Fluglärm in Hamburg nimmt zu

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Anwohner beklagen, dass viel zu wenig leise Maschinen im Einsatz sind Foto: wb
Hamburg: Flughafenstr. 1-3 |

2015 und 2016 gehören zu lautesten Jahren. Behörde arbeitet an „Luftreinhalteplan“

Alsterdorf/Groß Borstel Der Lärmteppich habe sich seit 20 Jahren um ein Drittel verkleinert, meldet die Hamburg-Airport-Gesellschaft optimistisch in ihrer Bilanz 2016 – und das bei einem Zuwachs auf 16,2 Millionen Passagiere und einer gestiegenen Anzahl von Flügen im vergangenen Jahr. Doch mehr als 100.000 Menschen leiden unter Fluglärm: Was Anwohner rund um den Flughafen mit zunehmenden Starts und Landungen seit rund 18 Monaten ertragen müssen, hat jetzt auch der BUND Hamburg in einer Gegenrechnung beziffert und harsch kritisiert: „Fluglärm macht krank.“

Immer mehr Billigflieger

Eine „überlaute Bescherung“ hatte die Bürgerinitiative für Fluglärmschutz in Hamburg und Schleswig-Holstein (BAW) schon vor Jahresende moniert „Rückblickend über die vergangenen 18 Jahre bilden 2015 und 2016 zwei der drei lautesten Jahre“, meldet der BAW-Blog. Immer mehr Billigflieger würden nach Hamburg gelockt, Nachtflugbeschränkungen oder Bahnbenutzungsregeln missachtet. „Fehlverhalten wird völlig unzureichend geahndet.“ Zudem seien weniger lärmende Flugzeuge kaum im Einsatz. Für mehr leisere Maschinen – wie etwa der Airbus A320 Neo oder die Boeing 737 MAX – fehlten finanzielle Anreize. „Kurz gesagt: Es lohnt sich für die Fluggesellschaften, weiterhin mit altem und lautem Flugmaterial unterwegs zu sein“, so die Schlussfolgerung der BAW-Blog-Autoren. Bei 100 Passagieren pro Flug im Durchschnitt „bedeutet jeder Passagierrekord ein Maximum an Fluglärm und Flugdreck.“

Zusätzliche Luftbelastung

Neben dem gesundheitsschädlichen Lärm macht vielen Anwohnern auch die zusätzliche Luftbelastung durch Kerosinabgase zu schaffen. In Hamburg herrscht bereits dicke Luft: Bis zum Sommer soll deswegen die Behörde für Umwelt und Energie (BUE) einen „Luftreinhalteplan“ vorlegen. Stickoxide und Feinstaub sorgen nicht nur für den Schmierfilm auf frisch geputzten Fenstern sondern auch für Gesundheitsrisiken.Allen voran zählen Abgase aus Dieselmotoren zu den Luftverpestern. Der Schadstoffausstoß der mit Kerosin betankten Flugzeuge – fast identisch mit Diesel – wird jedoch lediglich in der einzigen Luftmessstation des Flughafens nahe der Holtkoppel in Fuhlsbüttel-Nord erfasst und im Jahresmittel gerechnet: 2016 seien alle Grenzwerte eingehalten worden. Die Tagesmittelwerte lagen allerdings deutlich höher. (wh)

Weitere Infos: Hamburger Luftmessnetz; Bürgerinitiative für Fluglärmschutz in Hamburg und Schleswig-Holstein (BAW); Airport Hamburg
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3 Kommentare
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Steffen Maier aus Farmsen-Berne | 08.02.2017 | 23:15  
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Rainer Stelling aus St. Georg | 12.02.2017 | 13:26  
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Elke Noack aus Rahlstedt | 12.03.2017 | 10:44  
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