Schule trifft Politik

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Natalia aus Barnaul, der Hauptstadt der russischen Region Altai im Süden Westsibiriens erläutert ihre Gedanken zur Steuerpolitik
 
20 auf einen Streich: Aus der globalen Welt über Langenhorn in die große Politik. Die Teilnehmer des Projektes „Global Classrooms“ der Joachim Herz Stiftung

Global Classroom – Schüler setzen sich mit G20 auseinander

Von Franz-Josef Krause

Langenhorn Überwiegend junge Menschen haben in der vergangenen Woche friedlich, aber auch gewaltsam gegen das Treffen der Lenker der G20-Staaten in Hamburg demonstriert. Während den „Vereinten Nationen“ fast 200 Staaten angehören, ist die Mitgliederzahl der Gruppe der Zwanzig deutlich kleiner.

Zu ihr gehören neben der EU die Länder Argentinien, Australien, Brasilien, China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Indien, Indonesien, Italien, Japan, Kanada, Mexiko, Russland, Saudi Arabien, Südafrika, Südkorea, Türkei und die USA. Obwohl die Beschlüsse formal keine rechtliche Verbindlichkeit haben, sind sie dennoch von außerordentlicher politischer Bedeutung. Die führenden Industrie- und Schwellenländer stimmen sich in diesem Rahmen vor allem über wirtschaftspolitische Maßnahmen ab.
Den G20-Staaten wird vorgeworfen, bestehende soziale Ungleichgewichte weiter zu festigen. Globalisierung als weltweites Feindbild des 21. Jahrhunderts ist ein weit verbreitetes Phänomen.

700 Schulen aus 19 Ländern

Die in Langenhorn ansässige Joachim Herz-Stiftung hat im Vorfeld des Treffens junge Menschen aus aller Welt dazu aufgerufen, sich zu sechs Kernthemen des Treffens Gedanken zu machen. Es geht um Themen wie „Wie lässt sich die Widerstandskraft der G20-Ökonomien stärken?“, „Wie kann eine faire Steuerpolitik aussehen?“ oder „Wie lassen sich die Chancen der Digitalisierung für Volkswirtschaften nutzen und wie lassen sich zugleich ihre Risiken abschwächen?“ 700 Schulen aus 19 Ländern beteiligten sich daran.

Zu einem „Jugendgipfel“ nach Hamburg eingeladen wurden aufgrund der besonders herausragenden Leistungen ihrer Schule 20 Schülerinnen und Schüler aus 13 Ländern. Am Mittwoch der vergangenen Woche in Hamburg eingetroffen, hatten sie nur wenig mehr Zeit als die Spitzenpolitiker, einander und Hamburg kennenzulernen.
Die Schüler erarbeiteten mit Julia Wenkowitsch, Projektmanagerin der Herz Stiftung, die Themen und verschafften sich einen ersten Eindruck von Hamburg. Ziel war es, Wolfgang Schäuble, dem Bundesfinanzminister, drei Überlegungsblöcke zu den Themen Digitalisierung, Steuern und globalen Herausforderungen vorzutragen.

Hilfestellung dazu kam von Camillo von Müller, Absolvent des Johanneums und nun Referent in Schäubles Ministerium. „Ich hoffe und wünsche“, so der im Umgang mit den jungen Leuten völlig lockere Müller, „dass die Teilnehmer des ‚Global Classrooms‘ dieses Treffen dazu nutzen, ihrerseits ein globales persönliches Netzwerk aufzubauen und weiter zu pflegen!“ Dem dürfte, trotz der dramatischen Geschehnisse, nichts im Wege stehen, auch wenn die gewaltsamen Demonstrationen es nicht möglich machten, den Minister zu treffen. Statt des Finanzministers trafen die jungen Leute auf den G20-Deputy im Bundesfinanzministerium, Dr. Ludger Schuknecht. Er sprach mit den Teilnehmern des G20 Global Classroom über Themen wie Digitalisierung, Migration oder Ressourcenknappheit.

Trotz der heftigen Unruhen am Donnerstag, Freitag und Sonnabend behielten die Schüler Hamburg in guter Erinnerung. Die Stadt zeigte sich bei Kaiserwetter, besonders Hafen und Alster hatten es den Besuchern angetan. Gewonnen haben die vielen Fahrräder in der Stadt. Natalka aus Toronto, ganz sportlich in abgeschnittenen Jeans unterwegs, war begeistert „Schade, dass es bei uns kaum Fahrräder im Stadtbild gibt – da können wir von Hamburg lernen!“
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