Alle Neune mit einem Wurf

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Diese VSK-Kegler wollen in die 2. Bundesliga: Hans-Ulrich Köpp, Myles Grimm, Kai Hölscher, Lukas Weber (hinten von links), Bernd Kulsch, Manfred Broer, Thorsten Lützow (vorne von links).Foto: jae

Freizeitspieler treffen öfter alle Kegel mit einer Kugel als Leistungssportler

Von Hans-Eckart Jaeger
Hoisbüttel. Manfred Broer (45) wagt den großen Wurf. Er holt sich die schwarze Kunststoffkugel, bückt sich und läuft los.
Drei kurze Schritte, dann schleudert er das 2,8 Kilogramm schwere Sportgerät mit kontrolliertem Schwung in Richtung Ziel. Am Ende der 25 Meter langen Holzbahn im Vereinsheim des Hoisbütteler Sportvereins warten neun Kegel, ebenfalls aus Kunststoff. Sie sind wie ein Quadrat, das auf der Spitze steht, aufgestellt.
Krachend trifft die Kugel, die einen Durchmesser von 16 Zentimeter hat, auf den vordersten Kegel und reißt ihn zu Boden. Gespannt schaut Broer hinterher. Fallen alle Neune? Nein, ein Kegel bleibt stehen. „Acht Holz sind okay, neun Kegel abzuräumen, ist ohnehin schwierig“, sagt er. „Alle Neune schaffen Freizeitkegler öfter.“
Warum? Bei Hobbyspielern ist der vorderste Kegel leichter (etwa 1200 Gramm gegenüber 1800 Gramm bei Leistungskeglern). Er fällt schneller und reißt die anderen eher mit.
„Fallen alle, ist bei Freizeitkeglern meistens eine Runde Bier fällig und der Wirt freut sich“, erklärt Broer. Alkohol bei Meisterschaften oder Punktspielen sei dagegen verpönt.
Manfred Broer ist Trainer und Mannschaftskapitän des Vereins Stormarner Kegler (VSK), einer im Jahr 1999 gegründeten Spielgemeinschaft von Keglern aus Sportvereinen in Hoisbüttel, Großhansdorf, Bad Oldesloe, Reinfeld und Havighorst. Die haben sich damals zusammengetan, um bei Punktkämpfen und Meisterschaften auf nationaler Ebene schlagkräftiger zu sein.
Seit der Fusion ging es aufwärts. Am Sonntag kämpften die VSK-Kegler in Delmenhorst sogar um den Aufstieg in die 2. Bundesliga. Von acht Teams qualifizierten sich vier für die zweithöchste deutsche Spielklasse, die Stormarner konnten sich allerdings nicht qualifizieren. Sie belegten unter acht Teams, die insgesamt teilgenommmen haben, den letzten Platz.
„Wir wussten vorher, dass wir klare Außenseiter sind“, sagte VSK-Vorsitzender und Teammitglied Thorsten Lützow auf der Rückfahrt mit dem Mannschaftsbus nach Ammersbek.
„Wir haben Lehrgeld bezahlt, jeder von uns lag 15 bis 20 Holz unter seinem normalen Leistungsvermögen. Aber es war ein Erlebnis, überhaupt dabei zu sein.“
Der Buchhalter und zweifache Familienvater aus Bad Oldesloe ist auch Kreisverbandsvorsitzender Stormarn, dem 120 Leistungskegler angehören. Beim VSK-Stormarn sind es 77 Mitglieder, davon 53 aktive Kegler.
„Leider gibt es seit einigen Jahren einen Abwärtstrend“, klagt Lützow. „Deshalb gehen wir schwierigen Zeiten entgegen.“
Die Laune bei den VSK-Keglern bleibt dennoch gut. Manfred Broer, der vor neun Jahren seinen letzten „Pudel“ warf, hatte am Sonntag vor einer Woche Grund zur Freude. Beim letzten Landesliga-Punktspiel der Saison in Brunsbüttel gegen Bielenberg musste der Teamkapitän als letzter Spieler eine „Acht“ werfen. Er tat es und die Stormarner siegten mit 3517:3516 Holz.
Bei den Landesmeisterschaften Anfang Mai in Husum wollen die KSV-Kegler Wiedergutmachung für das schlechte Abschneiden bei der Aufstiegsrunde in Delmenhorst betreiben. „Dafür werden wir hart trainieren“, verspricht Manfred Broer.
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