Käpt’n auf XXL-Schiffen sein

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Der Blick auf Hamburg von der Brückeder „Tokyo Express“ Foto: mdt
 
Wochenblatt-Redakteur Marco Dittmer testet den neuen Simulator des Museums Foto: mdt
Hamburg: Koreastraße 1 |

Nautik-Fans können im Internationalen Maritimen Museum in der HafenCity das Steuer übernehmen – ein Riesenspaß

Von Marco Dittmer
Hamburg
So oder so ähnlich habe ich mir das als Kind vorgestellt. Als echter Kapitän ein großes Containerschiff über die Elbe schippern. Wie auf einer selbstfahrenden Leinwand schieben sich links und rechts von mir der Elbstrand un d das Airbus-Gelände vorbei. Michel und die Landungsbrücken voraus passiere ich die Aida, die am Kreuzfahrtterminal in Altona steht. „Das heißt ‚liegen‘!“, reißt mich Rüdiger Gutjahr aus meinem Kindheitstraum. Also gut: Die Aida liegt am Kreuzfahrtterminal in Altona. Zurück in der Realität stehe ich zwar an einem Steuerrad und blicke von der Brücke der Tokyo Express über Hunderte Container hinweg auf Hamburg. Meine Sonntagsfahrt auf der Elbe ist aber nur eine Simulation des Schiffsführungssimulators im Internationalen Maritimen Museum Hamburg (IMMH).

Herr über Hunderte Simulationen

Dafür ist Rüdiger Gutjahr ein echter Kapitän. 42 Jahre fuhr er zur See, erlebte als Kapitän die Golfkriege vor der Küste Kuwaits und wehrte Piratenangriffe in der Straße von Malakka, Meerenge zwischen Malaysia und Indonesien, ab. Heute hält er es zwar etwas ruhiger, das Kommando will der 61-Jährige aber immer noch nicht ganz abgeben. Auf Deck 1 des IMMH ist er Herr über Hunderte Simulationen. Hier steht die neueste Version eines Schiffssimulators, von Museumsmitarbeitern liebevoll PT-Cruiser genannt, in Anlehnung an den im vergangenen Jahr verstorben Stiftungsvorstand und Museumsgründer Peter Tamm. Per Knopfdruck beamt mich Gutjahr auf die Brücke eines Kreuzfahrtschiffes nach Singapur oder in einen Schneesturm an Bord eines Schleppers in Rotterdam.

Besucherzahlen steigen

Der PT-Cruiser ist einer der Publikumsmagneten im Kaispeicher B, Hamburgs ältesten Speicherbau, an der Koreastraße 1. Damit das so bleibt, wurde der Simulator in den vergangenen Monaten von seinen 30 „Kapitänen“ – nicht alle Mitarbeiter haben ein Kapitänspatent – ordentlich aufgemöbelt. Fünf Flachbildschirme sorgen für den Rundumblick, sechs weitere Displays zeigen nautische Karten, Maschineneinstellungen und das aktuelle Wetter. „Ein Simulator für Profis aber auch Touristen“, sagt Gutjahr, der seit 2009 ehrenamtlich für das Museum arbeitet. Das noch recht junge Museum hat bereits nach neun Jahren einen bemerkenswerten Ruf in der Welt. Mehr als 30 Prozent der Besucher kommen aus dem Ausland. Im vergangenen Jahr stiegen die Besucherzahlen auf rund 125.00 an, 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Es sind Schmuckstücke wie ein nachgebautes Piratendeck mit historischen Kanonen, Christoph Columbus Santa Maria aus purem Gold oder der PT-Cruiser, die das Museum immer beliebter machen. Das tolle ist: Jeden Dienstag, Mittwoch und Sonntag ab 14 Uhr können Besucher bei öffentlichen Fahrten selbst Hand an das Steuerrad legen.

Spezielle Szenarien

Außerhalb der öffentlichen Fahrten können Gruppen von bis zu 25 Personen den Simulator inklusive Crew chartern (80 Euro pro Stunde). Für Hobby-Nautiker hält das Museum ganz besondere Szenarien bereit, die speziellen Simulationen sind kostenpflichtig und müssen telefonisch angemeldet werden. Dass nicht jede Fahrt eine Schönwetter-Fahrt auf der Elbe sein muss, merke ich schnell bei meiner zweiten Lehrstunde. Kapitän Rüdiger Gutjahr schickt mich per Mausklick vor Rotterdam in arge Schwierigkeiten. Wieder bin ich an Bord der Tokyo Express. Doch statt einer Ausflugsfahrt bei Sonnenschein muss ich nun das vollbeladene Containerschiff sicher aus dem Europort steuern, Orkanböen und meterhohe Wellen inklusive. Volle Kraft voraus und hart Backbord. Rüdiger Gutjahr fordert im Maschinenraum mehr Kraft aus den Dieselmotoren an. Das Schiff neigt sich unter dem Sturm gefährlich zur Seite. Den Horizont fest im Blick, hoffe ich, nicht auf den vor mir liegenden Deich zu laufen – vergeblich. Das Krachen aus dem Lautsprecher verrät: Aufgelaufen. „Dieses Szenario ist so gut wie unmöglich zu meistern“, tröstet mich Kapitän Gutjahr. Besser fühle ich mich damit auch nicht, aber das gute an dem Simulator ist, ich kann gleich die nächste Fahrt starten, dann aber lieber wieder auf der Elbe.

Internationales Maritimes Museum Hamburg: Koreastraße 1, Eintritt: 13/9,50 Euro, Anmeldungen für den Simulator unter Telefon 300923034
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