15.000 Unterschriften für Nachtflugverbot

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Die Fluglärmgegner sind mit Plakaten zur Übergabe der 15.000 Unterschriften gekommen Foto: ho 
 
Rainer Köncke, Vorsitzender „FSH – Fluglärmschutz Hamburg“ Foto: ho
Hamburg: Rathausmarkt |

Endlich wieder ruhig schlafen können: Fluglärm-Gegner fordern striktes Nachtflugverbot am Hamburg Airport

Holger Hollmann
Hamburg
Kommt jetzt Bewegung in die Forderung nach einem strengen Nachtflugverbot am Hamburger Flughafen? Zumindest muss sich demnächst die Bürgerschaft ernsthaft mit der Forderung verschiedener Fluglärmschutz-Initiativen auseinandersetzen (das Wochenblatt berichtete). Grund dafür sind rund 15.000 Unterschriften, die der BUND gemeinsam mit den Fluglärm-Gegnern in den vergangenen Monaten für eine Volkspetition gesammelt hat. 10.000 Unterschriften hätten ausgereicht, um dieses politische Verfahren von Bürgerseite aus anzustoßen.

Bisherige Maßnahmen erfolglos

In fünf Aktenordnern wurden die unzähligen Listen vergangenen Dienstag Bürgerschaftsvertretern vor dem Rathaus überreicht. Diese Listen werden nun überprüft und ausgezählt, dann müssen sich die Politiker im Umweltausschuss die Forderungen des BUND anhören und darüber beraten und beschließen. „Das Petitionsverfahren erhöht den politischen Druck“, sagte Manfred Braasch, Geschäftsführer des BUND Hamburg. „Die Belastung durch Fluglärm nimmt stetig zu und alle bisherigen Gegenmaßnahmen bringen keine Verbesserung. 2016 war das lauteste Jahr seit 15 Jahren. Das muss sich ändern und 15.000 Unterschriften sind dafür genug. Unsere klare Forderung ist, dass nachts Ruhe ist.“

100.000 Menschen im Lärmbereich

Die Fluglärm-Gegner fordern werktags ein striktes Nachtflugverbot zwischen 22 und 6 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen bis 8 Uhr morgens. Heute darf von 6 bis 23 Uhr gestartet und gelandet werden und mit Ausnahme sogar noch danach bis Mitternacht. Die Zahl der Landungen nach 23 Uhr ist seit 2011 Jahr für Jahr gestiegen. „2017 sind es bisher auch schon wieder deutlich mehr Landungen als im Vorjahr“, so Braasch, der davon ausgeht, dass bis zu 100.000 Anwohner im Einflussbereich des Flughafens unter dem Lärm leiden. Sein Argument: Da diese Menschen bereits tagsüber die Belastung haben, müsse wenigstens nachts konsequent Ruhe herrschen. „Ein Ende der steigenden Landungszahlen ist nicht absehbar. Jede Ausnahmelandung nach 23 Uhr muss zwar von den Lotsen genehmigt werden, aber diese Ausnahmen sind mittlerweile die Regel. Die Belastung hat deutlich zugenommen“, kritisierte auch Rainer Köncke aus Alsterdorf. Der Vorsitzende der Initiative „FSH – Fluglärmschutz Hamburg“ hat die landenden Maschinen nur rund 150 Meter über seinem Wohnhaus. „Wenn man dann bedenkt, dass die Passagierzahlen weiter gesteigert werden sollen, ist das beängstigend für alle Anwohner in Flughafennähe.“

SPD-Fraktionschef Dressel reagiert zurückhaltend

Ob sich die Regierungsparteien SPD und Grüne der Forderung nach einem strikten Nachtflugverbot anschließen werden, ist unsicher. Zwar nahmen SPD-Fraktionschef Andreas Dressel und Grünen-Fraktionschef Anjes Tjarks die Ordner entgegen und äußerten Verständnis: „Wir hatten einen Rekordsommer, was die Verspätungen angeht. Die Situation kann so nicht bleiben“, sagte Dressel, und auch Tjarks bestätigte: „Die Verspätungssituation wird seit Jahren nicht besser, sondern schlechter. Das ist nicht akzeptabel.“ Doch Dressel zeigte sich zurückhaltend, was ein strengeres zeitliches Korsett für den Airport Hamburg angeht, an dem die Stadt Hamburg mehrheitlich beteiligt ist. „Wir sollten zuerst dafür sorgen, dass die bestehenden Regeln eingehalten und umgesetzt werden“, sagte er. Manfred Braasch und seine Mitstreiter wollen dagegen weiter Druck machen, sollte die Petition ohne Folgen bleiben.

Weitere Infos: FSH – Fluglärmschutz Hamburg und BUND Hamburg und Bürgerinitiative für Fluglärmschutz (BAW)

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1 Kommentar
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Elke Noack aus Rahlstedt | 03.10.2017 | 15:49  
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