Ansturm bei Info-Veranstaltung

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Beate Schmid-Janssen (v.l.), Oberschulrat Bernd Thiemann, Yvonne Nische, vom Bezirksamt Hamburg-Nord und Andrea Stolpmann, BASFI Foto: Krause
 
So wird die Unterkunft auf dem Parkplatz aussehen Repro: Krause

Flüchtlings-Unterkunft auf P+R-Platz Kiwittsmoor. Anwohner in Sorge. Runder Tisch kommt

Franz-Josef Krause
Langenhorn
Doppelt volles Haus in der Kapelle des Schröderstifts: Der Andrang bei der Info-Veranstaltung zur Flüchtlingsunterkunft auf dem bisherigen Park and Ride Platz am U-Bahnhof Kiwittsmoor war so gewaltig, dass die Veranstalter in die Veranstaltung in zwei „Schichten“ ablaufen musste. Nur so konnten geschätzt 600 bis 700 Anwohner und sonstige Interessenten aus erster Hand erfahren, was geplant ist. Durch diese Maßnahme fallen 309 bisher kostenlose Pkw- Parkplätze ersatzlos weg (das Wochenblatt berichtete).
Yvonne Nische, Dezernentin für Soziales, Jugend und Gesundheit im Bezirksamt Hamburg-Nord, vertrat Bezirksmtsleiter Harald Rösler. Gleich zu Beginn wies sie darauf hin, dass es nicht darum gehe, Flüchtlings- und Asylpolitik grundsätzlich zu diskutieren oder zu hinterfragen. Es sollte im Schröderstift ausschließlich darum gehen, die konkrete Situation vor Ort zu erläutern und sich den Fragen zu den Auswirkungen für die Anwohner zu stellen.

Infrastruktur mitgenutzt


Dabei zeigte sich, dass nicht wenige Langenhorner das Gefühl haben, ihr Stadtteil werde überproportional für die Unterbringung von Flüchtlingen herangezogen. Die Grellkampschule wurde Erstaufnahme, die Süderschule wird gleichfalls Unterkunft, und die Einrichtungen Schule Flughafenstraße und Poppenbüttler Weg liegen zwar schon im Bezirk Wandsbek, doch nutzen deren Bewohner wegen der Lage fast ausschließlich die Langenhorner Infrastruktur. Auf mehrfache Fragen nach der Gesamtzahl der bereits in Langenhorn bestehenden Unterkünfte und den schon bekannten Erweiterungsplänen gab es keine befriedigenden Aussagen. Der Verweis auf gezeigte Charts war dabei keine richtige Hilfe, weil diese nur von einem kleineren Teil der Anwesenden überhaupt gelesen werden konnten. Dieser Umstand sowie die nicht optimale Verständlichkeit der Akteure und die versehentliche Einstufung von Asylsuchenden aus Albanien als „Kriegsflüchtlinge“ sorgten in der ersten Veranstaltung für eine gereizte Stimmung.

Anwohner besorgt


Als sich eine Anwohnerin mit unverkennbarem Migrationshintergrund besorgt zeigte und gar formulierte „Wir sind hier bestraft“, brandete Beifall auf – als darauf ein Teilnehmer sie rüde anbrüllte, ebenfalls. Darauf verließ sie fluchtartig den Raum. Wäre sie geblieben, hätte sie aus dem Mund von Peter Cohrs vom PK 34 erfahren, dass im Umfeld von Wohnunterkünften die Kriminalität nicht angestiegen sei. Unverständnis erntete Dezernentin Nische für ihre Behauptung, dass es ja weiterhin, wenn schon nicht am Kiwittsmoor, dann doch beim Marktkauf am Langenhorner Markt kostenlos Parkplätze gebe. Der Platz ist allerdings privat und für Einkaufende, nicht für Pendler, vorgesehen.
Pendler sollten eigentlich das P+R-Haus am Markt nutzen – das kostet aber Gebühren. Nicht vollständig zufriedenstellen konnte die mehrfache Versicherung, dass mit 600 Personen am Kiwittsmoor planerisch die absolute Obergrenze erreicht sei. Das umso mehr, weil der Bezirksabgeordnete der CDU, Nizar Müller, auf Informationen verwies, die durchaus eine Obergrenze von 1.000 Personen möglich erscheinen lassen. Der ebenfalls anwesende Oberschulrat Bernd Thiemann von der Schulaufsicht zeigte sich davon überzeugt, dass sowohl für die bisherigen wie auch für die neuen Schüler gut gesorgt sein wird. „Wir haben inzwischen sehr gute Erfahrungen und sind sicher, auch für die Kinder am Kiwittsmoor sorgen zu können“, so sein Statement.
Im Zentrum der zweiten Info-Veranstaltung stand mehr die Frage, wie Bürger helfen können. Die Behördenvertreter beteuerten, dass Senat und Bezirke bestrebt seien, alle Stadtteile in gleicher Weise in die Flüchtlingsunterbringung einzubinden, aber „Gerechtigkeit hat dabei keine Priorität, sondern der vorhandene Platz“. Diese Behauptung ist allerdings durchaus pikant. Denn während am Kiwittsmoor auf engem Raum 600 Menschen untergebracht werden sollen, will die Hansestadt über den Landesbetrieb Immobilienmanagement im Gewerbegebiet Tarpenring ein unbebautes Grundstück mit 6.000 qm verkaufen. Auch hier wäre das Aufstellen von Wohncontainern möglich – so wie bisher schon geschehen mit Hilfe des Polizeirechts. (fjk)

Erster Runder Tisch für die Unterkunft Kiwittsmoor, Schröderstift-Kapelle, Donnerstag, 27. August 17.30 Uhr, Kiwittsmoor 26
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1 Kommentar
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Tatjana Groeteke aus Langenhorn | 11.08.2015 | 14:09  
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