Fehlverhalten im Gesundheitswesen: Antikorruptionsteam der BKK VBU ging über 500 Hinweisen nach

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(Hamburg, 8. April 2016) Rezeptfälschungen, „Luftleistungen“, die zwar abgerechnet, aber nie erbracht wurden sowie manipulierte Rechnungen machen den Großteil der Fälle aus, denen das Antikorruptionsteam der Betriebskrankenkasse Verkehrsbau Union (BKK VBU) nachgeht. Der Zweijahresbericht für 2014 und 2015 zur Bekämpfung von Fehlverhalten im Gesundheitswesen wurde jetzt dem Verwaltungsrat der Krankenkasse vorgestellt

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Das Antikorruptionsteam der BKK VBU ist seit 2004 im Einsatz. Allein in den letzten zwei Jahren gingen über 500 Hinweise auf fehlerhaftes Verhalten zulasten der Versichertengemeinschaft ein. Sie betrafen vor allem Leistungserbringer wie Ärzte, Apotheken, Physiotherapeuten oder Pflegedienste, aber auch Versicherte. „Uns weisen sowohl Kollegen als auch Mitarbeiter anderer Krankenkassen oder die Polizei auf Ungereimtheiten hin“, erklärte Sinjo Bärwald, Beauftragte zur Bekämpfung von Fehlverhalten im Gesundheitswesen bei der BKK VBU. Oft komme den Krankenkassen-Ermittlern auch Kommissar Zufall zur Hilfe: Es sei schließlich eher unwahrscheinlich, dass die BKK VBU die Kosten für Physiotherapie im Hausbesuch übernehmen muss, obwohl der Versicherte im gleichen Zeitraum wegen einer stationären Behandlung im Krankenhaus doch gar nicht zuhause gewesen ist.


191 Verfahren


Bestätigt sich ein Hinweis als Betrugsfall, wird Strafanzeige erstattet und ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Im Berichtszeitraum wurden 191 Ermittlungs- bzw. Strafverfahren geführt, die anderen Hinweise befinden sich teilweise noch in der Bearbeitung oder wurden wegen Geringfügigkeit oder mangels hinreichenden Tatverdachts eingestellt. „Es gibt natürlich auch einfache Abrechnungsfehler oder Missverständnisse“, so Sinjo Bärwald, „die sich im Nachhinein schnell aufklären lassen“.

Zu den Fällen, die sich als Betrug herausstellten, gehört beispielsweise die Masche eines Pflegedienstes. Der Dienst manipulierte nicht nur die Pflegebedürftigen dahingehend, wie sie eine Pflegestufe erhalten, sondern er rechnete auch nie erbrachte Pflegeleistungen ab und fiel zudem durch Urkundenfälschung auf: Die meisten Mitarbeiter hatten nie eine Ausbildung zur Pflegefachkraft absolviert. Ein zweites Beispiel betrifft einen Mann, der bereits mehrfach wegen eines Betrugsmodells verurteilt worden war. Dies hielt ihn jedoch nicht davon ab, nach der ersten Verurteilung wieder im großem Stil Hilfsmittel wie Einlagen, Bandagen und orthopädische Schuhanpassungen unter anderem mit der BKK VBU abzurechnen, die nie ein Versicherter erhielt.

690.000 Euro Schaden


Insgesamt entstand der BKK VBU durch die betrügerischen Manipulationen zwischen 1. Januar 2014 und 31. Dezember 2015 ein finanzieller Schaden von rund 690.000 Euro. „Davon konnten bislang ca. 250.000 Euro zurückgeholt werden“, berichtete die Antikorruptionsbeauftragte. „Auch wenn die allermeisten Dienstleister im Gesundheitswesen ordnungsgemäß abrechnen und die große Mehrzahl unserer Kunden unsere Hilfe nur in einer tatsächlichen Behandlungssituation einfordert, ist die Arbeit des Antikorruptionsteams enorm wichtig, denn sie wirkt präventiv “, betonte Andrea Galle, Vorständin der BKK VBU.
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