Hamburg: Ausstellung zur NS-Vergangenheit

Wann? 09.02.2017

Wo? Rathausmarkt 2, Rathausmarkt 2, 20095 Hamburg DE
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Britische Soldaten vor dem Curiohaus 1946 Foto: Gedenkstätte KZ Neuengamme
Hamburg: Rathausmarkt 2 | Curiohausprozesse sind Thema der Ausstellung im Rathaus

Von Christian Hanke
Hamburg-Altstadt
504 Angeklagte mussten sich 1945 bis 1948 in 188 britischen Militärgerichtsverfahren für ihre Taten während der NS-Zeit verantworten. Alle Prozesse fanden im Curiohaus in der Rothenbaumchaussee statt. Bis zum 12. Februar wird in der Rathausdiele in einer Ausstellung der KZ Gedenkstätte Neuengamme über diese Curiohausprozesse informiert, die erstmalig im Zusammenhang dargestellt werden. Am Donnerstag, 9. Februar, um 20 Uhr ist außerdem die szenische Lesung „Zyklon B“ von Michael Batz zu einem der Prozesse, gegen drei Führungskräfte der Hamburger Firma Tesch & Stabenow, die Zyklon B für die Vergasungsaktionen der Nazis zur Verfügung stellten, im Bucerius Kunst Forum, Rathausmarkt 2, zu sehen. Es ist der einzige Prozess, in dem zwei Unternehmer als NS-Täter zum Tode verurteilt und hingerichtet wurden. Anlässlich der 70-jährigen Wiederkehr des Prozesses gegen die Verantwortlichen des KZ Neuengamme im letzten Jahr haben sich vier Mitarbeiter der KZ-Gedenkstätte mit allen Prozessen beschäftigt und eine Gesamtschau erarbeitet, die nun im Rathaus zu sehen ist. Bekannt war bislang vor allem der Prozess gegen das Führungspersonal und einige Wachleute des Konzentrationslagers Neuengamme. Doch auch gegen das Personal der Außenlager des KZ Neuengamme und gegen NS-Täter des KZ Ravensbrück, die sich nach Norddeutschland abgesetzt hatten, gegen Personal anderer NS-Einrichtungen in Norddeutschland, in denen Menschen festgehalten wurden, ist im Curiohaus ermittelt worden. Auch Morde an alliierten Fliegern und Seeleuten, an Kriegsgefangenen sowie an Zwangsarbeitern kamen hier vor Gericht. Die Briten ermittelten mit Hilfe von befreiten Häftlingen gründlich und fällten harte Urteile. „Ich habe großen Respekt vor den britischen Ermittlungen“, kommentiert die Kuratorin der Ausstellung, Alyn Beßmann. Insgesamt fällten die britischen Richter 102 Todesurteile, von denen nur 19 nicht vollstreckt wurden, und 267 Haftstrafen. 118 Angeklagte wurden freigesprochen. In 20 Fällen erging kein Urteil, weil das Verfahren eingestellt wurde oder der Ausgang unbekannt ist. In Schautafeln mit vielen Fotos gibt die Ausstellung diesen Überblick, greift einige Prozesse beispielhaft heraus. Ebenso werden Hintergründe und Enstehung der Prozesse sowie die Reaktionen auf die Verfahren beleuchtet. Erschreckend, aber typisch für die Zeit: Die deutsche Öffentlichkeit nahm von den Prozessen wenig Notiz, setzte sich aber nach Gründung der Bundesrepublik teilweise vehement für die Begnadigung von NS-Tätern ein.

Szenische Lesung „Zyklon B“: Donnerstag, 9. Februar, Bucerius Kunst Forum, Rathausmarkt 2. Weitere Infos: Bucerius Kunst Forum
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