Hamburger Bünabe mit Herz und Seele

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Holger Kuhrau ist als Bünabe in seinem Element Foto: to
 
Holger Kuhrau im Innenhof des Rathauses Foto: to
Hamburg: Rathaus |

Holger Kuhrau ist als einer von 244 Bürgernahen Beamten rund um das Rathaus im Einsatz

Von Thomas Oldach
Hamburg-Neustadt
Die junge Frau kommt ganz selbstverständlich auf ihn zu: „Wissen Sie, wie ich zur Rathauspassage finde?“ Klar weiß Holger Kuhrau das – und erklärt ihr den Weg. Denn der Oberkommissar kennt sich aus in seinem Revier. Ist der doch der „Dorf-Sheriff“ rund um das Hamburger Rathaus. Kuhrau ist Bünabe mit Herz und Seele. Ein echter „Freund und Helfer“, der seinen Beruf liebt. Der 56-Jährige zählt zu den insgesamt 244 Bürgernahen Beamten (Bünabe) der Hamburger Polizei, allein elf davon sind am Polizeikommissariat (PK) 14 mit Sitz an der Caffamacherreihe stationiert. Rund acht Kilometer legt Kuhrau pro Tag im Durchschnitt zu Fuß zurück, die Außengrenzen des PK 14 betragen etwa zehn Kilometer.

Polizist „zum Anfassen“


An diesem Morgen ist es „frisch“ in Hamburg. Auf dem Thermometer stehen minus
3 Grad. Doch Holger Kuhrau ist guter Dinge. „Lange Unterhose und dicke Socken schützen gegen die Kälte“, sagt er. „Und abends einen heißen Ingwer-Tee.“ Dass helfe gegen Erkältungen. Die Bewegung an der frischen Luft tue ihr Übriges, eine Grippeschutzimpfung braucht er da nicht. Kuhrau ist ein Polizist „zum Anfassen“. Das spürt auch ein Tourist aus England, der nicht weiß, wie er die Handelskammer finden kann. „Auch in solchen Fällen komme ich mit meinem Englisch aus Schulzeiten gut zurecht“, sagt der Oberkommissar.

Polizist seit 1978


Bünabe kann nicht jeder Polizist. Aber Kuhrau kann’s – sogar besser: Er lebt seinen Job. „Bei echtem Hamburger Schietwetter kommen einem schon einmal Zweifel, aber wenn man morgens die ersten Sonnenstrahlen auf der Alster sieht, einen Menschen offen und freundlich ansprechen, dann weiß man, dass man einen der besten Jobs in Hamburg hat“, sagt der Mann aus Schenefeld. Im Oktober 1978 trat Kuhrau, der in Cuxhaven aufgewachsen ist, in den Hamburger Polizeidienst ein. Nach Ausbildung, Fußstreifen- und Bereitschaftsdienst, war er ab 1985 jahrelang als „Solist“ unterwegs im Bereich BFK (Besonderer Funkstreifendienst Kleinkriminalität). Heißt: allein im Einsatz und Tatortarbeit erledigen.

Bünabe seit 2001


Seit 2001 ist er als Bünabe unterwegs – normalerweise im Zeitrahmen von 7.30 bis 19 Uhr. „Aber wenn es außergewöhnliche Ereignisse gibt, wie etwa das Matthiae-Mahl im Rathaus, dann geht der Dienst auch mal bis in die Nacht hinein“, sagt Kuhrau. Und so wird es am Freitag, 17. Februar, wohl wieder etwas später werden, wenn beim Festmahl auf Einladung des Senats diesmal unter anderem Kanadas Regierungschef Justin Trudeau und Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) dabei sind. In Sachen Sicherheitsvorkehrungen nach dem OSZE-Gipfel im Dezember allerdings nur eine weitere „Vorbereitungsrunde“ auf den G20-Gipfel am 7. und 8. Juli mit der Teilnahme des neuen US-Präsidenten Donald Trump (das Wochenblatt berichtete). Bereits vor dessen Amtsantritt war damit gerechnet worden, dass zu dem umstrittenen Treffen bis zu 100.000 Gegendemonstranten kommen. Diese Zahl dürfte seit Trumps ersten Entscheidungen nun noch steigen.

G20-Treffen schaffen wir


Kuhrau sieht dem gelassen entgegen: „Alle Polizeikräfte haben rund um den OSZE-Gipfel einen guten Job und damit auch Werbung für die Sicherheit in Hamburg geleistet. Das G20-Treffen wird sicherlich eine Herausforderung. Aber auch das werden wir schaffen“, sagt der seit 30 Jahren verheiratete („mit ein- und derselben Frau“) Vater einer 29-jährigen Tochter, den aufgrund seiner jahrelangen Erfahrung so schnell nichts aus der Ruhe bringt. Er schätzt zwar die aktuell verschärfte Gesetzgebung in Sachen Übergriffe auf Polizisten und Rettungskräfte, sagt aber auch: „Verbale Attacken nehmen sicherlich zu, aber körperlich bin ich noch nie angegriffen worden. Ich habe es immer geschafft beruhigend auf die Leute einwirken zu können“, sagt der Beamte.

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