Langenhorn wehrt sich gegen Einbrecher

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Ralph Gutthardt und Claudia Kienast sind gut vernetzt in der Siedlung Foto: mdt
 
Bewohner der Langenhorner Fritz-Schumacher-Siedlung passen aufeinander auf. In einer Facebook-Gruppe warnen sie vor Unbekannten Foto: mdt

Bewohner der Fritz-Schumacher-Siedlung schützen sich selbst – mit Erfolg

Von Marco Dittmer
Langenhorn
Immer mehr Menschen fühlen sich in ihren eigenen vier Wänden unsicher. Laut Polizeistatistik stiegen die Wohnungseinbrüche in Langenhorn im vergangenen Jahr um rund 27 Prozent auf 183 Taten an. Vor zwei Wochen berichtete das Wochenblatt von zwei Frauen, die in der Wulffschen Siedlung von mutmaßlichen Einbrechern überrascht und angegriffen worden sind. Die Bewohner der Fritz-Schumacher-Siedlung zeigen, wie man sich selbst und vor allem zusammen effektiv schützen kann. Gerade kam wieder eine Warnung rein. „Merkwürdiger Mann unterwegs! (…) Insgesamt wurde er von vier Personen gesehen. In verschiedenen Gärten. Graue Sweatshirtjacke und Jeans, dunkle kurze Haare. Augen auf!!!“, warnte Katrin Olbertz in einer Nachbarschaftsgruppe auf Facebook ihre Nachbarn in der Fritz-Schumacher-Siedlung. Ein paar Tage später warnt auch Christine Quiel in der Gruppe vor Bettlern in der Siedlung, die unbelebte Wohnungen ausspähen könnten. Solche Warnungen von Nachbarn werden in der Langenhorner Fritz-Schumacher-Siedlung sehr ernst genommen. Auch Claudia Kienast schaut immer wieder auf das Handy und liest aktuelle Beitrage ihrer Nachbarn. Dass in den mehr als 650 Doppelhaushälften bisher verhältnismäßig wenig eingebrochen wurde, führt sie auf die enge Gemeinschaft der Bewohner zurück. „Wir passen aufeinander auf, kennen uns“, sagt die 49-Jährige. Ihr Lebensgefährte Ralph Gutthardt eilte kürzlich zu einer älteren Bewohnerin. Sie rief an, weil ein Mann an der Haustür war und Geld verlangte. „Es stellte sich heraus, dass es ein Vorsitzender unserer Genossenschaft war. Er wollte den Mitgliedsbeitrag abholen, das wird bei uns noch so gemacht. Die Frau kannte ihn aber nicht, weil das normalerweise ein anderer macht“, sagt Gutthardt. Auch wenn am Ende alle lachen konnten, es zeigt, die Nachbarn sind schnell zur Stelle. Thomas Wieben ist als Stadtteilpolizist seit 15 Jahren in dem Gebiet auf Streife. „Der wachsame Nachbar ist beim Thema Einbruch ein großer Vorteil. Einmal passt er auf angrenzende Grundstücke auf. Zudem ruft er auch schneller mal die Polizei“, sagt der 58-jährige Hauptkommissar. Wieben rät Anwohnern generell, bei verdächtigen Personen die Polizei zu rufen. „Lieber zweimal mehr, als zu wenig“, so Wiebe. Die neun Stadtteilpolizisten des Polizeikommissariats 34 klären regelmäßig, auch bei Hausbesuchen, zum Thema Einbruch auf. Das ist auch nötig, „Randgebiete wie Langenhorn mit großen Grundstücken und von der Straße abgewandten Gärten stehen bei Einbrechern weit oben auf der Liste.“ Die Fritz-Schuhmacher-Siedlung, zwischen den U-Bahn-Stationen Langenhorn Markt und Langenhorn Nord, besteht größtenteils aus Doppelhaushälften und einigen Mehrfamilienhäusern. Die ersten Häuser wurden vor fast 100 Jahren gebaut. Damals wurden zwischen den Grundstücken schmale Wirtschaftswege angelegt, die zu den Kohlekellern führten. So gut wie jedes Haus hat einen Garten, der an solch einen Weg angeschlossen ist. Diese Pfade sind heute meist dunkle, schlecht einsehbare Wege. Für Ungebetene ist es so relativ einfach, auf ein Grundstück zu gelangen. Diese Unsicherheit wird für die Bewohner seit Wochen immer greifbarer. „Sieben Transporter wurden im Sommer in wenigen Wochen aufgebrochen. Neuerdings werden auch Fahrräder aus unseren Gärten geklaut“, sagt Claudia Kienast. Ihr Nachbar hat bereits aufgerüstet. Drei Kameras bewachen die Eingänge und den Garten zu seinem Haus. Bei einer Bewegung bekommt er Bilder auf sein Smartphone gesendet. Sollte dieser Fall eintreffen, kann er die Polizei rufen – oder seine Nachbarin.

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