„Beherzt“ Kindern helfen

Anzeige
Koordinatorin Anne-Kathrin Neubau informierte über das neue Präventionsprojekt „Beherzt“ Foto: stb

Awo-Projekt unterstützt Jungen und Mädchen, deren Eltern psychisch krank sind

Von Stella Bandemer
Psychisch kranke Menschen leben oft sozial isoliert. Depression, Ängste, Persönlichkeitsstörungen oder Burn-Out sind vor allem für Kinder schwer nachvollziehbar. Zudem rutschen die Jungen und Mädchen, die beim Heranwachsen eigentlich selbst Hilfe brauchen, in eine Helfer-rolle für ihre Eltern. Sie müssen
Alltagsaufgaben wie die Betreuung von Geschwistern, wichtige Telefonate oder Einkäufe übernehmen, weil ihre Eltern dazu nicht mehr in der Lage sind. Diese Belastung ist nur schwer erträglich.

„Die Kinder denken oft, dass sie Schuld sind“

Nun gibt es ein mobiles Projekt bei der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Stormarn, das Kindern psychisch kranker Eltern helfen will. Vergangene Woche fand der offizielle Auftakt des Projektes im Rahmen des Sommerfestes der Grundschule Am Reesenbüttel statt. Unter dem Titel „Beherzt“ betreuen die Initiatoren bereits 15 Familien, die von dieser Problematik betroffen sind. Die Kinder sind zwischen vier und 18 Jahre alt.
Das multiprofessionelle Team aus derzeit sechs Mitarbeitern bietet eine an die konkreten Bedürfnisse angepasste Familienberatung, gruppen- und freizeitpädagogische Angebote sowie altersgerechte Aufklärung in Schulen oder Kitas an. Hinweise auf Familien, die möglicherweise Unterstützung benötigen erhalten die Awo-Mitarbeiter von Kitas, Grundschulen oder vom Jugendamt.
Das Interesse an dem noch jungen Projekt ist enorm. Denn ihren Jahresplan, 15 Familien zu betreuen, haben die Helfer bereits erfüllt.
Jedes siebte bis zwölfte Kind sei bundesweit betroffen und etwa 3.500 bis 6.000 Kinder und Jugendliche im Kreis, schätzt eine Studie.
„Die Kinder denken oft, dass sie Schuld daran sind, dass es ihren Eltern schlecht geht“, sagt Anne-Kathrin Neubau, Projektkoordinatorin. „Dass die Kinder selbst psychisch krank werden, ist nicht selten.“ Nur ein Drittel der betroffenen Kinder soll unter solch einer Belastung gesund bleiben. Jeweils ein Drittel habe mit größeren Problemen zu kämpfen. Zudem seien psychische Krankheiten oft die Ursache oder Begleiterscheinung von Suchterkrankungen.

Keine Diagnosen nötig

Das kostenlose Angebot sei niedrigschwellig angelegt – es werden keine Diagnosen oder Anträge benötigt. Finanziert wird es für drei Jahre von der Awo und der Aktion Mensch. „Wir hoffen sehr, dass wir darüber hinaus bestehen können“, so Neubau. Auch Ehrenamtler werden noch gesucht, die das Projekt unterstützen wollen.
E-Mail: beherzt@awo-sh.de
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige