Gnadenfrist für Theater „Die Burg“

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In der Bugenhagenkirche darf noch ein Jahr lang Theater gemacht werden: wie‘s weiter geht, steht indes in den Sternen Foto: Heume
 
Burg-Intendantin Jennifer Rettenberger (r.) gibt so schnell nicht auf. An ihrer Seite: der Leiter des Improtheaters „Das Elbe vom Ei“ , Claudiu Mark Draghici Foto:Heume
Hamburg: Die Burg - Theater am Biedermannplatz |

Vertragsverlängerung um ein weiteres Jahr für das Spielhaus in Barmbek – Verkauf weiterhin unklar

Von Ruth Heume
Barmbek
„Im April ist Schluss“ – „Retter in Sicht?“ - „Chance für die Burg?“ Immer wieder waren die Bugenhagenkirche und das Theater „Die Burg“ in den vergangenen Jahren in den Schlagzeilen. Ein Dauerthema, auch für das Hamburger Wochenblatt. Jetzt bekam Burg-Intendantin Jennifer Rettenberger die Vertragsverlängerung für ein weiteres Jahr bis April 2018. Es bleibt kompliziert. Das Grundstück, auf dem die denkmalgeschützte Kirche, erbaut in den 1920er-Jahren, steht, ist im Eigentum der Stadt Hamburg. Das Gebäude selbst gehört dem Kirchenkreis Hamburg-Ost. Seit 2004 wird die Kirche nicht mehr zu kirchlichen Zwecken genutzt.

Verkauf abgelehnt

Seit 2012 betreibt Jennifer Rettenberger in der Bugenhagenkirche das Theater „Die Burg“. Im Laufe der Jahre wurde es zu einer festen kulturellen Größe in Barmbek und darüber hinaus. Dann hieß es plötzlich: das Theater und alle anderen Mieter müssen im April 2016 raus, weil der Kirchenkreis das sanierungsbedürftige Gebäude nicht halten kann. Die Stadt möchte dem Kirchenkreis das Grundstück zum symbolischen Preis von einem Euro übertragen. Dann könnten Gebäude und Grundstück gemeinsam an einen potentiellen Investor gehen. Ein erster Interessent stand schnell auf der Matte, aber der war äußerst umstritten: Sowohl der Stadtteilrat Barmbek-Süd als auch die Mehrheit der in der Bezirksversammlung vertretenen Fraktionen und Gruppen lehnten einen Verkauf an die Eastside-Gemeinde ab.

Politik wird aktiv

Begründung: Es würde ein religiöses Zentrum für eine kleine Gruppe von Menschen entstehen, während die heutige Nutzung durch die „Burg“ dem gesamten Stadtteil zugute käme. Außerdem genieße die Eastside-Gemeinde einen zweifelhaften Ruf, vereinzelt war von „sektenähnlichen Strukturen“ die Rede. Ebenso gab es den Vorwurf, ein Mitarbeiter des Landesbetriebs Immobilienmanagement und Grundvermögen (LIG), der für den Verkauf städtischer Grundstücke zuständig ist, stünde der Eastside-Gemeinde nahe. Die Finanzbehörde dementierte. Anfang 2016 tauchte dann ein neuer Investor auf. Der Immobilienunternehmer Manfred Vogler sagte Jennifer Rettenberger im Falle der Übernahme eine Nutzung für mindestens weitere fünf Jahre zu. Der Kirchenkreis verlängerte daraufhin den Vertrag mit der Burg um ein weiteres Jahr. Rettenberger improvisierte einen Spielplan für das zweite Halbjahr 2016. Vom Kirchenkreis und Vogler hörte sie nichts mehr. Aber jetzt wurde die Politik aktiv: Die Fraktion Bündnis90/Die Grünen stellte vor drei Monaten eine Senatsanfrage, wie es die SPD bereits im März getan hatte. Die Antwort war wenig befriedigend: Der LIG bereite derzeit den Verkauf des Grundstücks an den Kirchenkreis vor.

Verzögerungen wegen Personalwechsels?

Warum das so lange dauert, fragt sich auch André Bigalke, Vorsitzender des Stadtteilrats Barmbek-Süd. Seines Wissens überprüfe der Kirchenkreis derzeit mehrere Immobilien hinsichtlich ihrer zukünftigen Nutzung. Auch habe es einen Personalwechsel gegeben, der möglicherweise eine Verzögerung bewirkt habe. Dem Kirchenkreis sei nach wie vor an einem öffentlichen Interessensbekundungsverfahren gelegen, so Bigalke. Das bedeute, dass es eine Ausschreibung für potentielle Investoren geben werde – womit sowohl die Eastside-Gemeinde als auch Manfred Vogler wieder im Rennen wären – und die Kirche unter Auflagen verkauft werde. Der Stadtteilrat Barmbek-Süd spricht sich ganz klar für eine kulturelle und stadtteiloffene Nutzung aus.

Verlängerung bis April 2018

Zumindest scheint der politische Druck bewirkt zu haben, dass der Vertrag mit der Burg um ein weiteres Jahr bis April 2018 verlängert wurde. Also arbeitet Jennifer Rettenberger mal wieder mit Hochdruck an einem neuen Programm für 2017. Erste Eckpunkte stehen bereits fest: Am 21. Januar findet jedenfalls im Gottesdienstraum im Obergeschoss ein Tango-Festival statt. Am 17. Februar steht das Ensemble von „Das Elbe vom Ei“ mal wieder auf der Bühne. Die Improtheater-Truppe probt seit 2013 in den Räumen der Burg und tritt dort regelmäßig auf. Claudiu Mark Draghici, Leiter des Ensembles, schätzt die sehr gute und persönliche Zusammenarbeit mit der Intendanz. „Die Burg ist unsere Geburtsstätte. Für 2017 planen wir wieder einige Auftritte. Auch an neuen Formaten arbeiten wir.“ „Das Elbe vom Ei“ wurde 2016 zum zweiten Mal in Folge Vizemeister bei der Improliga Hamburg. Ende Februar und Anfang März kommt dann das Aelita-Musiktheater mit dem Stück „Männer WG“ in die Burg.

Weltpremiere in Barmbek

Besonders stolz ist Jennifer Rettenberger auf die nächste Eigenproduktion „Die Hamletmaschine“ am 28. Januar. Es ist eine Weltpremiere: Katharina Kickinger tanzt zu dem Stück von Heiner Müller und der Musik der Einstürzenden Neubauten. Das Stück, das sich 1977 mit dem Terror der RAF befasste, ist heute so aktuell wie eh und je. Es wurde vielmals aufgeführt, aber noch nie „vertanzt“. Für die Veranstaltung erhält sie Fördermittel vom Bezirksamt Hamburg-Nord. „Ich sehe das als ein Zeichen, dass mein Konzept und meine Arbeit hier gewürdigt werden.“

Weitere Infos: Die Burg – Theater am Biedermannplatz

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