Landhaus Fuhlsbüttel: Denkmalschutz sinnvoll?

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Das Landhaus Fuhlsbüttel steht seit 2016 unter Denkmalschutz. Der Gastronomiebetrieb darf deshalb baulich nicht mehr verändert werden. Foto: Kuchenbecker
 
Noch original: der Terrazoboden im Flur Foto: Kuchenbecker
Hamburg: Brombeerweg 1 |

Der Inhaber Jan-Peter Stephan fühlt sich vom Amt überrumpelt

Von Nicole Kuchenbecker
Langenhorn
„Ich möchte klarstellen, dass der Betrieb in meinem Gasthaus weiterläuft. Ohne Wenn und Aber“, sagt Jan-Peter Stephan (56), Inhaber des Landhauses Fuhlsbüttel. Das prachtvolle Gasthaus war in die Schlagzeilen geraten, da Stephan im Dezember 2016 nach Rücksprache mit seiner Anwältin einen Abriss-Antrag beim Bezirksamt Hamburg Nord einreichte und diesen auf Anraten durch das Bauamt wieder zurückzog (das Wochenblatt berichtete). Doch abreißen lassen wolle er das Haus gar nicht, sondern viel mehr ausloten, was überhaupt noch gehe, so der Eigentümer. Denn erst im September 2016 war das Gebäude überraschend unter Denkmalschutz gestellt worden. Für Stephan unverständlich, denn er wollte das nie. Warum es so kam, kann er nicht nachvollziehen. Seit 1939 ist das Haus in Familienbesitz.

Nur wenig ist noch original

Zahlreiche Schönheitskuren wurden seitdem vorgenommen, nicht viel ist mehr „original“. Lediglich eine kleine Gästetoilette im ersten Stock hat noch einen original Terrazoboden. Ein zweiter Boden ist in einem kleinen Flur zu finden. Doch ein kompletter Riss hat ihn durchzogen. „Flur und Toilette sind zusammen vielleicht drei Quadratmeter groß“, schätzt Stephan. Und das soll nun unter Denkmalschutz stehen.

Es bleibt nur der Klageweg

„Ich bin quasi enteignet worden“, sagt der 56-Jährige. Mit seinem Besitz könne er nicht mehr machen, was er wolle. Jetzt müssen Reparaturen und Änderungen am Gebäude mit dem Denkmalschutzamt abgesprochen und genehmigt werden. Eine Möglichkeit, gegen die Unterdenkmalschutzstellung heute Widerspruch einzulegen, bleibt Stephan nicht. Das erklärten Dietmar Ridder und Dr. Christie Onnen vom Denkmalschutzamt Hamburg den Politikern im Regionalausschuss. Man müsse klagen. Dass Stephan nicht von der Maßnahme des Denkmalschutzamtes begeistert sei, räumte Ridder in seinen Ausführungen ein. Dennoch halte man gerade auch beim Landhaus Fuhlsbüttel daran fest. SPD-Bezirksabgeordnete Martina Schenkewitz wollte es genauer wissen und fragte gezielt nach, warum das Haus unter Denkmalschutz stehen würde. Die in der Präsentation gezeigten alten Innentüren gäbe es auch „überspitzt“ in ihrem Haus, eine ähnliche Treppe auch, so die Politikerin. Eine konkrete Antwort blieben die Denkmal-Spezialisten allerdings schuldig, doch seien weder Türen noch Treppe ausschlaggebend. Vielmehr das Gesamtpaket.

Inhaber sucht das Gespräch

Onnen und Ridder gingen in ihren Ausführungen zudem auf Ordnungswidrigkeiten und Bußgelder ein, sollte ein Denkmal ohne Genehmigung verändert werden. Da können bis zu 500.000 Euro Strafe auf die Besitzer zukommen. Auch Wirtschaftlichkeitsprüfungen und -studien wurden angesprochen. Hier würden auch Zahlen der vergangenen Jahre zugrunde gelegt werden, informierte Ridder. Jan-Peter Stephan gibt nicht auf und sucht weiter das Gespräch mit Politikern und Denkmalschutzamt – bis er für sich eine akzeptable Lösung gefunden hat.

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