Die visionären Zwillinge aus Hamburg

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Beliebt bei Hamburgern und Touristen: Der Dammtor-Bahnhof in Mini Foto: Miniatur Wunderland
 
Beim Talk „Knut Terjung trifft…“ in St. Nikolai berichten Gerrit und Frederik Braun Erstaunliches vom Miniatur Wunderland Foto: Gehm
Hamburg: Kehrwieder 2-4 |

Pläne der „Miniatur Wunderland“-Brüder: Trotz Brexit – Brücke verbindet mit England und Schottland

Von Dagmar Gehm
HafenCity/Rotherbaum
Zusammen werden Frederik und Gerrit Braun im Dezember 100 Jahre alt. Sie sind ein eingespieltes Team, immer wieder werfen sie sich gegenseitig die Bälle zu. In der Nikolai-Kirche beim Talk „Knut Terjung trifft…“ genauso wie bei ihrem gemeinsamen Masterpiece, dem Miniatur Wunderland Hamburg. Weltattraktion, Superlative, Rekorde. Größte Modelleisenbahn der Welt in der Speicherstadt. Bei ausländischen Besuchern steht laut einer Umfrage der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT) das Miniatur Wunderland noch vor Schloss Neuschwanstein, dem Kölner Dom oder der Altstadt von Heidelberg auf der Wunschliste deutscher Sehenswürdigkeiten.

Fleet wird zum Ärmelkanal


„Weibliche Besucher sind ebenso begeistert wie die männlichen“, sagen die Zwillinge. Weil es sich nicht um eine Modelleisenbahn im Großformat handelt sondern um eine Welt in klein, durch die zufällig ziemlich viele Züge fahren. Und während England „in echt“ per Brexit von Europa abrückt, dockt es im Miniatur Wunderland ganz dicht an. Aus Platzmangel im alten Gebäude soll 2018 eine Brücke über den Kehrwiederfleet in den Speicherblock L führen – direkt nach England und Schottland. Das Fleet mutiert dann zum Ärmelkanal. Kein Problem für die Braun-Brüder und ihr Team, schließlich haben sie schon das Matterhorn über zwei Stockwerke errichtet, den Hamburger Flughafen als Knuffingen Airport ziemlich authentisch hingekriegt und ganze Kontinente sowieso.

Bundesverdienstkreuz für ihr soziales Engagement


Nur die Vorwürfe auf „Social media“, Flüchtlingen Einlass zum Nulltarif zu gewähren, perlen nicht ganz an ihnen ab, obwohl über 45.000 Zustimmungen auf Facebook ihnen Recht geben (das Wochenblatt berichtete). Das Bundesverdienstkreuz für ihr soziales Engagement haben sie sowieso schon 2010 erhalten. Da hatten sie sich noch nicht mal stark dafür gemacht, bei Unfällen eine Rettungsgasse frei zu halten. Lieber sprechen sie über den Fortschritt ihrer Wunderwelt in der Speicherstadt. Wo das Leben in seiner ganzen Fülle dargestellt wird, wo Diebstahl und Unfälle passieren, Peterwagen mit Blaulicht durch die Straßen heizen, wo es erotische Szenen gibt und einen Straßenstrich. „Das Wunderland wächst jeden Tag, inzwischen haben wir schon 230.000 Liliputaner“. Für die Zahlen ist Gerrit zuständig. Er weiß genau, dass über tausend Züge mit einer Gesamtlänge von 15,4 Kilometer durch die Anlage rattern und Kabel in einer Länge von Hamburg nach Afrika verlegt wurden.

Filialbankleiter von Idee begeistert


Auf der Helene Lange Schule glänzten sie eher mit außerschulischen Leistungen. Später gaben sie Partys in der eigenen Disco, bis Frederik die Erleuchtung hatte: „Wir bauen die größte Modelleisenbahn der Welt.“ Mit einem handgeschriebenen Business-Plan auf zwei DIN-A4-Seiten leisteten sie ihrer Bank Überzeugungsarbeit, ihnen zwei Millionen Mark vorzustrecken. Damals konnte niemand damit rechnen, dass sie im Dezember 2016 den 15. Millionen Besucher begrüßen würden. „Der Filialleiter war sofort Feuer und Flamme“, erinnert sich Gerrit. „Feuer und Flamme“ – so lautete zwar auch das Motto für die Olympischen Spiele in Hamburg, doch da hatten sie Pech, trotz ihres Engagements mit 20.000 Fackeln rund um die Binnenalster und den Guinness Weltrekord bei der Aufstellung der olympischen Ringe im Stadtpark. Aber wie immer blicken sie nach vorn.

Zwei Hauptattraktionen in der Speicherstadt


Als die visionären Zwillinge 2001 das Miniatur Wunderland in der Speicherstadt eröffneten, „befand sie sich noch im Dornröschenschlaf“. Erst 2002 fiel die Zollgrenze. Jetzt ist es die Hauptattraktion. Dass sie das Attribut inzwischen mit der Elbphilharmonie teilen müssen, können die Zwillinge locker wegstecken. En miniature steht sie ohnehin schon seit 2013 im Wunderland. Wie immer waren Gerrit und Frederik Braun ihrer Zeit mal wieder weit voraus.

Weitere Infos: Miniatur Wunderland, Miniatur Wunderland Facebook
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