„Schnell raus, es brennt“

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Feuerwehrleute beim Brand in Hammoor Foto: rtn

Hammoor: 3,5 Jahre Haft für Brandstifter Tobias F.

Lübeck Sieben Brände, darunter eine 300 Jahre alte Reetdachkate. Das ist die Bilanz einer Serie von Brandstiftungen, die die Hammoorer über zwei Jahre in Angst und Schrecken versetzte. Der Brandstifter wurde nun verurteilt: Tobias F. muss dreieinhalb Jahre ins Gefängnis. Zum letzten Mal brannte es Mitte Juni in der Gemeinde. Es war eine 300 Jahre alte Bauernkate, die Tobias F. damals angezündet haben soll. Bereits einen Tag später saß er in Untersuchungshaft.
Neben dem abgebrannten Reetdachhaus zündete der 24-Jährige auch einen Pferdestall und fünf Strohballenlager an. Gesamtschaden: 260.000 Euro. Doch immer achtete er darauf, dass weder Menschen noch Tiere zu Schaden kommen konnten. Beim letzten Feuer der Brandserie wurde eine Nachbarin sogar gewarnt. „Auf einmal klingelte jemand Sturm an der der Tür. Ich öffnete und ein mir unbekannter rief ‚schnell raus, es brennt. Es war wie ein Spuk. Plötzlich war er wieder weg“, beschreibt die Zeugin die Begegnung mit dem geheimnisvollen Fremden. Wer der „gut angezogene und gepflegt wirkende Mann“, so die Beschreibung der Zeugin, an der Tür war, ist bis heute ungeklärt. Die meisten Taten konnten Tobias F. nur durch seine umfassende Aussage zur Last gelegt werden. Einige der Verfahren waren bereits eingestellt. Die vom Gericht als Sachverständige beauftragte Gutachterin Dr. Christine Heisterkamp bringt Licht in die Frage nach dem Motiv: Er habe den Leuten im Dorf zeigen wollen, dass er da ist und hilft und eben nicht der ist, der nichts auf die Reihe bekommt. „Er wollte als Held gesehen werden“, so Heisterkamp über den Angeklagten, der seit früher Kindheit unter einer Lernbehinderung leidet.
In der Verhandlung wich Tobias F. von seiner Aussage ab, in der er sich als Alleintäter präsentierte. Jetzt behauptete er, von seinem ältesten Bruder angestiftet worden zu sein, als „Ersatzleistung“ für nicht bezahltes Geld. Verteidigerin Vera Hocke hielt das für plausibel: „Meiner Überzeugung nach ist das die Wahrheit, die er hier in der Hauptverhandlung erzählt hat.“
Die Geschichte des Angeklagten glaubte weder der Staatsanwalt Christian Braunwarth noch Richter Jörg Hentschel. Das Gericht verhängte eine Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten, blieb damit vier Monate unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. (fnf)
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