Sorge vor Privatisierung in Hamburg

Wann? 23.02.2017

Wo? Überseeallee 15, Überseeallee 15, 20457 Hamburg DE
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Alles, was gesprochen wurde auf einen Blick: Illustratorin Elke Ehninger brachte die Themen des Abends in einer große Zeichnung unter Foto: Hanke
 
Setzen sich für den Erhalt städtischen Besitzes rund um den Hauptbahnhof ein: Heike Sudmann (Die Linke) und Schauspieler Rolf Becker Foto: Hanke
Hamburg: Überseeallee 15 |

Fortschreitende Umwandlung von öffentlichen Fächen und Gebäuden nur mit Protest aufzuhalten. Hauptbahnhof-Anrainer planen Aktionstreffen

St. Georg/Altstadt/Hammerbrook Der Ärger ist groß rund um den Hauptbahnhof. Anrainer und Interessierte beobachten voll Sorge eine zunehmende Privatisierung von Flächen und Gebäuden, die bis vor kurzem öffentlichen, oft gemeinnützigen Zwecken dienten oder noch dienen. Sieben betroffene und engagierte Institutionen hatten deshalb zu einer Diskussionsveranstaltung ins Herz AS im Münzviertel geladen, um „Alternativen zur Privatisierung“ zu entwickeln.

Upper-Class-Leben


Neben den Vertretern der Institutionen, die eingeladen hatten, sprachen unter anderen Politiker von SPD, Grünen, Linken und FDP, die Vorsitzende des Denkmalrats Hamburg, Elinor Schües, und der in St. Georg lebende Schauspieler Rolf Becker. St. Georg-Ikone Michael Joho, erster Vorsitzender des Einwohnervereins St. Georg von 1987, moderierte. Das Straßenkinder-Projekt „KIDS“ musste das Bieberhaus verlassen (das Wochenblatt berichtete). Für die Flächen der ehemaligen Schule für Hörgeschädigte im Münzviertel und für den City-Hof am Klosterwall werden gewinnträchtige Neubauvorhaben entwickelt. Die im City-Hof ansässige Caritas als Aufenthaltsort für Obdachlose ist daher von der Verdrängung bedroht. Das Apartmenthaus „Neuer Hühnerposten“ südlich des Hauptbahnhofes mit Zimmerpreisen ab 670 Euro für 19 Quadratmeter ist bereits ein Beispiel für die neue Entwicklung. „Wir stehen in Konkurrenz zum Upper-Class-Leben“, konstatierte Burkhard Czarnitzki, der Leiter des Straßenkinder-Projekts „KIDS“, bitter.

„Krieg der Bilder“


Einig waren sich hier alle in der Forderung nach einer sozialen Stadtentwicklung, nach einem Erhalt von städtischem Besitz, gerade in der Stadtmitte, als Grundlage für die Gestaltung von gemeinschaftlichen Vorhaben, zum Beispiel durch Genossenschaften. Insbesondere den City-Hof wünschten sich viele der Anwesenden als Gemeinschaftszentrum, der deshalb in städtischem Besitz bleiben solle. Dafür wollen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltung den bereits von der Bürgerschaft beschlossenen Abriss noch verhindern (das Wochenblatt berichtete). Einen wichtigen Aspekt zum Thema neue Großprojekte, die rund um den Hauptbahnhof den städtischen Besitz verdrängen, verdeutlichte die Vorsitzende des Denkmalrates Hamburg, Elinor Schües. Sie sprach vom „Krieg der Bilder“ bei der Präsentation dieser Großprojekte. Investoren zeigen verführerisch schön wirkende Computer-Animationen, die oft die Beteiligten, auch Politiker, beeindrucken, was zur Genehmigung besagter Projekte führen kann „Diese Bilder werden geglaubt. Dabei sind sie oft falsch“, erklärte Elinor Schües. Da wird schon mal der Michel ins Bild gestellt, obwohl der dort gar nicht gesehen werden kann. Deshalb widmet sich der Denkmalrat in diesem Jahr dem „Problem mit der Wahrheit!“.

Aktiver Protest


Um die fortschreitende Privatisierung rund um den Hauptbahnhof aufzuhalten helfe, so viele der Redner, nur Protest. „Das hilft uns“, sagte der Vorsitzende der Grünen-Fraktion in der Bezirksversammlung Mitte, Michael Osterburg. „Ein heftiges Signal“ wünscht sich die Bürgerschaftsabgeordnete der Linken, Heike Sudmann. „Widerstand ist die einzige Sprache, die die da oben verstehen“, wurde Schauspieler Rolf Becker sehr deutlich. „Staatliche Wohnungsbaugesellschaften können gegründet werden. Der Staat kann das bezahlen. Es muss nur eine Wille da sein“, fand Mieter-Anwalt Rolf Bosse. (ch)

Aktionstreffen


Am 23. Februar wollen die Hauptbahnhof-Anrainer in der HafenCity Universität, Überseeallee 15, 18.30 Uhr, wieder zusammenkommen – zum Aktionstreffen


Lesen Sie auch: Notlösung für „Kids“ in St. Georg

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2 Kommentare
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Marco Alexander Hosemann aus Winterhude | 09.02.2017 | 18:05  
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Rainer Stelling aus St. Georg | 12.02.2017 | 10:21  
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