Nachfolger der City-Höfe: Siegerentwurf steht fest

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Dieser Entwurf des Hamburger Architektenbüros KPW Papay Warncke und Partner gewann den Wettbewerb Foto: KPW Papay Warncke und Partner
 
Die City-Hof-Hochhäuser stehen unter Denkmalschutz – noch. Initiativen wollen den Abriss verhindern Foto: wb
Hamburg: Klosterwall |

Pläne für Neubauten am Klosterwall liegen vor – Abriss-Gegner machen weiter Front

Von Christian Hanke
Hamburg-City
Jetzt steht der Siegerentwurf des städtebaulichen Wettbewerbs um die Neugestaltung des Areals der City- Höfe am Klosterwall fest. Das Verfahren ist jedoch umstritten. Das Hamburger Architektenbüro KPW Papay Warncke und Partner wurde von der Jury, bestehend aus Architekten, Politikern, Behördenvertretern und des Projektentwicklers Aug. Prien, auf Platz eins gewählt – mit seinem an die rote Backsteinarchitektur des nahen Kontorhausviertels angelehnten Entwurf eines aus drei Blöcken bestehenden zusammenhängenden Gebäudekomplexes. Ein Entwurf, der die Unesco zufriedenstellen soll. Die hatte das Kontorhausviertel 2015 zum Weltkulturerbe erklärt und deshalb nun angemahnt, dass eine Neugestaltung der City-Hof-Fläche mit deren Architektur zu korrespondieren habe.

Große Chance für Hamburg

Der Neubau soll im Süden Büros und Geschäfte, im Norden ein Hotel und im mittleren Bereich etwa 200 Wohnungen rund um einen ruhigen Innenhof beherbergen, von denen ein Drittel öffentlich gefördert wird. Die Senatorin für Stadtentwicklung, Dorothee Stapelfeldt, und Oberbaudirektor Jörn Walter sowie Vertreter der SPD zeigten sich begeistert. „Städtebaulich überzeugt der Entwurf von KPW mit seiner aus drei Gebäuden zusammengesetzten Gestalt, die sich gut in die Umgebung einfügt“, lobte Dorothee Stapelfeldt. Und Jörn Walter schwärmte: „Es ist eine große Chance für Hamburg mit diesem durchdachten Entwurf, einen noblen Eingang in seine Innenstadt zu erhalten, der die Perlen Chilehaus und Sprinkenhof nicht zu übertrumpfen versucht, aber mit seinen schönen Erdgeschosszonen, dem Wohnen und anderem mehr, eine stadträumliche Fassung gibt.“

Massive Kritik

Sollte dieser Entwurf umgesetzt werden, wäre der Abriss der City-Höfe besiegelt. Daran entzündet sich massive Kritik von den Oppositionsparteien, dem Denkmalverein und dem Verein City-Hof. Sie wollen die City-Höfe erhalten und sanieren lassen. Der Denkmalverein hält das aktuelle Verfahren zur zukünftigen Gestaltung der City-Hof-Fläche für „gesetzeswidrig, undemokratisch und denkmalfeindlich“ – weil die City-Höfe unter Denkmalschutz stehen und der Senat mit einem Abriss „zum wiederholten Mal das Gegenteil“ von Denkmalschutz demonstrieren würde. „Baudenkmäler werden abgerissen, wenn ihre Erhaltung wirtschaftlich uninteressant ist. Der Glaubwürdigkeit des Denkmalschutzes wird auf diese Weise großer Schaden zugefügt“, so die Vorsitzende des Denkmalvereins, Kristina Sassenscheidt, die auch die Form der Bürgerbeteiligung für „vollkommen unzureichend“ hält. Acht Stunden hatten Interessierte in der vergangenen Woche Zeit, um sich die zur Debatte stehenden sieben Entwürfe anzuschauen. „Angesichts der städtebaulichen Bedeutung und der Strittigkeit des gesamten Verfahrens wäre eine frühzeitige und ernstgemeinte Beteiligung aller Hamburgerinnen und Hamburger schon vor der Auslobung des Wettbewerbs notwendig gewesen“, moniert der Denkmalverein.

Bürgerbeteiligung?

An der praktizierten Bürgerbeteilgung lässt auch der Verein City-Hof kein gutes Haar. Sie sei „in Form einer schlecht beworbenen Ausstellung ohne inhaltlicher Erklärung der einzelnen Arbeiten und Möglichkeit für Rückfragen“ erfolgt, so Marco Alexander Hosemann, der Vorsitzende von City-Hof, der auch kritisiert, dass der Jury, die über die Entwürfe entschied, keine Bürgerinnen und Bürger als beratende Mitglieder angehörten, „sondern größtenteils befangene Personen aus Politik, Verwaltung und Immobilienwirtschaft.“ City-Hof fordert „den Rücktritt des Hamburger Senats von seinen aktuellen Verkaufsabsichten und eine Entwicklung des Areals mit und für alle Bürger unserer Stadt!“

Noch keine Abrissgenehmigung

„Gute Stadtentwicklung ist unterschiedlichen gesellschaftlichen Zielen verpflichtet, so zum Beispiel die städtebauliche Qualität, bezahlbare Mieten, Umweltschutz, Verkehr oder Barrierefreiheit. Das öffentliche Interesse solcher Ziele ist gegenüber dem Denkmalschutz im Einzelfall abzuwägen“, meint dagegen der Projektentwickler Aug. Prien. Noch liegt keine Abrissgenehmigung für den City-Hof vor. Auch der Denkmalschutz für die City-Höfe wurde noch nicht aufgehoben. Angesichts eines viel beachteten Entwurfs des renommierten Hamburger Architekten Volkwin Marg zur Sanierung des City Hofs (das Wochenblatt berichtete) sollten dieser und der nun von der Jury gekürte intensiv diskutiert werden, fordern die Gegner von Abriss und Neubebauung. Auch Dorothee Stapelfeldt ist dieser Meinung: „Die Entscheidung bildet keinen Abschluss, sondern ist der Beginn einer breiten, fruchtbaren öffentlichen Diskussion über diesen städtebaulich bedeutsamen Ort.“

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