Hamburg Airport: Lärmend durch die Nacht?

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Sieben Airlines wollen jetzt pünktlicher in Hamburg starten und landen – doch oft gelingt das nicht, wie die steigende Zahl verspäteter Starts zeigt Foto: Fuchs
 
Hamburgs Flughafenchef Michael Eggenschwiler freut sich über die Bilanz Foto: Fuchs
Hamburg: Flughafenstr. 1-3 |

Streit um Pünktlichkeitsoffensive zwischen Flughafen und Bürgerinitiative BAW

Von Burkhard Fuchs
Hamburg-Fuhlsbüttel
Unterschiedlicher kann das Resümee kaum ausfallen. Während der Hamburger Flughafen seine vor einem Jahr gestartete Pünktlichkeitsoffensive als erfolgreich lobt, fällt das Urteil der Bürgerinitiative für Fluglärmschutz (BAW) in Hamburg und Schleswig-Holstein niederschmetternd aus.
„Wir sehen die sogenannte Pünktlichkeitsoffensive als einen Totalausfall, als vollständig gescheitert an“, so BAW-Sprecher Martin Mosel. „Der Hamburger Senat muss endlich die kritiklose Übernahme der Betreibermärchen vom Flughafen beenden und sich mit seinen versierten Fachbehörden ein eigenes Bild der Fluglärmfakten machen.“

Hamburg Airport widerspricht

So hat jetzt Flughafensprecherin Janet Niemeyer diese Initiative des Helmut-Schmidt-Flughafens als erfolgreich dargestellt. Inzwischen sei die siebte große Airline dieser Selbstverpflichtung beigetreten, in dem Versprechen, so selten wie möglich nach 23 Uhr von Hamburg aus zu starten und hier zu landen. Dieser Erfolg ließe sich auch mit Zahlen belegen. So seien die Verspätungen nach 23 Uhr im Winterflugplan von November 2016 bis März 2017 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 21 Prozent zurückgegangen. Allein im März dieses Jahres seien lediglich 25 Linien- und Touristikflüge zu spät gelandet oder gestartet. Vor einem Jahr seien es noch 45 gewesen. „Zum gerade gestarteten Sommerflugplan gilt es nun, die Verspätungssituation weiter im Blick zu behalten. Sollten einzelne neue Verbindungen besonders störanfällig sein, sucht Hamburg Airport gemeinsam mit den Behörden das Gespräch mit den Airlines, damit diese Schritt für Schritt entgegenwirken“, so Janet Niemeyer.

Kontroverse Meinungen

BAW-Sprecher Mosel macht dagegen anhand der Flugspuren-Analyse eine andere Rechnung auf. Im Jahr 2016 seien die sechs Airlines trotz ihres Versprechens rund 560-mal zu spät gelandet und etwa 100-mal zu spät gestartet. Germanwings sei hier mit 173 Verspätungen Spitzenreiter vor Airberlin mit 146 Verspätungen gewesen. Wobei Mosel easyJet mit etwa 60 zu späten Starts Vorsatz zuspricht: „Es ist offensichtlich, dass easyJet in unzulässiger Weise versucht, hierdurch einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den regeltreueren Fluggesellschaften zu erlangen. Gegen dieses Gebaren zu Lasten Dritter muss seitens der Kontrollbehörden rigoros vorgegangen werden.“

Zu viele Verspätungen

Im ersten Quartal 2017 sei die Zahl der verspäteten Starts laut Mosel mit 25 weit über dem Vorjahreswert von zehn. Nur bei den Landungen sei ein Rückgang von 104 auf 83 Verspätungen zu verzeichnen. Auch die reinen Nachtflüge zwischen Mitternacht und 6 Uhr früh seien mit 27 zu 24 weiter ansteigend. Mosel: „Die Pünktlichkeitsoffensive ist in ihrer jetzigen Form gescheitert. Die zeichnenden Fluggesellschaften sind – mit Ausnahme der Deutschen Lufthansa – eindeutig Teil des Problems und nicht Teil der Lösung.“

Weitere Infos: Bürgerinitiative für Fluglärmschutz (BAW)
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