Nach dem Kirchentag 2015: Wie viel klüger sind wir geworden?

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Im Café Pause Inklusiv arbeiten Menschen mit und ohne Handicap zusammen
 
Das Forum Inklusion diskutierte mit Gästen über die Auswirkungen der UN-Behindertenrechtskonvention im Alltag
Vergangenen Sonntag endete in Stuttgart der 35. Deutsche Evangelische Kirchentag. Von Kirchentagspräsident Prof. Andreas Barner wurde er als friedliches "Fest des Glaubens" gewürdigt, das geprägt war von Zuhören und Diskussion wie von Musik, Gebet und Ökumene. Trotz tropischer Temperaturen erörterten rund 133.000 Besucher auf über 2.500 Veranstaltungen drängende kirchliche wie gesellschaftliche Fragen. Dabei ging es um Frieden, das Klima, um Fragen der Gerechtigkeit, um gleichgeschlechtliche Ehe, Flüchtlinge und Entwicklungspolitik.

Das Café Pause Inklusiv, getragen von der Evangelischen Stiftung Alsterdorf und drei weiteren großen diakonischen Einrichtungen aus Nordrhein-Westfahlen, Niedersachsen und Baden, bereicherte die Programmvielfalt des Kirchentags um das Thema Inklusion, die auf einer Fläche von gut 200 Quadratmetern erlebbar wurde.
In drei Schichten servierten 140 Frauen und Männer mit und ohne Beeinträchtigungen im Café und gestalteten ein buntes Kulturprogramm: Täglich war das Büro für Leichte Sprache der Diakonischen Stiftung Wittekindshof vor Ort, um die Erfahrungen der Kirchentagsbesucher in Leichte Sprache zu übersetzen und so das „Tage-Buch vom Kirchen-Tag“ zu füllen. Außerdem gab es regelmäßig inklusive Mittagsandachten und Abendimpulse in Leichter Sprache, die durch theologische Größen der verschiedenen Einrichtungen gestaltet wurden.
Zum Auftakt dominierte am Donnerstag die Orffgruppe der Johannes-Diakonie Mosbach die gesamte Zelthalle 18 mit Livemusik zum Mitsingen und Bewegen. Auch Freitag war das Programm auf die Einbeziehung der Besucher angelegt, die vormittags ihre Gedanken zur Kirchentagslosung „damit wir klug werden“ (Psalm 90) in die Kunstinstallation der Wilderers der Diakonie Himmelsthür aus Hildesheim einbringen, oder nachmittags einen Trommelkurs bei der Gruppe Shuja aus Hamm absolvieren konnten. Durch die Trommler gelang sogar der Schritt aus der Halle hinaus und auf Flüchtlinge zu.

Am Samstag wurde es dann auch aus Hamburger Sicht noch einmal inhaltlich: Der Arbeitskreis Forum Inklusion aus Hamburg-Eidelstedt, welcher in Kooperation mit der alsterdorf assistenz west tätig ist, gab im Rahmen einer Podiumsdiskussion bei Pause Inklusiv Impulse zur alltäglichen Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention. Fast zeitgleich hielt das Alsterdorfer Vorstandsmitglied Ulrich Scheibel im Zentrum Barrierefrei einen Vortrag zum Thema Inklusive Gesundheit, wobei er gemeinsam mit Susanne Hempel, einer Ärztin aus Mosbach, über die Vorteile und Notwendigkeit eines Medizinischen Zentrums für erwachsene Menschen mit Behinderungen (MZEB) informierte und Fragen dazu beantwortete.

Bei der Fülle von Themen und Veranstaltungen habe die Losung des Kirchentages „ihre Wirkung entfaltet“, erklärte Generalsekretärin Ellen Überschär auf der abschließenden Pressekonferenz am Sonntag nach dem festlichen Abschlussgottesdienst. Dabei seien - entsprechend der Vielfalt des Protestantismus – „Differenzen ausgelotet, aber nicht ausgeräumt“ worden. Das klingt verhalten, ist aber ein Fazit, mit dem man leben kann.

Denn nach dem Kirchentag ist vor dem Kirchentag. Und wenn es zum Reformationsjubiläum 2017 vom 24. – 28. Mai nach Berlin und Wittenberg geht, gibt es sicher genug Gesprächsstoff für erneute 2.500 Veranstaltungen, durch die wir alle nur klüger werden können.
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