Ohlsdorfer Bahnhof braucht Sanierung

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Die Fassade des Haupteingangs täuscht über die Baumängel im Ostflügel hinweg Foto: Gehm
 
Nurcan Sali, Inhaberin des Blumengeschäfts „Rosenkavalier“ Foto: Gehm
Hamburg: Bahnhof Ohlsdorf |

Vorne hui, hinten pfui: Der Ostflügel ist marode

Von Dagmar Gehm
Ohlsdorf
Morbider Charme auf der einen Seite – gesichtslose null-acht-fuffzehn-Fassade auf der anderen. Kein Gebäude aus einem Guss, sondern immer wieder angeflickt, verändert, aber auch vernachlässigt. Zwischendurch mal übertüncht, dort, wo an der historischen Bausubstanz der Putz abblättert und die Mauern tiefe Risse zeigen. Der Lack ist ab am architektonisch reizvollen Ostflügel des Bahnhofs Hamburg-Ohlsdorf. „Unsere Geschichtswerkstatt e.V. für Hamburg-Nord befand sich gegenüber im alten Eingangsgebäude des Schwimmbads. Als uns im April gekündigt wurde, wollten wir in die leerstehenden Bahnhofsräume ziehen“, sagt Klaus Struck (64), ehrenamtlicher Mitarbeiter der Willi-Bredel Gesellschaft. „Doch die Deutsche Bahn lehnte ab. Inzwischen sind wir in den Ratsmühlendamm umgezogen.“

Verfall droht

Dem historischen Bahnhofsflügel droht der Verfall. „Er muss unbedingt wieder genutzt werden“, so der ehemalige Ingenieur. „Die Feuchtigkeit hat Dach und Wände so stark durchdrungen, dass das Dach nur noch durch Stützen gehalten werden kann. Eine Sanierung ist überfällig.“ Problem: Der alte Teil steht nicht unter Denkmalschutz. Obwohl der Bahnhof 1906 zur Anbindung des Friedhofs an die Hamburg-Altonaer Stadt- und Vorortbahn nach Plänen von Henry Grell im Landhausstil eröffnet wurde. „Das Gebäude entspricht den vorgegebenen Sicherheitsstandards“, sagt Egbert Meyer-Lovis, Pressesprecher Deutsche Bahn. „Sie sind Voraussetzung für einen ungehinderten Zugang zum Bahnhof und zu den Bahnsteigen. Es ist lediglich der linke Flügel in keinem besonders guten Zustand. Dieser hat jedoch keinerlei Relevanz für Kunden, beziehungsweise Bahnbetrieb.“

Stützpfeiler, Müll und Moder

Ein Bahnhof, der als wichtiger Knotenpunkt von U1, S1 und S11 dient, seit 2008 per S1 mit Direktanschluss zum Flughafen. Im Schnitt von rund 27.700 Fahrgästen täglich wird er laut HVV von montags bis freitags frequentiert. Was sich hinter den geschwärzten Fensterscheiben im Seitenflügel verbirgt, sehen sie nicht: Stützpfeiler, Müll und Moder. Sechs Toiletten sollen sich in dem 52 Quadratmeter großen Bereich befunden haben, daneben ein Abstellraum. „Die dortige WC-Anlage wurde mehrmals durch Vandalismus beschädigt“, so der Bahnsprecher. „Jetzt steht den Fahrgästen auf der gegenüberliegenden Seite ein WC zur Verfügung.“ 50 Cent kostet die Benutzung. Zu viel für manchen Kioskbesucher, der sein Bier lieber an der Bahnhofsmauer wieder entsorgt.
„Die seit mehr als zehn Jahren gesperrten Räume müssen neuer Nutzung zugeführt werden“, meint Klaus Struck: „Ein Abriss würde das historische Bild vollends zerstören.“

Interessenten für die Nutzung

Interessenten für die Nutzung gibt es bereits. Nurcan Sali, die im Haupteingang ein Blumengeschäft betreibt, möchte den Seitenflügel samt Garten und Dachterrasse gern in eine Café-Bar verwandeln, auch mit sozialer Nutzung etwa für Jugendliche und Sportler der Alsterdorfer Sporthalle. „Sponsoren gäbe es genug“, so Sali. Doch die Bahn hält dagegen: „Es erfolgen ständig Prüfungen, so wird die Verkehrssicherheit gewährleistet. Wir sehen keinen zwingenden Handlungsbedarf. Aus diesen Gründen können wir logischerweise keine Vermietung vornehmen.“
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1 Kommentar
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Matthias Kleinert aus Barmbek | 07.09.2017 | 13:42  
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