Marmorne Schönheit gibt Rätsel auf

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Im Jahr 1946 von den Bildhauern Karl Tuchardt und O.G. Hermann Perl geschaffen, ist der Grabstein für Marie Groot ein seltener Zeitzeuge der unmittelbaren Nachkriegszeit Foto: jfk
Hamburg: Garten der Frauen |

Ohlsdorfer Friedhof: Neue Gedenksteine im Garten der Frauen zum Vereinsgeburtstag

Von Franz-Josef Krause
Ohlsdorf
Für die einen ist die Skulptur Artemis, die Göttin der Jagd und Hüterin der Frauen und Kinder. Andere sehen in ihr dagegen die idealisierte Marie Groot mit ihrem Dackel Peppi. Während der kleine Hund zu ihren Füßen mit typischem Dackelblick treuherzig fragend zu ihr aufschaut, hält sie Mund und Augen geschlossen. Sie lässt den Betrachter auskunftslos allein. Die marmorne Schönheit hingegen ist, seit sie im Garten der Frauen auf dem Ohlsdorfer Friedhof angekommen ist, keineswegs allein. Um sie herum sind Grabsteine oder Gräber von Frauen, die in Hamburg gewirkt haben. Frauen, die für die Nachwelt Spuren in der Geschichte der Stadt hinterlassen haben.

Geburtstagsfeier am 10. September

Marie Groot hat das nicht. „Wir wissen bisher nur sehr wenig über das Leben der Kunsthändlersfrau, die 1946 mit nur 48 Jahren gestorben ist“, so Dr. Rita Bake, die Vorsitzende des Vereins Garten der Frauen. „Der Grabstein steht hier einerseits als seltener Zeitzeuge der frühen Nachkriegszeit, andererseits auch um symbolisch an die Lebensleistung unzähliger Frauen zu erinnern, denen kaum Wertschätzung zuteil wird.“ Wenn der Verein am Sonntag, 10. September, ab 14 Uhr seinen 16. „Geburtstag“ feiert, dann wird nicht nur der Grabstein von Marie Groot offiziell im wohl schönsten Teil des Friedhofs Ohlsdorf beim Wasserturm an der Cordesallee willkommen geheißen.

Stein für Adele Schwab

Neu sind auch die Steine für Adele Schwab (1907 – 1991), die als Autorin, Diakonisse und Sozialfürsorgerin gearbeitet hat und der Grabstein von Hermine Peine (1881 – 1973) die als Mitbegründerin der AWO, Nazi-Verfolgte, Bürgerschaftsabgeordnete und Leiterin des von Fritz Schumacher errichteten Altersheims Groß Borstel sozialpolitisch Akzente gesetzt hat. Für die musikalische Begleitung sorgt Anne Wiemann mit Musik „aus der Nachbarschaft“. Denn sie spielt Melodien des als Jude von den Nazis verfolgten Operettenkomponisten Paul Abraham, der mit seiner Frau Charlotte Feszelyi nach der Rückkehr aus den USA bis zu seinem Tod 1960 in der Straße Höpen in Langenhorn lebte. Beider Grab ist unweit des Gartens der Frauen zu finden.

Weitere Infos: Verein Garten der Frauen
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