bargteheide werden Asylsuchende sowohl in Wohnungen, also dezentral, untergerbacht, es gibt aber auch Gemeinschaftsunterkünfte. Momentan leben etwa 20 Flüchtlinge auf einer Fläche an der Alten Landstraße. „Dort wurde ein Bauernhaus umgebaut, zudem Container aufgestellt. Weitere Flüchtlinge sind in Obdachlosenheimen in den Straßen am Bargfeld und dem Glindfelder Weg beherbergt. Nach der Sommerpause werde die Verwaltung, laut Görtz, auf einem Grundstück in der Straße Am Krögen Mobilheime und Container errichten. Dadurch sollen acht Wohnungen entstehen, die etwa 30 Männern und Frauen Wohnraum bieten. Parallel dazu will die Stadt weitere Grundstücke dahingehend prüfen, ob sie sich als Unterkunft eignen.
Ahrensburg, als größte Kommune des Kreises, muss bis Jahresende 314 Flüchtlinge aufnehmen, aktuell leben 144 in der Schlossstadt. Um allen ein Dach über dem Kopf zu ermöglichen, baut die Stadtverwaltung aktuell bestehende Standorte am Reeshoop und der Langen Koppel aus, auf einer Fläche am Ahrensburger Kamp sollen Unterkünfte neu errichtet werden. Stadtsprecherin Imke Bär: „Der Erstbezug erfolgt im Oktober 2015.“ Insgesamt plant die Stadt an den drei Standorten, vier Unterkünfte in Holzrahmenbauweise zu bauen. Imke Bär: „Die Planung ist, die unterschiedlichen Wohnungsgrößen in jeder Unterkunft mit 22 bis 25 Personen zu belegen.“ Doch in Hinblick auf die Zuweisungen, die die Stadt 2016 erwarten, reicht das nicht aus. Daher versuchen Mitarbeiter der Stadt fortlaufend auf dem privaten Immobilienmarkt Wohnungen anzumieten. Bürger, die von freien Wohnungen wissen, können sich bei Michael Cyrkel unter 04102/ 77 257 melden.
17 Flüchtlinge mehr als vorgeschrieben, hat die benachbarte Gemeinde Ammersbek aufgenommen. „Bei uns leben derzeit 69 Flüchtlinge, 31 weitere kommen bis Jahresende hinzu“, erklärt der Büroleitende Beamte bei der Gemeinde Holger Peters. 29 Männer und Frauen hätten mit Hilfe der Gemeinde selbst eine Wohnung angemietet. Weitere 29 Flüchtlinge sind in Wohnungen, die die Gemeinde angemietet hat, untergekommen. Zudem leben 16 Asylsuchende in der gemeindeeigenen Unterkunft für Wohnungslose. Zudem hat Ammersbek ein leer stehendes Wohn- und Geschäftshaus im Zentrum des Ortsteils Lottbek erworben. Dort sind eine 2,5 Zimmer Wohnung frei, acht Zimmer werden geschaffen, es entstehen Waschräume, eine Küche und Aufenthaltsräume. „Ab August erfolgt die Übergabe vom Eigentümer“, sagt Peters. 28 Personen werden dort leben können. „Wir sind in der glücklichen Lage keine Containerlösungen verwirklichen müssen“, so Peters. Innerhalb der politischen Gremien sollen nach der Sommerpause weitere Standorte geprüft werden, wo zukünftig Flüchtlingsunterkünfte entstehen können.

189 Flüchtlinge bis Ende 2015 im Amt Trittau


Drei Asylsuchende mehr, als die Quote vorschreibt, leben in Großhansdorf. Laut Gabriele Hettwer, der Büroleitenden Beamtin im Rathaus. Derzeit leben 56 Flüchtlinge unter anderem am Kortenkamp. Bis Dezember werden 38 weitere Asylsuchende hinzukommen. Nach Fertigstellung eines Containerhauses am Kortenkamp wird dort Platz für 24 Menschen sein. Nach dem Bau eines zweiten Gebäudes an der Straße Radeland können dort 28 Flüchtlinge leben, 15 weitere sind in Wohnungen untergebracht.
Beim Amt Trittau haben die Mitarbeiter der Verwaltung ihre Hausaufgaben gemacht, wie Amtsvorsteher Ulrich Borngräber erklärt. „In letzter Zeit haben sich viele private Vermieter bei uns gemeldet, so dass wir derzeit über ausreichend Wohnraum verfügen. 100 Flüchtlinge leben im Amt, drei Viertel der Männer und Frauen in Trittau, die anderen in Grönwohld, Großensee oder Lütjensee. Bis Jahresende werden 189 Asylsuchende im Amt leben. „Wir sind gerade dabei, weitere Objekte in Großensee und Lütjensee anzumieten.“ Zudem habe Großensee dem Amt eine Sicherheitsfläche auf dem ehemaligen Sportplatz zur Verfügung gestellt. Borngräber: „Hier können wir bei Bedarf Mobilheime aufstellen, die ganzjährig genutzt werden können.“
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige