„Buchstabensalat“ in der Hamburger Kunsthalle

Wann? 26.07.2017 bis 29.10.2017

Wo? Glockengießerwall 5, Glockengießerwall 5, 20095 Hamburg DE
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Michael Bauchs „Buchstabenzirkus“ rückt das Thema ins Dreidimensionale Foto: fbt
 
Philippe Vandenbergs Auswahl von 88 Zeichnungen aus den Jahren 2005-2008 wird in dieser Form zum ersten Mal gezeigt Foto: fbt
Hamburg: Glockengießerwall 5 |

22 Künstler spüren in der Ausstellung „Arts and Alphabet“ dem Wechselverhältnis von Bild und Schrift nach

Von Frank Berno Timm
Hamburg-City
Wenn der Hamburger Sommer sich eher von seiner grauen Seite zeigt, ist ein Besuch in der Hamburger Kunsthalle immer eine gute Alternative. Zumal dann, wenn die neue Ausstellung „Arts and Alphabet“ auf dem Programm steht. Die neue Schau ist bis zum 29. Oktober in den beiden oberen Stockwerken der „Galerie der Gegenwart“ zu sehen.

„Tree-Alphabet“

Katie Holten kommt aus Irland und lebt in New York. Die Künstlerin hat eine mittelalterliche Tradition ihrer Heimat wieder aufgegriffen: das Ogham-Alphabet. Ihr „Tree-Alphabet“ zeigt für 26 Buchstaben Bäume: verwachsen, stattlich, mit ausgedünnter Krone, buschig. Der Hamburger Künstler Harald Stoffers macht die Briefe an seine Mutter zur Kunst: Auf manchmal wilden Linien tanzen die Lettern quer über das Papier. Der belgische Künstler Philippe Vandenberg (1952-2009) ist mit einer erstmals in dieser Form gezeigten Auswahl von 88 Arbeiten vertreten: Auch diese grafischen Arbeiten machen das „vielschichtige Wechselverhältnis von Schrift und Bild“ – so wird „Arts and Alphabet“ von der Kunsthalle umschrieben – zum Thema.

Sehenswertes Panorama

Kuratorin Brigitte Kölle hat einen Kosmos geschaffen, der in seiner Vielfältigkeit überaus beeindruckend ist. Nicht nur grafische Arbeiten, auch Ton- und Videoinstallationen werden gezeigt. Es geht um Sprache, Schriftlichkeit, vielleicht gar Verständnis – das Gewohnte wird durchbrochen, umgestaltet und mit eigenen Traditionen verknüpft. Zugleich sind die Arbeiten von 22 Künstlerinnen und Künstlern aus 15 Ländern ein sehenswertes Panorama davon, wie vielfältig und bunt Kunst heute sein kann – die überwiegende Mehrheit der Arbeiten ist in den letzten  zehn Jahren entstanden, einige sogar für diese Ausstellung. Ignacio Uriarte (Spanien/Berlin) kam zur Pressevorbesichtigung in der vergangenen Woche. Er hat den Künstler Blixa Bargeld 30 Minuten Buchstaben der mittleren Tastatur-Reihe eines PC oder Laptops rezitieren lassen, die mit „A“ beginnt und „Ö“ endet. Eindrücklich beschrieb Uriarte seine Beobachtung, dass heutige Personalcomputer die Gestalt der ursprünglichen Schreibmaschinen aufgenommen hätten und so ihren Schrecken verlören. 

Braille- und die Gebärdensprache einbinden

Spannend auch der Umgang von Friederike Feldmann mit dem Thema: Sie hat nicht nur das große Banner auf der Außenhaut der Kunsthalle gestaltet, sondern auch einen ganzen Raum mit Schriftzügen gefüllt. Kuratorin Brigitte Kölle betonte, es gehe um eine „Kunst, die alle Sinne anspricht“. Die Kunsthalle nutzt die jetzt eröffnete Ausstellung, um auch in Sachen Inklusion einen Schritt vorwärts zu gehen: Wybke Wiechell, Leiterin für Bildung und Vermittlung, sagte, zukünftig wolle man die Braille- und die Gebärdensprache einbeziehen, zudem soll es im Netz einen neuen Reiter mit barrierefrei zugänglichen Infos geben. Auch Begleittexte sollen in Großschrift und gesprochen zur Verfügung stehen. 

„Arts and Alphabet“: bis 29. Oktober, Hamburger Kunsthalle, Glockengießerwall 5, geöffnet Di.-So. 10-18; Do. 10-21 Uhr, Montag geschlossen. Weitere Infos: Hamburger Kunsthalle
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