„Tag der Bürger“ ?

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Die öffentliche Plandiskussion aus einer anderen Perspektive
Hamburg: City Nord |

Ein Kommentar zur Plandiskussion und Berichterstattung in Sachen Post-Pyramide

Jeder kennt das: Man schlägt morgens die Zeitung auf und regt sich richtig schön über deren Inhalt auf. Meistens schlucke ich den Ärger zusammen mit dem Kaffee herunter und lass es gut sein. Was ich jedoch am vergangenen Mittwoch, den 13. Januar 2016 im Hamburger Wochenblatt (Winterhude/Alsterdorf) unter der Überschrift „Pläne vorgestellt“ lesen durfte, möchte ich nicht unkommentiert lassen.

City Nord Die Bürger, die wie ich der Einladung des Stadtentwicklungsausschusses zur öffentlichen Plandiskussion des Entwurfs „Winterhude 71“ Anfang Januar folgten, konnten an zwei Händen abgezählt werden. Die Übrigen - der großzügig aufgerundeten 70 Besucher - waren eindeutig der Politik, Verwaltung sowie Immobilienwirtschaft zuzuordnen, was nicht heißen soll, dass diese Menschen nicht auch Bürger sind und an solchen Veranstaltungen teilnehmen dürfen. Problematisch ist es jedoch, dass diese Mehrheit das „Meinungsbild“ der Veranstaltung massiv beeinflusst hat und es nun zusätzlich durch eine schöngefärbte sowie befangene Berichterstattung der Hamburger Öffentlichkeit als „Bürgerwillen“ verkauft wird.
Doch dieses Bild ist alles andere als repräsentativ und zudem kommt diese scheinbare Bürgerbeteiligung leider - wie so oft - einen Schritt zu spät. Warum gab es nicht zuerst eine öffentliche Diskussion darüber, ob die Post-Pyramide erhalten oder abgerissen werden soll? Schließlich ist die Oberpostdirektion in der City Nord, wie sein Vorgängerbau am Stephansplatz, ein bedeutendes Zeugnis einer vergangenen Zeit und Teil unser gebauten Identität. Wieder einmal wurden die Bürger vor vollendete Tatsachen gestellt und wieder einmal wurden Pläne als alternativlos vorgestellt.
Die auf der Plandiskussion geäußerten Einwände gegen den Abriss, wurden keineswegs entkräftet, so wie es Waltraut Haas in dem besagten Artikel im Hamburger Wochenblatt behauptet. Vielmehr versuchten die Vertreter des Bezirksamtes Hamburg-Nord, Claus Jorga und Hans-Peter Boltres, den kritischen Gast zu beschwichtigen und sich mit großen Worten wie „Demut“ und „Marktwirtschaft“ herauszureden. Fehlen durften natürlich auch nicht die üblichen Argumente wie schlechte Energieeffizienz, fehlender Brandschutz oder Asbest, die weder fundiert waren noch einen Abriss rechtfertigen. Bei einer Sanierung kann das Gebäude an die heutigen Anforderungen angepasst und von den asbestbelasteten Bauteilen befreit werden. Eine Weiternutzung des Bestandes ist zudem nicht nur technisch möglich, sondern auch - anders als auf der Plandiskussion behauptet und im Artikel zitiert - wirtschaftlich.

Erhalt und auch Umnutzung sind möglich

Das beweisen eine konkrete Untersuchung zur Sanierung der Post-Pyramide durch den Hamburger Architekten Bernd Leusmann und eine durch Prof. Bernd Kritzmann an der HafenCity Universität Hamburg betreute Studienarbeit zur Umnutzung des Bauwerkes. Doch davon wollten die Anwesenden nichts wissen. Der vom Bezirk beauftragte Architekt widersprach lieber und lehnte sich sehr weit aus dem Fenster, in dem er anmerkte, dass die Sanierung des Unilever-Hochhauses in der Innenstadt 120 Mio. € gekostet habe. Auf die Nachfrage, was das auf den Quadratmeter gesehen gekostet habe, um es mit heutigen Neubaukosten in Relation zu setzen, gab er leider keine Antwort, weil man wahrscheinlich gemerkt hat, dass diese Rechnung nicht aufgehen würde.
Über die Denkmalwürdigkeit der Post-Pyramide kann man sicherlich streiten, nicht aber darüber, dass dieses Bauwerk mit seinen ca. 100.000 qm BGF eine enorme Ressource darstellt, die man weiterhin nutzen kann und sollte. Der „Ökologische Fußabdruck“ einer Neubebauung wäre so tief, wie das Loch, welches nach dem Abriss der Oberpostdirektion mit seinen 5 Untergeschossen übrig bleiben würde. Zudem ist jeder Erhalt günstiger als ein Neubau und ermöglicht somit erschwingliche Mieten für Wohnen und Gewerbe. Allein der Abriss der Post-Pyramide würde mehrere Millionen Euro verschlingen, alles muss von Grund auf neu geplant werden und die Baukosten haben sich aktuell im Vergleich zum Vorjahr um rund zehn Prozent erhöht, da seit Anfang 2016 die neu Energieeinsparverordnung gilt.
Im Sinne der Bürger und der Umwelt, spricht also alles für den Erhalt der Post-Pyramide. Aber wenn interessiert das schon? Am „Tag der Bürger“? (mah)
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5 Kommentare
393
Michael Kahnt aus Barmbek | 19.01.2016 | 09:00  
45
Marco Alexander Hosemann aus Winterhude | 19.01.2016 | 19:57  
1.241
Elke Noack aus Rahlstedt | 20.01.2016 | 11:07  
45
Marco Alexander Hosemann aus Winterhude | 20.01.2016 | 13:17  
1.241
Elke Noack aus Rahlstedt | 20.01.2016 | 13:34  
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