Sauerkrautgeruch versus Abgasgestank - Die Nasen der Köhlbrandbrückenläufer mussten tapfer sein

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Ein Mal im Jahr möglich. Läufer unter den Pylonen der Köhlbrandbrücke.
 
Eine der schnellsten Läuferinnen im Ziel.
Hamburg: Köhlbrandbrücke |

Was für San Francisco die Golden Gate Bridge, für London die Tower Bridge, ist für Hamburg die Köhlbrandbrücke. Am Tage der deutschen Einheit 2012 bezwangen fast 4000 Läufer bei der zweiten Auflage des Köhlbrandbrückenlaufes das Hamburger Wahrzeichen.

Angesichts des atemberaubenden Ausblicks trat der sportliche Aspekt bei den meisten Teilnehmern in den Hintergrund.
Auf der zwölf Kilometer langen Strecke passierten die Läufer zweimal die höchste Stelle der Brücke in einer Höhe von 53 Metern.
Es war dies erst das vierte Mal in der Geschichte des Bauwerks, dass nun Fußgänger die Brücke eroberten. Belohnt wurden sie mit dem einzigartigen Panorama, die Skyline Hamburgs, mit zahlreichen Sehenswürdigkeiten der Stadt. Ungehinderte Sicht auf den Michel, die Elbphilharmonie und nur ein wenig getrübt durch das Hamburger „Schietwetter“.

Erstmalig 1974 geöffnet

Das erste Mal überquerten Besucher die Brücke per pedes nach der Fertigstellung 1974. Diese Möglichkeit eröffnete der damalige Bundespräsident Walter Scheel und gab das Bauwerk für drei Tage für die Fußgänger frei.
Das zweite Mal war es erst 25 Jahre später möglich, zum Jubiläum 1999. Das dritte Mal im Jahr 2011, als bei der Erstauflage des Köhlbrandbrückenlaufes circa 2000 Menschen über die Brücke rannten.
Die schnellsten Läuferinnen und Läufer am Feiertag (um die 40 Minuten) waren dabei wesentlich schneller als mancher Brummifahrer, der Werktags die wichtigste Hafenspange passiert. Nicht all zu selten steht hier der Verkehr. Kein Wunder, bei bis zu 30 000 Kraftfahrzeugen täglich.
Ob und wie lange die zweit-längste Verkehrsbrücke Deutschlands noch begehbar und befahrbar bleibt, ist in der Diskussion. (Länger ist nur die Strelasundquerung, 4 100 Meter, von Stralsund nach Rügen.)
Bürgermeister Olaf Scholz bestätigte gegenüber der Presse, dass die Planung und die Finanzierung eines Ersatzbaus angestoßen werde.
Die Lebenserwartung der Brücke beträgt laut der Prognose der Technischen Universität Harburg noch 25 Jahre. Dann wird der Unterhalt und die Instandsetzung zu kostspielig. Die Schiffe, die unter der Brücke in den Hafen müssen, werden in Zukunft immer größer und höher.
Wenn alles gut geht, und nicht, wie 1998, ein Schwimmkran Hamburgs Wahrzeichen arg zusetzt, könnte der Köhlbrandbrückenlauf 2026 sein silbernes Jubiläum feiern. Damals am 20. Februar 1998, hatte der Schwimmkran „Rotterdam“ mit seinem Ausleger große Löcher in den Trägern gerammt, die eine mehrwöchige Sperrung zur Folge hatten. Es entstand ein nicht unerheblicher Schaden für alle Nutznießer dieser wichtigen Verkehrsader für Hamburgs Hafen.

Geruchsbelästigung

Die Zielläufer waren begeistert, mit Ausnahme der Bloggerin Marion Hansen aus Stolberg. Sie schreibt in ihrem Blog über den Lauf: „Einziges Manko: Bei Kilometer 4 und 5 bzw. zurück bei 8 und 9 stank es fürchterlich. Zuerst nach Biodiesel und dann nach Großküche bzw. ESSEN (konkret nach Sauerkraut).“
Alles Geschmackssache! Was rieche ich lieber? Abgase und Schwefelwasserstoff (faule Eier) oder appetitliches Sauerkraut gewürzt mit Hering?
Der Autor dieser Zeilen brauchte eine Stunde, 14 Minuten und 39 Sekunden (Netto)für die oben beschriebene Strecke. Neuer Rekord 2012 (unbestätigt): Unter 40 Minuten.

Die wichtigsten Fakten zur Köhlbrandbrücke

Länge: 3618 Meter
Breite: 17,6 Meter
Längste Stützweite: 325 Meter
Lichte Höhe: 53 Meter
Baukosten: 160 Millionen DM
Bauzeit: 4 Jahre
Beton verbaut: 81 000 Kubikmeter
Stahl: 12 700 Tonnen
Die Brücke ist für Fußgänger und Radfahrer gesperrt.

Kurioses:

In seiner Dissertation „Aspekte des Hamburger Suizidgeschehens“ stellt Dr. Kim Benjamin Behrens fest:
„Seit Freigabe der Köhlbrandbrücke für den Verkehr im September 1974 bis zum 12.04.2009 sind 83 Menschen von der Brücke in den Tod gesprungen. Insgesamt überwiegen bei den Suizidenten die Männer (Männer : Frauen = 4,8 : 1). Bisher haben ein Mann und eine Frau den Sprung von der Köhlbrandbrücke überlebt. Im gleichen Zeitraum konnten die visuellen Sicherungsmaßnahmen an der Brücke sowie das schnelle Eingreifen von Polizeibeamten und anderen Einsatzkräften, aber auch von Passanten, den Sprung von 202 Menschen erfolgreich verhindern. Somit kann gesagt werden, dass die angewandten und weiterentwickelten, bauwerkunabhängigen präventiven Sicherungsmaßnahmen im Bereich der Köhlbrandbrücke als erfolgreich betrachtet werden können.“
Quelle

Die Köhlbrandbrücke im Film:

„Bandits“ (1997) von Katja von Garnier (Regie) mit Katja Riemann, Jasmin Tabatabai, Nicolette Krebitz, Jutta Hoffmann und Hannes Jaenicke
Die Szene:
Die Polizei verfolgt die „Bandits“ und umstellt sie schließlich auf der Brücke. Luna (Tabatabai) und Angel (Krebitz) springen in die Elbe und Emma (Riemann) wird verhaftet. Die Polizei hat erneut das Nachsehen und die Jagd geht weiter.
Die Dreharbeiten auf der Hamburger Köhlbrandbrücke im Jahr 1996 waren für das Filmteam ziemlich nervenaufreibend. Die gesamte Brücke musste für den Verkehr während der Aufnahmen gesperrt werden. Und die Brücke war hoch, sehr hoch, wie Jasmin Tabatabai in ihren Anmerkungen im Making-of-Buch später schrieb.
Quelle: bandits-movie.de

Mehr Informationen zum Lauf auch auf der offiziellen Hompage koehlbrandbrueckenlauf.de
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