Fluglärm-Terror über Norderstedt

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Flugzeuge starten und landen über die nördliche Landebahn. Vom 5. bis 21. September wird Ruhe herrschen Foto: Fuchs
Hamburg: Flughafenstr. 1-3 |

WIN-Fraktionschef spricht von Horror-Sonntag – Landungen bis nach Mitternacht

Von Burkhard Fuchs
Norderstedt/Hamburg
Mit dem Thema Fluglärm ist seine Wählergemeinschaft „Wir in Norderstedt“ (WIN) vor vier Jahren auf Anhieb mit drei Sitzen in die Stadtvertretung gekommen. An der Problemlage hat sich seitdem nichts geändert. Im Gegenteil, wie jetzt der vorvergangene Sonntag zeigte, ärgert sich WIN-Fraktionschef Reimer Rathje. „Es war ein Horror-Sonntag. Wir mussten den lautesten Tag des Jahres erleben.“ Seit 6 Uhr früh seien die Flugzeuge beim Start im Minutentakt über Norderstedt geflogen. Laut dem Dienst Travis Hamburg, das die Flugspuren sämtlicher Flieger im Internet nachzeichnet, flogen fast alle Flugzeuge an diesem Tag zum Start über Norderstedt – bis auf vier Maschinen nach 22.30 Uhr. „Dafür mussten wir bis nach Mitternacht die nächtlichen Landungen ertragen“, ist Rathje genervt. Somit sei die Norderstedter Bevölkerung mehr als 18 Stunden lang dem pausenlosen Fluglärm ausgesetzt gewesen.

Um den Schlaf gebracht

Am darauffolgenden Montag habe das Drama mit den lauten Starts direkt über den Häusern Norderstedts um 6 Uhr von neuem begonnen. Rathje: „Das bedeutete eine Nachtruhe von weniger als sechs Stunden.“ Internationalen Studien zufolge sei eine ungestörte Nachtruhe gerade für die Gesundheit von Kindern von mindestens neun Stunden erforderlich, damit sie keinen Schaden nähmen. Der Wind habe dabei keine Rolle gespielt, betont der Norderstedter Kommunalpolitiker. Zunächst sei er aus Südwest gekommen, später sei er kaum zu spüren gewesen. „Es ist ausnahmslos dem egoistischen Verhalten der Stadt Hamburg geschuldet, die ihre Bevölkerung vor Lärm und Dreck schützen möchte“, ahnt Rathje. Auch die schleswig-holsteinische Landesregierung habe dem bislang tatenlos zugesehen. Insofern setze er seine „ganze Hoffnung in die neue Jamaika-Koalition in Kiel“, der ja nun der ehemalige Norderstedter Oberbürgermeister Hans-Joachim Grote als Innenminister angehört, der für eine gerechtere Verteilung des Fluglärms sorgen möge. Seit vielen Jahren starten und landen zwischen 41 und 46 Prozent aller Flieger über die nördliche Start- und Landebahn in Richtung Norderstedt, Hasloh und Quickborn. 2016 waren es 69.727 von 156.753 Flugbewegungen von und nach Fuhlsbüttel.

Ruhe vom 5. bis 21. September

Im September können die Norderstedter und Quickborner allerdings für zwei Wochen aufatmen: Vom 5. bis 21. September wird die nördliche Startbahn wegen dringend notwendiger Wartungsarbeiten gesperrt sein.
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