Der Protest geht weiter

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Jürgen Wohlers hat mit seiner Buchhandlung in der Langen Reihe kein Vermögen gemacht und kann auch keine dreifache Miete aufbringen. „Das ganze Leben kann sich doch nicht nur um´s Geld drehen“, meint er und hofft bis heute auf ein Einlenken des Vermieters. Foto: kg

Ein Stadtteil hält zusammen

Von Karen Grell
St. Georg. Schon wieder fand auf dem Hansaplatz eine Lesung in Sachen Wohlers statt. Die Solidarität für die zum Ende des Jahres gekündigte Buchhandlung, scheint im Bahnhofsviertel unendlich zu sein. „Die Leute halten hier noch zusammen“, freut sich auch Michael Joho vom Einwohnerverein, der die Lesungen organisiert hat. „Ich bin überwältigt von so viel Unterstützung“, so Jürgen Wohlers von der Buchhandlung in der Langen Reihe, die als Familieninstitution hier Geschichte geschrieben hat. Ein Laden mit mindestens 10.000 Büchern vor Ort und der Möglichkeit jedes andere zu bestellen, mag noch nicht das Besondere an dem Geschäft sein, ein Laden, in dem es aber sowohl Neuerscheinungen als auch antiquarische Bücher gibt und wo noch jedes Buch auf Wunsch in goldenes Papier verpackt wird, das gibt es vielleicht nur noch bei Wohlers. „Wohlers bleibt“, das fordern die vielen Aufkleber, die im Stadtteil zu finden sind, und davon sind auch die meisten St. Georger überzeugt. Wenn Wohlers zum Ende des Jahres tatsächlich gehen muss, dann ist der Kampf um den Erhalt der Langen Reihe wohl endgültig verloren“, betont auch der Einwohnerverein, der noch viele weitere Aktionen plant. Von 1.400 auf 4.200 Euro Preiserhöhung. Was wie ein Zahlendreher klingt, das wurde für Jürgen Wohlers über Nacht zur bitteren Wahrheit. 20 Prozent mehr Miete, bot der Geschäftsinhaber spontan an, als die Erhöhungen anstanden, eine Verdreifachung der Miete könne er sich bei bestem Willen einfach nicht leisten. Vermieter Frank Jendrusch hat sich bisher wenig kooperativ gezeigt und führt bereits Besichtigungen im Laden durch. „Wir geben nicht auf“, da ist sich auch das Team der Buchhandlung sicher. „Wie es ansonsten im nächsten Jahr weitergehen soll, das kann sich Jürgen Wohlers überhaupt nicht vorstellen“. Er könne doch nicht einfach aufhören und für die Rente sei er auch noch viel zu jung. Das Glück, einen neuen Laden angeboten zu bekommen, wie das Kräuterhaus, das gleich neben Wohlers schließen musste, das ist leider bei ihm noch nicht vorbeigekommen. Somit bleibt die Hoffnung und das Motto, das zugleich Jürgen Wohlers Lebensphilosophie ist: „Es kann sich doch nicht alles immer nur um´ s Geld drehen“. (kg)
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