Gefährliche Gerüchte im Kreis Stormarn

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Polizeisprecherin Sonja Kurz stellt klar: Gerüchte reichen nicht aus, um zu ermitteln Foto: Fischer

Unbekannte bringen falsche Polizeimeldungen in Umlauf

Von Finn Fischer
Ahrensburg
Immer wieder bringen Unbekannte über soziale Netzwerke Falschmeldungen über sogenannte Mitschnacker in Umlauf. Jetzt gibt es erneut einen konkreten Fall in der Region Stormarn und Lauenburg. Die Polizeipressestelle warnt vor einer falschen Pressemitteilung, die derzeit auf Facebook und Whatsapp kursiert: Danach sollen ausländische Busfahrer gezielt Kinder und Jugendliche ansprechen. Immer wieder kursieren Gerüchte über vermeintliche Mitschnacker, die Jagd auf Kinder machen. So geschehen im November in Bad Oldesloe und Umgebung. Eltern wollten damals in Rümpel und Pölitz ein verdächtiges Fahrzeug gesehen haben, aus dem heraus Kinder angesprochen wurden. Die Polizei bestätigte die Vorfälle damals nicht. Oft sind es Beobachtungen, die von Zeugen falsch interpretiert werden. Jetzt gibt es im Kreis Stormarn einen Fall in neuer Qualität. Derzeit ist eine gefälschte Pressemitteilung der Polizeidirektion Ratzeburg im Umlauf, die vor „ausländischen Busfahrern“ warnt und Eltern verunsichert. Insbesondere am vergangenen Wochenende aber auch davor kursierte in den sozialen Netzwerken Facebook und WhatsApp das Schreiben, welches als offizieller Warnaufruf überschrieben ist und von der Pressestelle der Polizeidirektion Ratzeburg verschickt worden sein soll. Doch die Warnmeldung in Briefform ist nicht von der Polizei herausgegeben.
Holger Meier von der Polizeidirektion Ratzeburg: „In dem gefälschten Schreiben wird vor ausländischen Busfahrern gewarnt, die gezielt Bushaltestellen anfahren und dabei Kinder und Jugendliche ansprechen sollen. Derartige Vorgehensweisen und konkrete Vorkommnisse sind der Polizei nicht bekannt.“ Die Pressestelle der Polizeidirektion Ratzeburg verschickt keine Papiermeldungen. Etwaige Warnmeldungen werden als Pressemeldungen über OTS (Originaltext-Service) in das Internet gestellt oder auf dem Wege der direkten Kommunikation an einzelne Medien gesteuert. Falschmeldungen über Kindesentführer sorgen immer öfter für Angst unter Eltern, die ihre Kinder in Gefahr sehen. Viele der auf den ersten Blick eindeutigen Beobachtungen stellen sich jedoch als Verwechslungen heraus. Im vergangenen Jahr wurde eine Lehrerin in Grömitz für einen potenziellen Kindesentführer gehalten. Sie hielt mit ihrem Wohnmobil an einer Bushaltestelle, um zwei sich auf einem Spielplatz streitende Jungs auseinanderzubringen. Diese Situation wurde von einigen Schülern missinterpretiert – das Gerücht vom „Wohnmobil-Mitschnacker“ machte die Runde. Diese Verwechslung konnte die Polizei schnell aufklären. Anders eine Situation Mitte des Jahres in Freising (Bayern). Hier attackierten mehrere Männer einen Vater (50), der gerade mit seiner Tochter (10) im Park spazieren ging, beschimpften ihn als Kinderschänder. Die Erklärung: Der Mann sei ihnen „irgendwie komisch“ vorgekommen. Häufig verbreiten sich Meldungen vermeintlicher Kinderschänder, die vor Schulen gesichtet worden sein sollen in sozialen Netzwerken – in der Regel Männer in Minivans und Transportern. Gefährlich für Väter, die derart „verdächtige Fahrzeuge“ fahren und nur ihre Kinder abholen wollen. Bei der Polizei laufen immer wieder Meldungen und Nachfragen über angebliche Vorfälle auf. „Wir brauchen eine konkrete Beschreibung des Vorfalls mit Ort, Datum und Urzeit, eine des mutmaßlichen Täters und des Fahrzeugs, möglichst mit Kennzeichen“, sagt Polizeisprecherin Sonja Kurz, die ausdrücklich darauf hinweist, dass die Polizei mit wagen Vermutungen wenig anfangen kann. „Gerüchte reichen nicht aus.“
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