Zu wenig Menschlichkeit

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Der Ahrensburger Oliver Böge (47) hat in seinem Buch „Die (Un-)barmherzige Arbeitswelt“ seinen Berufsalltag verarbeitet Foto: fnf

Oliver Böge rechnet in seinem Buch mit aktueller Unternehmenskultur ab

Von Finn Fischer
Ahrensburg. Jeder ist sich selbst der Nächste, Menschlichkeit und Miteinander existiert nicht mehr. Die Arbeitswelt ist degeneriert, statt moralischer Werte steht bei vielen Firmen ausschließlich der Profit im Vordergrund – und die Angestellten machen sich zu Komplizen eines jahrzehntelang von der Politik geförderten pervertierten Wertesystems.

Ein Leben, ein Job ist heute die Ausnahme

„Ich bin keineswegs verbittert, aber das hier muss einmal gesagt werden“, sagt Oliver Böge über den Inhalt seines Buches „Die (Un-)barmherzige Arbeitswelt“. In einem 144-Seitigen Sachbuch rechnet der Ahrensburger mit der modernen Unternehmenskultur und Arbeitsmoral ab.
„Die Arbeitswelt ist unbarmherziger geworden. Alle wissen das, und meckern, um dieses Missverhältnis abzuändern. Am Ende allerdings handelt niemand, sondern verfolgt fleißig sein egomanisches Ziel“, kritisiert der 47-Jährige.
Nach der Schule absolvierte Oliver Böge eine Berufsausbildung zur Bürofachkraft in Nordfriesland, arbeitete anschließend 20 Jahre in einem großen Verlag im Dienstleistungssektor, ist ehrenamtlich beim Katastrophenschutz und als Jugendgruppenleiter tätig.
In mehreren Büchern verarbeitet der gebürtige Hamburger seine persönlichen Erfahrungen in der Arbeitswelt – auch das unverschuldete Abrutschen in die Arbeitslosigkeit und das Hartz IV-System – und letztlich den steinigen Wiedereinstieg in das Berufsleben.
Während sich in der Nachkriegs- oder Wirtschaftswunder-Generation das Arbeitsleben ausschließlich bei einem Unternehmen abspielte, ist die „Arbeitsplatz-Monogamie“ heute eher die Ausnahme. Die Zeiten der „45-jährigen Betriebszugehörigkeit“ sind vorbei.

Arbeitslosigkeit droht

Ein Gespenst geht um in der Arbeitswelt. Das der Kurzarbeit und der permanent drohenden Arbeitslosigkeit. Aus dem neoliberalen System permanenter Angst vor dem Arbeitsplatzverlust und dem sozialen Abstieg entsteht eine arbeitende Bevölkerung mit Ellenbogen-Mentalität. „Die Fähigkeit zur Selbstkritik und die soziale Einheit und Solidarität ist vielen Belegschaften abhandengekommen. Ich habe keine Firma kennengelernt, in der es anders ist“, sagt Oliver Böge. Es wird hinter dem Rücken des anderen getuschelt und über den Chef gelästert. Aber vielleicht angebrachte Kritik dem Chef gegenüber wird nicht geäußert.

„Eigentlich besteht eine Arbeiterschaft aus Individuen. Die Belegschaft ist das Kapital jeder Firma und generiert den Profit“, sagt Böge und zeichnet ein düsteres Bild einer Unternehmenskultur, die die junge Generationen erwartet. Oliver Böge: „Ich kann jungen Leuten nur raten, sich für Politik zu interessieren und sich zu engagieren. Sonst bestehen die Belegschaften der Unternehmen bald nur noch aus willenlosen Arbeitssklaven, die mehr leisten und weniger bekommen.“
„Die (Un-)barmherzige Arbeitswelt“ von Oliver Böge ist ein mutiges und provokatives Sachbuch, Leitfaden und Wegweiser über den täglichen Kampf von Mitarbeitern in den Betrieben und Firmen. Das Buch ist erhältlich unter www.meinbestseller.de und im Buchhandel (ISBN 9789462547469). Auch interessant: „Nimm dich nicht wichtiger, als du bist“ (2014) und „Leben mit Arbeitslosigkeit und Hartz IV“ (2014)
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